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Wird Zittaus Problem-Brücke bald saniert?

Seit Jahren ist der deutschlandweit einmalige Bau über die Mandau ein Sanierungsfall. Jetzt stehen 2,5 Millionen Euro bereit. Was der Plan vorsieht.

Von Thomas Christmann
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Die Südstraße führt über die Mandau-Brücke. Doch die Fahrbahn ist seit Jahren eingeengt.
Die Südstraße führt über die Mandau-Brücke. Doch die Fahrbahn ist seit Jahren eingeengt. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die über die Mandau führende Prinz-Friedrich-August-Brücke entlang der Südstraße in Zittau ist bundesweit einzigartig. Ende des 19. Jahrhunderts errichtet, entspricht der Bau aus Beton und Natursteinverkleidung zwar der Zeit. Doch dass Züge auf einer Brücke eine Straße queren, gibt's sonst nirgendwo in Deutschland. Bekannt sind sonst nur parallel verlaufende Strecken, auf denen Fußgänger, Fahrzeuge und Eisenbahnen verkehren.

Diese Zittauer Besonderheit hat der Brücke bisher nur nicht dazu verholfen, die baulichen Mängel abzustellen. Bereits 2011 mussten die Geländer neben Kraftverkehr und Mandaukaserne mit Warnbaken gesichert werden. Drei Jahre später war der Zustand des Bauwerks von 1896 so schlecht (Note 3,2), dass der Freistaat eine Tonnagebegrenzung auf 16 Tonnen anordnete. Die Prüfung ergab Längsrisse an der Gewölbeunterseite, aber auch Schäden am Mauerwerk, der Abdichtung, Absturzsicherung und Fahrbahn - auch durch die stetig wachsende Verkehrsbeanspruchung. Seither ist die Brücke nur noch eingeengt nutzbar. Der Schwerlast-Verkehr muss auf benachbarte Übergänge ausweichen.

Nun aber tut sich etwas. Die Brücke steht im diesjährigen Bauprogramm für Staatsstraßen, nach dem coronabedingt späteren Landtags-Beschluss zum Haushalt 2021/2022. Bis dahin durften nur absolut notwendige gesetzliche Ausgaben getätigt werden. Jetzt stehen 2,5 Millionen Euro bereit, um Zittaus Problem-Brücke in Angriff zu nehmen.

Was muss gemacht werden?

Der Plan ähnelt der 2014 aufwändig sanierten "König-Albert- Brücke", wie Franz Grossmann vom Landesamt für Straßenbau- und Verkehr (Lasuv) mitteilt. Das heißt: Die Bögen werden komplett abgetragen, die Widerlager und Pfeiler instandgesetzt, danach ist der Überbau an der Reihe. Gleichzeitig sind nach dem Plan alle verwendbaren Natursteine aufzuarbeiten und denkmalgerecht wiederzuverwenden. Für das neue Geländer dient das historische als Vorlage.

Eine Herausforderung stellt laut Franz Grossmann die diagonale Querung der Straße durch die Bahn dar. Doch in Abstimmung mit Denkmal-, Verkehrs- und Wasserbehörden sowie der Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft (Soeg) fand sich eine zeitsparende Lösung. So setzen die Planer bei den Bögen auf Betonfertigteile. "Die beiden querenden Gleis-Brücken können dadurch erhalten und die Sperrzeiten für die Bahn erheblich verkürzt werden", teilt der Lasuv-Sprecher mit. Anschließend geht's mit dem Straßenbau weiter. Zeitgleich will die Soeg die einzelnen Gleise erneuern.

Die Sanierung der Südstraße zwischen Schlieben- und Schrammstraße ist hingegen zu einem späteren Zeitpunkt geplant. Es ist das letzte Stück auf der Strecke. Von der Sachsenstraße bis zum Ortsausgang ist sie bereits seit 2015 grundhaft ausgebaut.

Wann starten die Arbeiten?

Noch im Spätsommer erfolgt die Vergabe der Bauleistungen, informiert Franz Grossmann. Ebenfalls 2021 laufen vorbereitende Tätigkeiten und werden die Fertigteile hergestellt. Der Beginn der Arbeiten an der Brücke ist für Februar nächsten Jahres vorgesehen. Diese sollen voraussichtlich im November 2022 beendet sein.

Welche Einschränkungen gibt's?

Die Südstraße wird mit Beginn der Arbeiten an der Brücke ab Februar für Fahrzeuge und Fußgänger voll gesperrt, teilt der Lasuv-Sprecher mit. Die Schliebenstraße ist während dieser Zeit aus westlicher (Hochwaldstraße) und östlicher Richtung (Friedensstraße) eine Sackgasse. Die Umleitung erfolgt über die Schramm- und Friedensstraße sowie den Martin-Wehnert-Platz. Fußgänger gelangen über die Hochwaldstraße (400 Meter entfernt) oder die Friedensstraße (250 Meter entfernt) über die Mandau. Die Bushaltestellen "Schliebenstraße“ und "KVG" werden durch die Haltestellen "Dr.-Sommer-Straße" und "Sternwarte" ersetzt.

Die Zittauer Schmalspurbahn verkehrt voraussichtlich zwischen Ende Februar und Ende Juni nächsten Jahres nur ab "Zittau Vorstadt" bis Oybin und Jonsdorf. Ab Juli 2022 fahren die Züge wieder im unmittelbaren Baubereich - allerdings mit verringertem Tempo.