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Ärger nach Stümperei von Dussa-Fahrer

Der Pannenfahrer zerstört das Auto von Tom L. aus Zittau bei der Bergung aus dem Schnee - und seine Probleme deswegen nehmen seit Wochen kein Ende.

Der Pannenhelfer hat das Fahrzeug bei der Bergung aus dem Straßengraben schwer beschädigt.
Der Pannenhelfer hat das Fahrzeug bei der Bergung aus dem Straßengraben schwer beschädigt. © privat

Der 14. Januar war für Tom L. aus Zittau ein traumatischer Tag. Am frühen Morgen jenes Donnerstags rutschte er mit seinem Ford-SUV in Großhennersdorf beim Abbiegen von der schneeglatten Straße in die Böschung. Ein kleiner Schreck, Tom L. blieb unverletzt und sein Auto unbeschädigt. Doch der Alptraum folgte erst. Denn der angerückte Pannenfahrer der Firma Dussa zog sein Auto so grob aus der Böschung, dass der Wagen dabei schwer beschädigt wurde - und ließ Tom L. dann mit seinem nahezu nicht mehr fahrtüchtigen Auto zurück. Auch jetzt einen Monat später hat er sein Auto immer noch nicht zurück - und es ist ungewiss, welche Kosten auf ihn zukommen.

Der Pannenfahrer hatte sich damals geweigert, das ramponierte Fahrzeug aufzuladen und in die Werkstatt zu bringen. Mit Schleichfahrt und stark verzogener Lenkung schaffte es Tom L. gerade so in die Ford-Werkstatt nach Löbau. Und dort steht sein Auto bis auf den heutigen Tag, denn die Reparatur gestaltet sich langwierig. "Bei der Bergung wurde unter anderem der Querträger vorne beschädigt, der nun ersetzt werden muss", sagt er. Bloß: Dieses Teil liegt nicht einfach beim Händler im Ersatzteilregal, sondern muss aus Kanada bestellt werden. "Es ist damit zu rechnen, dass der Wagen erst Mitte März fertig wird", sagt Tom L.

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Probleme mit Mietwagen-Kosten

Doch damit hat der Ärger noch kein Ende. Die Werkstatt hat Tom L. seit dem Unfalltag einen Mietwagen zur Verfügung gestellt. Laut dem von der Dekra im Auftrag von Tom L. erstellten Schadensgutachten hat er gemäß der Klasse seines Fahrzeugs Anspruch auf einen Ersatzwagen zu Kosten von etwa 100 Euro täglich. Weil er aber wegen seines Arbeitsplatzes in Dresden täglich 250 Kilometer zurücklegt, kostet Tom L.'s Ersatzwagen - ein Ford Focus - täglich 125 Euro. "Das ist ja klar, weil der Mietwagen bei dieser Fahrleistung ja eine höhere Wertminderung erfährt, als bei normalem Gebrauch", sagt er. Schließlich könne man vom Vermieter nicht verlangen, für die Nutzung des Fahrzeugs auch noch draufzuzahlen. "Seit dem Unfalltag habe ich mit dem Auto über 5.000 Kilometer zurückgelegt", erzählt Tom L. Er schätzt, dass sich die Kosten für den Mietwagen bis zur Reparatur seines Autos auf 7.500 Euro summieren werden - mehr als die reinen Reparaturkosten.

Und genau für diese Mietwagenkosten wollte die Versicherung von Dussa zunächst nicht gerade stehen. Die Versicherung ließ Tom L.'s Anwalt wissen, dass ihm bei Schäden aus einem sogenannten Frachtvertrag kein Ersatz von Mietwagenkosten zustehe. "Aber von einem Frachtvertrag kann hier ja gar nicht die Rede sein. Der Pannenfahrer hat mein Auto ja gar nicht aufgeladen", sagt Tom L. "Die Bergeleistung erfolgte ohne Verbringung zur nächsten Werkstatt. Es war mithin lediglich ein Werkvertrag des Bergens", teilt denn auch sein Anwalt der Versicherung mit. Weiterhin wiederholt der Anwalt der Versicherung gegenüber Tom L.'s Vorwurf, dass die Bergung überaus unprofessionell erfolgte. "Ein im Graben gerutschtes Fahrzeug am Rad quer zu ziehen, ist nicht Stand der Technik. Hierbei muss ein Fachmann wissen müssen, dass in den Querlenker eingegriffen wird bzw. dieser beschädigt werden kann", heiß es in dem Anwaltsschreiben. Deswegen hat die Versicherung mittlerweile eingelenkt und geschrieben, die Mietwagenkosten "innerhalb des versicherten Zeitraums" zu übernehmen - ein Begriff, mit dem Tom L. nicht viel anfangen kann. Und Papier ist geduldig.

Ein seltsames Entschuldigungs-Schreiben

Skeptisch macht Tom L. in dieser Hinsicht besonders auch ein Schreiben der Firma Dussa. Als erste Reaktion hatte Geschäftsführer Klaus Dussa die Anschuldigungen von Tom L. gegenüber SZ noch als "verleumderisch" bezeichnet. Von diese Haltung ist die Firma nun abgerückt. Prokuristin Corinna Dussa bittet Tom L. nun in dem Schreiben um Entschuldigung für den eingetretenen Schaden und schreibt weiter: "Sie können versichert sein, dass alle Kollegen unseres Hauses ihre tägliche Arbeit mit Leidenschaft und einer hohen fachlichen Kompetenz durchführen." Eine Auffassung, für die Tom L. nur noch Sarkasmus übrig hat: "Leidenschaft stimmt - es hat Leiden geschaffen. Und wenn das die hohe fachliche Kompetenz war, möchte ich der Inkompetenz nicht begegnen." Immerhin: Der Fahrer, der den Fall von Tom L. "betreut" habe, sei einer "hausinternen Schulung unterzogen" worden, schreibt Dussa weiter.

Und dann kommt in dem Schreiben das, was Tom L. überprüft hat - und nicht bestätigt fand. "Der Schaden an ihrem Fahrzeug wurde durch den ADAC (die Versicherung von Dussa - d. Red.) an ihre Werkstatt vollständig reguliert", schreibt Dussa. Doch Tom L. weiß das anders. "Ich habe in der Werkstatt angerufen und man hat mir gesagt, dass es noch keinen Zahlungseingang gab. Der Wagen ist ja auch noch gar nicht fertig und es ist noch gar keine Rechnung gestellt", sagt er. Auch sein Anwalt, über den die Zahlung eigentlich abgewickelt werden sollte, habe noch kein Geld erhalten. "Außerdem hat die gegnerische Versicherung gefordert, dass Auto selbst noch begutachten zu wollen", sagt er. Ein legitimes Verlangen, gesteht Tom L. ein - was die Fertigstellung seines Autos indes noch weiter verzögern könnte.

Ergänzung 17. Februar 14.20 Uhr: Mit Schreiben vom 16. Februar an Tom L.'s Anwalt hat die ADAC-Versicherung nun mitgeteilt: "Unsere Haftung können wir dem Grunde nach bestätigen und werden wie folgt regulieren: Reparaturkosten netto 5.080,53 Euro, Sachverständigenkosten 730,80 Euro, Wertminderung 200,00 Euro."

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