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Zittaus Altenheime im Corona-Krisenmodus

Mehr als 40 Bewohner in zwei Einrichtungen haben sich inzwischen infiziert. Das hat auch Folgen für die Angehörigen.

Cornelia Urban kann ihre Schwiegermutter derzeit nicht besuchen. Aufgrund mehrerer Cooronafälle ist im Altenheim an der Zittauer Weberkirche erneut ein Besuchsverbot verhängt.
Cornelia Urban kann ihre Schwiegermutter derzeit nicht besuchen. Aufgrund mehrerer Cooronafälle ist im Altenheim an der Zittauer Weberkirche erneut ein Besuchsverbot verhängt. © Matthias Weber/photoweber.de

Sich persönlich zu sehen oder mal in den Arm zu nehmen - das ist momentan tabu. Wenn Cornelia Urban mit ihrer Schwiegermutter sprechen will, dann nur übers Telefon. Denn im Zittauer Pflegeheim St. Jakob an der Inneren Weberstraße gilt ein Besuchsverbot. Schon im Frühjahr während der ersten Corona-Welle durften die Heimbewohner keinen Besuch von ihren Angehörigen empfangen. Nun wurde das Verbot erneuert.

Das ist nicht nur eine Vorsichtsmaßnahme wegen der stark steigenden Corona-Zahlen in Zittau. Es ist die Konsequenz nach mehreren positiven Tests. In ihren Einrichtungen registrierte die Zittauer Alten- und Pflegeheim GmbH "St Jakob" bisher 42 Corona-Fälle unter den Bewohnern, wie Geschäftsführer Raik Urban der SZ mitteilt. Betroffen ist laut Urban neben dem Heim auf der Inneren Weberstraße auch das auf der Lortzingstraße. Von den über 190 Bewohnern in den insgesamt drei Häusern hat sich damit etwa jeder fünfte mit dem Coronavirus angesteckt.

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Alle Bewohner, die zugestimmt haben, wurden laut Urban inzwischen auf das Coronavirus getestet.

Auch Mitarbeiter infiziert

Angesteckt haben sich aber nicht nur Bewohner, sondern auch Mitarbeiter. Um wie viele Mitarbeiter es sich handelt, kann Raik Urban nicht sagen. Aufgrund der erkrankten Pflegekräfte sei die Situation sehr angespannt. Trotzdem sei die Versorgung aller Bewohner gewährleistet, betont der Geschäftsführer. Es müssen zwar Abstriche bei der Betreuung gemacht werden, aber kein Bewohner leide, versichert Urban. Das gelinge, indem die verbliebenen Mitarbeiter Schichten der erkrankten Kollegen übernehmen und Überstunden leisten.

Erst am Mittwoch hatte der Landkreis Görlitz einen Aufruf veröffentlicht, dass Corona-Helfer für Pflegeeinrichtungen gesucht werden. Denn in mehreren Pflegeeinrichtungen kommt es laut Kreis aktuell zu einem erhöhten Infektionsgeschehen. Knapp 20 Heime sind betroffen, darunter Einrichtungen in Oppach, Neusalza-Spremberg, Rothenburg und Görlitz.

Die Einrichtungen bemühen sich, Ersatz zu finden, doch das gelinge nicht in ausreichendem Maße. Aus dem Grund unterstützt der Kreis nun bei der Suche, wirbt um Freiwillige, die bei der Betreuung der Heimbewohner eingesetzt werden könnten.

Der erste Aufruf im Frühjahr war nur bedingt erfolgreich, erklärt Kreissprecherin Franziska Glaubitz. Damals trafen vor allem Helferangebote für den Raum Löbau-Zittau ein, besonders stark betroffen seien allerdings Pflegeheime im Norden des Kreises - Niesky und Krauschwitz - gewesen. Es gab demnach punktuell Vermittlungen, die aber nur von kurzer Dauer waren.

Bereits zehn Helferangebote

Der Aufruf, der seit Mittwoch läuft, scheint nach Einschätzung der Landkreisverwaltung erfolgreicher zu sein, denn es gingen bereits zehn Helferangebote ein, die der Landkreis nun sichten und bestenfalls an die betroffenen Pflegeeinrichtungen vermitteln wird. "Es ist aber auch in der Fläche eine ganz andere Situation und so erhoffen wir uns mit diesem Aufruf natürlich eine weit größere Wirkung als im Frühjahr", sagt Franziska Glaubitz. Die jeweiligen Träger der Pflegeeinrichtungen klären dann alle weiteren Modalitäten wie Art und Umfang des Einsatzes mit den interessierten Helfern.

Bei der Zittauer Alten- und Pflegeheim GmbH sind laut Urban bisher keine freiwilligen Helfer, die über den Landkreis geworben wurden, tätig. Allerdings seien in den Senioreneinrichtungen ehrenamtliche Mitarbeiter im Einsatz, die aufgrund der angespannten Situation weitere Aufgaben übernommen haben.

Um die Pflegeeinrichtungen zu entlasten, war zwischenzeitlich auch entschieden worden, dass positiv getestete Mitarbeiter ohne Symptome weiter in der Pflege eingesetzt werden können. Der Einsatz erfolgt freiwillig und die Pflegekräfte dürfen nur Bewohner betreuen, die auch an Corona erkrankt sind.

Auch die Zittauer Alten- und Pflegeheim GmbH setzt darauf, dass Mitarbeiter die arbeitsfähig und symptomfrei sind, weiter in der Pflege tätig sind. "Wir brauchen jede Hand", meint Raik Urban.

Ursprung nicht bekannt

Ein Angehöriger eines Bewohners behauptet gegenüber der SZ, dass es in den betroffenen Zittauer Heimen auch mehrere Todesfälle gegeben haben soll. Raik Urban kann das so nicht bestätigen. Er will aber nicht ausschließen, dass auch Bewohner im Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung verstorben sind.

Wie das Coronavirus in die Pflegeeinrichtungen kommen konnte, sei nicht nachvollziehbar, so Urban. "Wir sind keine abgeschottete Einrichtung. Unsere Bewohner konnten Besuch empfangen, jederzeit das Haus verlassen, einkaufen oder feiern gehen", erklärt der Geschäftsführer der Alten- und Pflegeheim GmbH.

Das soll bald wieder der Fall sein. Vorerst gilt aber noch das Besuchsverbot - übrigens für alle drei Häuser der Gesellschaft. In den beiden betroffenen Heimen werde es aber strenger gehandhabt. Cornelia Urban kennt das aus eigener Erfahrung. Ihre Schwiegermutter konnte sie Anfang Oktober das letzte Mal besuchen, seitdem wird nur noch telefoniert. Die Hörnitzerin ist froh, dass ihre Schwiegermutter das Fernbleiben so gut verarbeitet. "Sie hat sich noch nie beschwert." Auch sie selbst habe keinen Grund für Beschwerden, die Heimleitung informiere die Angehörigen umgehend über Verdachtsfälle und Infektionen. Es gibt aber auch Angehörige, die sich gegenüber der SZ über die Informationspolitik beschweren.

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