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Zittaus ältestes Geschäft macht dicht

Der Lederladen in der Bautzner Straße ist nur noch wenige Tage geöffnet. Mit seiner Schließung endet eine jahrhundertealte Tradition.

Lederwaren Lozowik in der Bautzner Straße in Zittau schließt. Petra Lozowik bietet die restlichen Waren nun bei einem Räumungsverkauf vergünstigt an.
Lederwaren Lozowik in der Bautzner Straße in Zittau schließt. Petra Lozowik bietet die restlichen Waren nun bei einem Räumungsverkauf vergünstigt an. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die ersten Kunden haben ihren Abschied bereits bedauert, doch für Petra Lozowik steht fest: Das Ende naht. Am 21. November will sie ihr Lederwarengeschäft in der Bautzner Straße in Zittau schließen. "Ich bin 35 Jahre hier, irgendwann ist mal Schluss", sagt sie. Petra Lozowik wird bald 65 - bis zu dieser Altersgrenze wollte sie im Laden stehen. Das eigene Alter sei zwar der Hauptgrund für die Schließung des Zittauer Lederwarengeschäftes, aber es gebe auch andere Gründe, meint sie. So habe sich das Kaufverhalten in den vergangenen Jahren verändert. Trotzdem sind die Umsätze bis zuletzt gut gewesen - auch dank der vielen Touristen.

Mit seinen gut 45 Quadratmetern Verkaufsfläche gehört der Lederladen von Petra Lozowik zu den kleineren Geschäften in der Zittauer Innenstadt, dennoch finden die Kunden hier eine große Auswahl. Allein aus mehreren Dutzend Geldbörsen kann ausgewählt werden, dazu Taschen in den verschiedenen Farben und Formen. Das alles gibt es jetzt im Räumungsverkauf deutlich günstiger. Bis Ende November will Petra Lozowik noch so viele Waren wie möglich an die Frau oder den Mann bringen. Dann ist für sie definitiv Schluss.

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Vor 177 Jahren gegründet

Das Ende des Lederwarengeschäftes in der Bautzner Straße ist keine Schließung wie jede andere. Mit dem Lederladen macht Zittaus derzeit ältestes Geschäft zu. Diesen Titel trägt der Laden seit der Schließung von Schnaps Prenzel in der Rosa-Luxemburg-Straße. 

Gegründet wurde der Betrieb 1843, also vor 177 Jahren. Der erste Inhaber war Joseph Herrgesell. Ihm folgten drei weitere Generationen der Familie Herrgesell. Etwa 40 Jahre nach der Gründung des Betriebes übernahm Heinrich-Philipp Herrgesell dessen Leitung, vor dem Ersten Weltkrieg dann sein Sohn Karl-Bernhard. Letzterer war es auch, der den Ladenverkauf einführte. Er bot nun Täschnerwaren, Sportutensilien wie Box- und Fechtgerätschaften oder Wintersportgeräte, Zelte, Sonnenschirme und Ausrüstungen für das Feuerlösch-, Sanitäts- und Rettungswesen sowie den Gas- und Luftschutz an. Nach dem Tod von Karl-Bernhard Herrgesell 1959 übernahm Karl-Heinz Herrgesell Geschäft und Werkstatt. Die DDR-Behörden legten ihm immer wieder Steine in den Weg, das fing schon bei der Meisterprüfung an. Doch er protestierte jedes Mal erfolgreich - auch, um den Familienbetrieb erhalten zu können. 

1985 übergab er das Geschäft an Renate Wünsche, weil die eigenen Söhne kein Interesse hatten. Renate Wünsche und Petra Lozowik kannten sich von der damaligen Kreisapotheke. Und so kam Petra Lozowik in das Lederwarengeschäft. Zuerst war sie Angestellte, ab Mitte der 90er Jahre selbst die Chefin.

Die Lozowiks erwarben das Haus Bautzner Straße 5 von den Herrgesells und unterzogen es 1996 einer umfassenden Sanierung. Anfang diesen Jahres haben sie es wieder verkauft. Aus diesem Grund suchte Petra Lozowik in den vergangenen Monaten nicht aktiv nach einem Nachfolger. Um einen neuen Mieter für die Ladenräume müsse sich jetzt der neue Eigentümer bemühen, findet sie.

Bis zum 21. November soll der Lederladen noch offen bleiben - dann ist für Inhaberin Petra Lozowik Schluss.
Bis zum 21. November soll der Lederladen noch offen bleiben - dann ist für Inhaberin Petra Lozowik Schluss. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Sortiment war nach der Wende deutlich größer

Die Wende sei ein Glücksfall für den Laden gewesen, erklärt sie. Erhielten sie zu DDR-Zeiten als Kommissionshändler nicht die Waren, die die HO-Geschäfte bekamen, konnte sie nach dem Mauerfall das Sortiment deutlich vergrößern. Petra Lozowik achtete immer darauf, auch hochwertige Produkte anzubieten. Die fand sie zum Beispiel auf der Internationalen Lederwarenmesse in Offenbach, die sie viermal im Jahr besuchte. Die Kunden wussten das zu schätzen, berichtet die Zittauer Einzelhändlerin. Auch Tschechen und Polen kamen gern bei ihr einkaufen.

Die Werkstatt gab es nach der Wende nicht mehr. Karl-Heinz Herrgesell gab sie 1989 auf, als Reparaturen zu teuer wurden und sich nicht mehr lohnten. Das Ladengeschäft blieb weiter bestehen - und das noch 31 Jahre. "Es gehört schon was dazu, sich über eine so lange Zeit zu halten", findet Petra Lozowik.

Es habe ihr immer Spaß gemacht, meint sie zum Abschied rückblickend. Nun freut sie sich auf mehr Freizeit und darauf, sich mehr um ihre Familie, den Garten und die vielen anderen Hobbys zu kümmern.

Künftig ist "Schreibwaren Menzel" in der Reichenberger Straße das älteste durchgehend bestehende Geschäft in Zittau, gegründet wurde es 1867.

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