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Zu viele Sachsen sind extrem übergewichtig

Viele Diäten wirken nur kurz, sagen Ärzte. Was beim Abnehmen wirklich hilft, lesen Sie von heute an in einer SZ-Serie.

Übergewicht sorgt oft für hohen Blutdruck und Diabetes.
Übergewicht sorgt oft für hohen Blutdruck und Diabetes. © dpa

Dresden. Die Sachsen werden immer schwerer. 49 Prozent der Frauen und 51 Prozent der Männer haben Übergewicht. Nach den kalorienreichen Feiertagen versuchen jetzt viele, mit Diäten die Pfunde loszuwerden. „Doch sie wirken oft nur kurz“, sagt Professor Matthias Blüher, Leiter der Adipositasambulanz Leipzig. „Bei extremem Übergewicht bringen sie meist gar keine messbaren Erfolge.“

Etwa jeder sechste Mann und jede siebente Frau im Freistaat sind bereits so übergewichtig, dass sie eine Krankenhausbehandlung benötigen – entweder wegen der Adipositas selbst oder aufgrund einer schweren Folgeerkrankung wie Diabetes Typ 2 oder Bluthochdruck. Das geht aus einer Erhebung der Barmer Ersatzkasse hervor. Besonders besorgniserregend sei dabei, dass sich die Zahl der unter 40-Jährigen mit extremem Übergewicht seit 2012 fast verdoppelt hat. Als extrem gilt ein Body-Mass-Index (BMI) von 35 und mehr. Eine 1,70 Meter große Frau zum Beispiel wiegt dann mehr als 100 Kilogramm.

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In den Adipositas-Zentren der Unikliniken Dresden und Leipzig wird geforscht, wie einer durch das Übergewicht drohenden Diabetesepidemie entgegengewirkt werden kann. So steht ein Medikament in Deutschland kurz vor der Zulassung, mit dem das Sättigungsgefühl früher einsetzt. „Damit wird weniger gegessen. Mit sinkendem Gewicht normalisieren sich auch die Blutfett- und -zuckerwerte“, sagt Professor Andreas Birkenfeld von der Uniklinik Dresden.

Manchmal hilft nur eine OP

Reichen Medikamente und Diät nicht aus, kann oft nur noch eine Operation helfen. Die Zahl der sogenannten bariatrischen Operationen, bei denen der Magen verkleinert wird, hat sich deutschlandweit verzehnfacht, so der Barmer-Krankenhausreport. Die Krankenkasse AOK Plus verzeichnet in Sachsen seit 2014 eine Verdopplung der von der Kasse finanzierten Eingriffe. Mitverantwortlich dafür ist eine neue Leitlinie zur Adipositasbehandlung, die den Zugang zur OP erleichtert. So zahlen die Kassen nun schon ab einem BMI von 35, wenn zusätzlich gewichtsbedingte Krankheiten vorliegen. Zertifizierte Zentren in Sachsen für eine solche OP befinden sich in Dresden, Freital und Leipzig.

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Am besten ist es aber, es gar nicht erst zum Übergewicht kommen zu lassen. Ein neuer Trend sind individualisierte Diäten, bei denen der Nährstoffbedarf anhand von Gen- oder Blutuntersuchungen ermittelt wird. Sie sind aber oft sehr teuer und noch nicht ausreichend erforscht. Auch das Intervallfasten nach dem Vorbild von Fernseharzt Eckart von Hirschhausen findet immer mehr Anhänger. Was beim Abnehmen wirklich hilft, lesen Sie ab heute in einer neuen Serie in der SZ.