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Abriss der DDR-Bauten - ja oder nein?

Sollte Ostmoderne im Stadtbild erhalten bleiben? Viele SZ-Leser haben sich zu diesem Thema geäußert - und haben eine klare Meinung.

Vor einem Jahr wurde das alte Fernmeldezentrum am Postplatz abgerissen. © SZ/Peter Hilbert

Vergangene Woche analysierte SZ-Autor Peter Ufer, welche DDR-Bauten aus dem Dresdner Stadtbild in den vergangenen Jahren verschwunden sind - und wie schmerzlich dieser Verlust für die architektonische Geschichte der Stadt ist. Der Artikel "Eine Stadt verschwindet" ist ein persönlicher Blick des Autoren auf den Abriss der Häuser, der aber offenbar den Nerv vieler Dresdner getroffen hat. Hier einige Zusendungen:

"Das alles wird einer gesichtslosen Investorenarchitektur geopfert"

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Neuer Umsteigepunkt für Linien 9 und 13 

Endspurt für die Bauarbeiten am Bahnhof Strehlen. Am 5. Juli bieten die Verkehrsbetriebe kostenlose Sonderfahrten auf der Neubaustrecke an.

Mit seltener Offenheit setzt sich Peter Ufer mit dem geschichtsvergessenen Umgang Dresdens mit seiner Nachkriegsmoderne auseinander. In der Reihe der schmerzhaften Verluste fehlt allerdings der Mehrzwecksaal des Kulturpalastes, der als Herzstück dieses Kulturbaus galt. Ein Gemeinwesen, das das architektonische Erbe der 1950er bis 1980er Jahre einer gesichtslosen Investorenarchitektur opfert, sollte sich m.E. nicht um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“ bewerben, wenn es seine Selbstachtung nicht verlieren will.

Jürgen Karthaus, Dresden

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Stadt ohne Vision

In Dresden werden im großen Umfang DDR-Bauten abgerissen. Das kann nur dann gut sein, wenn das Danach besser ist – meint der Architekt Yadegar Asisi.


"Kurzfristige Gewinninteressen dominieren über das Stadtwohl"

Ich habe den Beitrag mit Interesse, Erkenntnisgewinn und viel Zustimmung gelesen. Geschichtslosigkeit, Respektlosigkeit gegenüber Altem und Schönem, Dominanz privater kurzfristiger Gewinninteressen über das Stadtwohl, das alles beklage ich bei den Verantwortlichen unserer Stadt. Da war ja die Bauordnung im Augusteischen Zeitalter verantwortungsbewusster. 

Prof. Wendelin Szalai, Dresden

"Von Einfallsarmut der Schuhkarton-Architektur abgelöst"

Dieser Artikel trifft den Nerv vieler Dresdner. Diese Auslöschungsversuche der DDR-Vergangenheit sind genau wie die Bevorzugung der Westkader eine der Hauptursachen für die Unzufriedenheit der Bürger und deren Abwendung von der Politik. Die SZ merkt es eben leider erst, wenn es zu spät ist. Man hat bis jetzt immer die Pläne von Stararchitekt Kulka zur „Erneuerung“ gepriesen. Die über die Jahre entstandene Vielschichtigkeit der Dresdner Nachkriegsarchitektur wurde durch Eintönigkeit und Einfallsarmut der Schuhkarton-Architektur abgelöst. Heute feiert man eine „Runde Ecke“ am Postplatz schon als gestalterischen Höhepunkt.

Jochen Forner, Dresden


"Das ist Materialverschwendung und vergrößert die Müllberge"

Im Interesse des Profits wurden DDR-Erinnerungen beseitigt und schöne und nützliche Gebäude abgerissen. Das ist außerdem eine Materialverschwendung und vergrößert die Müllberge.

Rita Kring, Dresden


"In Erfurt wurde anders mit DDR-Baugeschichte umgegangen"

Ihr Artikel hat mich gefesselt, je mehr ich in die sachlich-objektive und dennoch Emotionen berührende Doppelseite hineinlas. In Erfurt wurde anders mit DDR-Baugeschichte umgegangen, auch wenn in den 1990ern ähnliche Bestrebungen des Wegrisses drohten und teilweise auch praktiziert wurden. Dennoch gibt es heute eine Stadtstruktur, in die genau die vom Autor beschriebenen, von der Bevölkerung gut angenommenen, Bauten der DDR-Moderne bewusst erhalten blieben. Es ist keine billige Ostalgie, wenn man hier klar sagt, dass in Dresden planmäßig gelebte Baugeschichte weggebaggert wurde. Schade drum! 

 Hendrik Schlegel, Görlitz


"Die ärmliche DDR leistete sich noch einen Gestaltungsanspruch"

Man fragt sich in Anbetracht der überall empor wuchernden weiß-grau-braun gewürfelten Einförmigkeit, weshalb gegenwärtig das Ziel eines abwechslungsreichen, wiedererkennbaren und gemeingefälligen Stadtbildes offenbar aufgegeben wurde, wenn selbst die ärmliche DDR sich noch einen städtebaulichen Gestaltungsanspruch leisten wollte. Es drängt sich die Vermutung auf, Investoren, Architekten und Kommunalplaner wischen aus Gründen der Gier, Ideologie und Ignoranz derartige Ansprüche der Allgemeinheit an ihre Stadt als „populistisch“ vom Tisch.

Stefan Provezza, Dresden