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Auf dem Reißbrett steht Neu-Mühlrose 

Für die künftigen Bewohner bleibt es eine Zitterpartie. Wann der Bagger anrückt, hängt von der Kohle-Kommission ab.

Von Constanze Knappe
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Tagebau Nochten im Mai 1997
Tagebau Nochten im Mai 1997 © Foto: Sammlung Strödicke

Lieber heute als morgen könnten die Bagger zwischen dem Groß Dübener und dem Lieskauer Weg in Schleife anrücken, um mit der Erschließung von Neu-Mühlrose zu beginnen. Jedenfalls, wenn es nach den meisten Einwohnern von Mühlrose geht, die „seit mehr als 10 Jahren auf die Folter gespannt werden“, wie es der Schleifer Bürgermeister Reinhard Bork (parteilos) am Dienstagabend im Gemeinderat erklärte. Aber auch, wenn es nach der Gemeinde Schleife geht. Die steckt mittendrin in dem Planverfahren für die Neuansiedlung von Mühlrose. Nachdem sich die Mehrheit der Einwohner des Trebendorfer Ortsteils für Schleife entschied, hatte man sich flugs an die Planungen gemacht.

Mit einer Enthaltung beschloss der Gemeinderat Schleife am Dienstag den Entwurf des Bebauungsplans „Ansiedlungsstandort Mühlrose“. Auf dem Reißbrett – oder besser in digitaler Form an der Wand des Schleifer Kulturzentrums (SKC) – ist Neu-Mühlrose längst fertig. Um das Zentrum mit dem späteren Dorfgemeinschaftshaus und einer Fläche fürs Mietwohnen gruppieren sich 38 Baugrundstücke. Die sind nach den Worten von Ansgar Kaup alle vergeben, weshalb eine Erweiterung vorgesehen ist. „Damit gewinnen wir Spielraum für zusätzliches Wohnen oder gemeinschaftlich nutzbare Flächen“, erklärte der Bauplaner vom Architekturbüro Richter & Kaup aus Görlitz. Gemeinschaftsflächen für Sport und Freizeit sind wie auch Grünflächen ohnehin Teil des Plans. Die Bebauung darf maximal zehn Meter hoch werden. Mit einer vorgegebenen minimalen Höhe will man Häuser im Bungalowstil ausschließen. Auch Stadtvillen sind nicht erwünscht. Neu-Mühlrose soll ländlichen Charakter haben. „Genehmigt wird ansonsten, was schon jetzt in Mühlrose erlaubt war“, sagte Ansgar Kaup. Erschlossen wird das neue Wohngebiet in Schleife vom Kreisverkehr an der Spremberger Straße aus über eine 6,50 Meter breite Haupterschließungsstraße. Vorgegeben ist beispielsweise auch, dass entlang des Groß Dübener Wegs zum Schutz vor Verkehrslärm Schallschutzfenster einzubauen sind.

Inzwischen liegen die Gutachten zu dem Bebauungsplan „Ansiedlungsstandort Mühlrose“ vor. Auf deren Grundlage habe man noch kleine Änderungen am Entwurf vornehmen müssen, so der Planer. Der Boden in dem Bereich sei „tragfähig und ausreichend versickerungsfähig“. Ein Artenschutzgutachten von 2015 war zu überarbeiten. Amphibien oder Reptilien wurden nicht gefunden. Von besonderer Bedeutung allerdings ist die Heide- oder auch Feldlerche. „Sie steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Darauf müssen wir reagieren“, erklärte Ansgar Kaup. Geändert wurde deshalb die vorgesehene Bepflanzung. „Einige Bäume werden durch Sträucher ersetzt, um der Heidelerche bessere Anflugbedingungen zu schaffen“, sagte er. Aus Gründen des Artenschutzes wird die Baufeldfreimachung nur jeweils in der Zeit vom 1. Oktober bis 28. Februar erlaubt sein.

Etliche Diskussionen gab es im Vorfeld um den Friedhof für Mühlrose. Dafür wird der vorhandene Friedhof in Schleife durch eine zusätzliche Fläche in östlicher Richtung erweitert. Dort sei auch Platz für Erinnerungsstätten wie das Kriegerdenkmal Mühlrose vorgesehen. Der neue Teil des Friedhofs bekommt eine Zufahrt von der Spremberger Straße, ist ebenso fußläufig über den Schleifer Friedhof erreichbar.

Gern hätten die künftigen Bewohner von Neu-Mühlrose eine Bushaltestelle direkt am Dorfgemeinschaftshaus. Ein Schulbus sei jedenfalls nicht nötig, so Ansgar Kaup. Denn vom neuen Wohngebiet aus besteht Sichtkontakt zu dem jetzt im Bau befindlichen Deutsch-Sorbischen Schulzentrum in Schleife. Ob jedoch der Linienbus künftig durch das Wohngebiet fährt, sei nicht Bestandteil des Bebauungsplans.

Intensiv wurde in den vergangenen Monaten an den Plänen gearbeitet. Im November wurden sie den Einwohnern von Mühlrose vorgestellt. Auch deren Hinweise fanden Eingang in den Entwurf. Dieser wird nun vom 1. Februar bis 5. März öffentlich ausgelegt. Den endgültigen Beschluss soll der Gemeinderat Schleife im Mai fassen.

Voraussetzung für die Errichtung von Neu-Mühlrose ist der Grundlagenvertrag zur Umsiedlung des Trebendorfer Ortsteils, der dem Tagebau Nochten weichen soll. In intensiven Verhandlungen hatten sich die Gemeinden Schleife und Trebendorf mit der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) auf ein Vertragswerk geeinigt. Beide Gemeinderäte stimmten dem Kompromiss zu. Der Aufsichtsrat der Leag bekannte sich ebenfalls dazu. Ursprünglich sollte der Vertrag zum 1. April 2019 in Kraft treten, im Sommer der Bagger zur Erschließung von Neu-Mühlrose anrücken und 2024 die Umsiedlung abgeschlossen sein. Ob es aber tatsächlich dazu kommt, hängt von den Empfehlungen der sogenannten Kohle-Kommission ab. Ein vorzeitiger Kohle-Ausstieg, daran lässt die Leag keinen Zweifel, lässt sämtliche Pläne wie Seifenblasen platzen.