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Bergpiraten bleiben in kommunaler Hand

Der Bad Muskauer Stadtrat legte der Verwaltung eine Willensbekundung vor. Sie ist mehr als ein Achtungszeichen, macht Wege frei.

Die Kita in Bad Muskau wurde mit Übernahme durch die Stadt, die auch Schulden des insolventen Vorgängers und alle Baukosten per Kredit übernahm, fertig saniert.
Die Kita in Bad Muskau wurde mit Übernahme durch die Stadt, die auch Schulden des insolventen Vorgängers und alle Baukosten per Kredit übernahm, fertig saniert. © Sabine Larbig

Die rund 140 Kinder fühlen sich wohl in der Kita Bergpiraten. Von den Problemen hinter den Kulissen wissen sie nichts. Sie sind einfach glücklich in der modernen Kita, neben der seit 2020 sogar ein öffentlicher Abenteuerspielplatz steht. Und, das ist selten seit Corona, der Virus legte die Bad Muskauer Kita nie komplett lahm.

All dessen sind sich die Stadträte bewusst, die am Mittwoch eine von allen Fraktionen unterzeichnete Willensbekundung an Bürgermeister Thomas Krahl übergaben. Darin wird der Verbleib der Kita, die nach Insolvenz des einstigen Trägers Turmvilla-Verein seit Februar 2015 in städtischer Hand ist, in kommunaler Trägerschaft gefordert. Das Papier ist auch ein Zeichen in Richtung freier Träger, Mitarbeiter, Eltern und Stadtverwaltung. Denn die Angst vor einer Übernahme der Bergpiraten ist groß, seit es zwei potenzielle Interessenten gibt, aber weder Mitarbeiter noch Eltern sie wollen. Darauf hat der Stadtrat nun reagiert. Mit der Willensbekundung fordert er den Bürgermeister zudem auf, den Inhalt zu vertreten. Der besagt, dass „eine Abgabe der Kita nicht infrage kommt. Gespräche darüber und zu weiteren Anfragen potenzieller Träger sind deshalb entbehrlich“, so der Wortlaut der Bekundung.

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Papier ist grobes Handlungskonzept

Der hat zur Folge, dass die Stadt auch in die Kita investiert, um deren Kneipp-Konzeption und andere Angebote zu entwickeln und bauliche Standards kontinuierlich anzupassen. „Um einem Investitionsstau vorzubeugen, braucht es eine langfristige Perspektive des Verbleibs der Kita in kommunaler Trägerschaft, sodass der Stadtrat notwendige Investitionen perspektivisch auch freigeben kann. Insbesondere die Qualitäts- und Weiterentwicklung der Kita ist im Fokus des Stadtrates und soll hier auch durch diesen weiterhin noch aktiver begleitet werden“, heißt es in der Begründung der Willensbekundung.

Hinter den Formulierungen verbergen sich konkrete Probleme, die angepackt und gelöst werden sollen. So geht es um die Aufklärung der Ursachen für den steten Personalwechsel in der Bad Muskauer Kita und die Beendigung zum Wohl der Kinder. Und es geht um Investitionen in Bauvorhaben wie die lange geplante Erweiterung des Schlaf- und Therapiebereiches im Erdgeschoss. Zuletzt scheiterte der Bauantrag im Technischen Ausschuss, weil die Stadt bereits Unterlagen und Konzepte für rund 20.000 Euro Vorkasse erstellen ließ, obgleich Ausschüsse oder Stadtrat noch nicht zugestimmt hatten und eine Grundsatzentscheidung zur Kita-Trägerschaft fehlte. Daher wollten die Ausschussmitglieder „die Kita nicht für andere hübsch“ machen.

Solche Irritationen sind nun vom Tisch. Nicht aber die Probleme hinter den Kulissen. „Es hat uns immer gewundert, dass einzelne Kita-Mitarbeiter zu einzelnen Räten mit Problemen kamen, nicht aber zum Bürgermeister. Aber wenn im Arbeitsvertrag steht, dass sie mit dem Kontrollorgan, also der Stadt, nicht über Missstände sprechen dürfen, ist es verständlich“, erklärte Mirko Bartell (CDU) dazu. Fraktionskollege Siegmar Nagorka forderte, auch praktisch zu zeigen, dass die Stadt hinter Kita und Personal steht. „Als CDU-Fraktion machen wir das Angebot für Gespräche mit Mitarbeitern, da immer neue Probleme und Gerüchte aufkommen. Über die Inhalte berichten wir im Rat.“ Man müsse ja wissen, ob alles funktioniere oder der Träger in die Speichen zu greifen habe. Heidi Knoop (Linke) regte zusätzlich die Räteteilnahme an Gruppenelterngesprächen an und forderte mehr Einbeziehung des Kita-Ausschusses. „Sonst brauchen wir ihn nicht.“

Eltern sind offen für Hilfsangebote

Dass die Willensbekundung wichtiges und gemeinsames Anliegen des Stadtrates sei, unterstrich Thomas Baum (SPD). „Und es geht auch darum, dass Eltern und Mitarbeiter das Signal erhalten, dass die Stadt hinter der Kita steht, eine vertrauenvolle Zusammenarbeit gewollt ist.“ Damit Eltern und Personal mitsprechen können, müsse die Kooperation deutlich besser werden.

Die Willensbekundung und Gesprächsangebote finden die Eltern gut, wie Elternratmitglied Phillip Klose in der Bürgerfragestunde äußerte. „Auch wir kennen die wirklichen Probleme nicht oder nur zum Teil, können auf Missstände nur in unseren Sitzungen, zuletzt mit dem Kita-Ausschuss, aufmerksam machen.“ Allerdings, so Klose, hätte er sich gewünscht, dass der Bürgermeister auch seine Teilnahme an den Gesprächen öffentlich verkündet hätte.

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