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Corona bremst Waldeisenbahner aus

Die touristische Schmalspurbahn hat sich bislang über Wasser gehalten. Doch 2021 wird es eng. Auch beim Osterdampf.

Noch stehen die Wagen und Waggons der Waldeisenbahn Muskau (WEM) abgeparkt, gesichert und mit Bremsklötzen, also Hemmschuhen, versehen auf dem Bahngelände in Weißwasser.
Vorbereitet auf die neue Saison sind die Waldbahner, ihre Technik und Strecken. Se
Noch stehen die Wagen und Waggons der Waldeisenbahn Muskau (WEM) abgeparkt, gesichert und mit Bremsklötzen, also Hemmschuhen, versehen auf dem Bahngelände in Weißwasser. Vorbereitet auf die neue Saison sind die Waldbahner, ihre Technik und Strecken. Se © Sabine Larbig

Karfreitag sind die von historischen Dampfloks gezogenen Züge nach Bad Muskau und Kromlau voll, brummen Souvenirverkauf und Gastronomie. Normalerweise. Denn Corona macht den Waldeisenbahnern möglicherweise zum zweiten Mal in Folge das Geschäft mit dem Osterdampf zum Saisonstart kaputt. Und nicht nur da liegt der Hemmschuh, also der Bremsklotz.

„Erst wenn wir den genauen Inhalt der aktuellen Corona-Verordnung des Freistaates kennen, wissen wir, ob er uns Spielraum für einen Saisonstart zu Ostern lässt. Bis dahin können wir nicht wirklich planen “, sagt Heiko Lichnok, Geschäftsführer der Waldeisenbahn Muskau (WEM), am Mittwoch bei einem Pressegespräch frei heraus. Die Waldbahner haben zwar Szenarien erarbeitet, unter welchen Bedingungen sie Gäste fahren könnten. Dazu zählen Platzreservierung, Vorlage aktueller Negativ-Tests der Gäste ebenso wie Fahrten in ausschließlich offenen Wagen und ohne Zwischenstopps. Ob und was möglich wird, ist fraglich. Anders als klassische Bahnen zählt die WEM als Tourismusbetrieb und Freizeiteinrichtung. Und die dürfen laut aktueller Verordnung in Sachsen nicht öffnen. Schon gar nicht Ostern. Da sich die Lage aber stetig verändert, wollten die Waldbahner vorbereitet sein. Soweit es geht.

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Hoffen auf Saisonstart zu Ostern

„Wir haben Getränke und etwas Tiefkühlware für den Imbiss eingekauft. Frischware nicht, um sie bei Ausfall des Saisonstarts nicht wegwerfen und somit sinnlos Geld ausgeben zu müssen“, bekennt Bahn-Chef Lichnok. Noch etwas ratlos ist auch Olaf Urban, Vorsitzender des WEM-Fördervereins, der sich um die personelle Absicherung der Saison mit Ehrenamtlern kümmert. Schaffner, Lokführer, Techniker, Heizer, Helfer in Gastronomie oder beim Fahrkartenverkauf kommen aus ganz Deutschland. Normalerweise. Durch Corona dürfen sie jetzt nämlich wieder nicht anreisen und mehrere Tage, wie zu Ostern erforderlich, in Pensionen oder Hotels der Region übernachten. „Das bedeutet, wir sind als Verein nicht 100 Prozent einsatzfähig, können nur mit regionalen Ehrenamtlern und den wenigen Festangestellten der WEM die Fahr- und Personalpläne erstellen, die – falls wir Ostern fahren dürfen – nur Dieselloks statt Dampf ermöglichen“, erklärt Olaf Urban.

Noch haben die Enthusiasten von der Schmalspurbahn die Hoffnung auf einen pünktlichen Saisonbeginn nicht aufgegeben, obgleich er ohne Osterdampf sein wird. Wirtschaftlich gesehen brauchen sie ihn dringend, nachdem schon 2020 durch Corona ein Fahrbetrieb nur von Mai bis Oktober möglich war. „Bei Regen, Kälte und Schnee fährt niemand in offenen Wagen und andere Konzepte für die Winterzeit waren unter den Coronabedingungen nicht möglich“, begründet Olaf Urban die kurze Vorjahressaison. Ausverkaufte Veranstaltungen wie Mondscheinfahrten, Weihnachtsmannfahrt oder Glühweinexpress mussten ebenfalls abgesagt werden. Charterfahrten von Reisegruppen sind seit einem Jahr um 90 Prozent eingebrochen. Die sonst so zahlreichen polnischen sowie tschechischen Bahnfans kamen 2020 nur in der zweiten Saisonhälfte und sehr verhalten.

Trotzdem konnte Heiko Lichnok beim Pressegespräch rund 40.000 beförderte Fahrgäste vermelden. Es sei vorrangig „Laufkundschaft“ gewesen: Einwohner der Region, Ausflügler, Urlauber. Weil 2020 zudem das 125-jährige Jubiläum der Kleinbahn war und es, statt der in zwei Jahren Vorlauf geplanten vielen Höhepunkte und Großveranstaltungen, nur ein dreitägiges Festwochenende vom 11. bis 13. September gab, zog das besonders viele Menschen an. Mit täglich 40 Zügen auf drei Strecken sei so letztlich das gute Fahrgastaufkommen zustande gekommen.Spenden statt Corona-Hilfen„Dadurch, mit Rücklagen und Spenden haben wir uns über Wasser gehalten“, sagt Vereinschef Ola Urban. Die rund 2.000 Euro Spenden seien von Bahnfans aus ganz Deutschland gekommen. Oft verbunden mit Hinweisen, sie als private Corona-Hilfen für die Kleinbahn anzusehen.

Für 2021 hat die Bahn nun keine finanziellen Puffer mehr. „Wir hoffen sehr, dass wir keinen Schaden nehmen“, fasst Olaf Urban die ernste Lage zusammen, die erneut von absehbaren Einnahmeausfällen bei Fahrbetrieb, Gastronomie und Verkauf gekennzeichnet ist. Auf staatliche Corona-Hilfsgelder kann nicht gesetzt werden. Das „öffentliche Unternehmen“ WEM hat keinen Anspruch. Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiter war wegen laufender Instandhaltungs-, Reparatur-, Wartungsarbeiten nur bedingt nutzbar. Und von den beantragten November- und Dezemberhilfen erhielt die Bahn, laut Geschäftsführer Heiko Lichnok, bis heute noch keinen Cent.

Investitionen in die Bahn-Zukunft

Ausbremsen ließen sich die WEM-Akteure dennoch nicht. Sie nutzen die Zwangspause, um Gleise und Bahnsteige im Bahnhof Kromlau zu sanieren; Dächer auf halboffene Wagen der Tonbahn-Strecke zu bauen; Gebäude und Außenanlagen auf dem Gelände in Weißwasser im Rahmen des städtischen Efre-Projekts instand zu setzen und mit dem Aufbau einer 82 Jahre alten Hilax-Lok – sie soll das vierte einsatzfähige Dampfross werden – zu starten. Selbst die Internetpräsenz wurde überarbeitet.

Auf der Seite der Waldeisenbahn Muskau gibt es neben Informationen zu Strecken, Fahrplan, Preisen, Höhepunkten jetzt ein Shop-System für Souvenire und Tickets für Sonderfahrten. „Das erleichtert vieles für unsere Kunden, Mitarbeiter und Seitennutzer, die nun auch mit mobilen Endgeräten Zugriff haben“, unterstreicht Heiko Lichnok die Investition, die zu 50 Prozent vom Freistaat gefördert wurde und Mehreinnahmen durch Verkäufe bringen soll. Das Einzige, was die Waldbahner jetzt brauchen, ist ein auf „Freie Fahrt“ gestelltes Signal für 2021 statt weiterer Corona-Hemmschuhe.

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