Weißwasser
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Hermannsbad hat Musikpavillon wieder

Nicht nur durch ein erstes Konzert, viele Besucher und hochrangige Gäste war die Einweihung ein besonderer Akt.

Von Sabine Larbig
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Das Bandprojekt „Krambambuli“ aus Dresden hatte die Ehre, als erste Gruppe den neuen Musikpavillon nutzen und hier ein Konzert geben zu dürfen. Eine große Ehre, wie Bandleader Frank Haußig sagte.
Das Bandprojekt „Krambambuli“ aus Dresden hatte die Ehre, als erste Gruppe den neuen Musikpavillon nutzen und hier ein Konzert geben zu dürfen. Eine große Ehre, wie Bandleader Frank Haußig sagte. © Joachim Rehle

Etwas mehr Sonnenschein und weniger Regen hätten der Einweihungsfeier am vergangenen Sonnabend noch mehr Glanz verliehen. Trotzdem versprühte der öffentliche Akt einen Hauch der alten, mondänen Zeit von vor etwa 200 Jahren.

Damals spazierten gut gekleidete und bestens gelaunte Damen und Herren durch das Hermannsbad, tranken und speisten, während Kapellen im 1866 errichteten gusseisernen Musikpavillon zur musikalischen Unterhaltung aufspielten. Sie waren Kurgäste, mit denen Hermann Fürst von Pückler-Muskau die leeren Kassen seiner Standesherrschaft auffüllen wollte – analog dem mondänen und schnell aufstrebendem Kurort Marienbad. Was dort aus dem Nichts aufgebaut wurde – und den Ort bis heute weltberühmt, anziehend und reich macht – funktioniert, so Pücklers Idee, auch mit Muskau und seinem Moor sowie der Eisenvitriolquelle! Eilig ließ er daher im Hermannsbad die Villa Bellevue als Gästehaus bauen, einen Musikpavillon, den Kuppelpavillon mit Wandelhalle, Trinkbrunnen, Moorwannen. Das „Pop-up-Spa“, wie es Parkdirektor Cord Panning am Sonnabend bezeichnete, bewarb der Fürst als „besser und billiger als Marienbad“. Um Gäste anzulocken, so Pückler-Kenner Panning weiter, habe der Fürst sogar seinen Weinkeller geöffnet, mit den Gästen gemeinsam gespeist, ließ täglich sowie bei jeder An- und Abreise eine 15-köpfige Kapelle aufspielen und an den Wochenenden Feuerwerke zünden. Trotzdem blieb der ersehnte Erfolg aus, floppte das Kurprojekt. „Pückler und Ökonomie waren eben ein ungleiches Paar, und so scheiterten Vorhaben wie Kurbad, Ananaszucht oder Neißeschifffahrt grandios“, weiß Cord Panning.

Was blieb, waren die Kurtradition in Muskau und ein noch heute gültiges Kurort-Prädikat, der inzwischen Weltkulturerbe-Park und der Badepark – ein Park im Park samt Gebäuden und Anlagen. Die werden seit 2012 schrittweise und konzeptionell saniert. Nicht für elitäre Besucher, wie es einst der Fall war, sondern zur Nutzung durch die Allgemeinheit. Die war daher auch zur Einweihung des nach historischem Vorbild errichteten Musikpavillons geladen. Rund 200 Bürger nutzten die Gelegenheit, zu den Ersten zu gehören, die dort ein Konzert erlebten – flankiert von gastronomischen Angeboten von Vereinen wie Historica, Förderverein Pückler-Park und Rot-Weiß Bad Muskau, Powerfrauen und Rotarier Weißwasser. Es war fast ein bisschen Flair wie zu Pücklers Zeiten. Auch, weil die Einnahmen und Spenden für Kuchen, Getränke und Bratwurst in den Park und ein Projekt an der Villa Pückler fließen. Die wird samt orientalischem Garten und Dauerausstellung zu Pücklers Orientreisen anno 2024 eingeweiht. Noch ist das Zukunftsmusik. Ebenso wie die Einweihung des zu „200 Jahren Hermannsbad“ fertig werdenden Kuppelpavillons 2023.Gegenwartsmusik ist dagegen der Musikpavillon, der nun bei Festen und Feiern, neuen Formaten und Open-Air-Picknicks, die künftig hier stattfinden, genutzt wird, nachdem der Vorgänger – eine 1912 errichtete Musikmuschel – seit der Nachkriegszeit spurlos verschwunden ist. „Jetzt entstand eine neue, tolle Preziose, die den Puls des Hermannsbads freudig und erregt schlagen“ lasse, umschrieb Parkdirektor in seiner Rede das gläserne und verspielt-leicht wirkende Bauwerk.

Anders als bei Pückler war sein Bau durch Geld des Bundes (aus dem einstigen Parteien- und Massenorganisationen-Vermögen) sowie Spenden und Sponsoring von Anfang an gesichert.Zarter Bau trägt schwere LastAllerdings seien, bekannte Jaroslaw Golaszewski, Niederlassungsleiter Bautzen des Sächsischem Immobilien- und Baumanagements (SIB) und zuständig für alle Bauvorhaben im Welterbe-Park, nicht 480.000 Euro Kosten geplant gewesen, wie spezielle bauliche Anforderungen, Corona und Preis-Explosionen sie letztlich verursachten. „Der Bau des Musikpavillons war alles andere als spielerisch und leicht und von Planung bis Umsetzung eine echte Herausforderung“, so Golaszewski. Auch, weil die sechs verglasten und einzeln schwenkbaren Öffnungselemente samt Dach von nur „drei zarten Stützen“ getragen werden, auf denen sechs Tonnen Gewicht der Dachkonstruktion plus das Gewicht der sechs je 320-Kilo-Flügeltüren lagern. Für das Legen von Medien wie Elektroanschluss, Wasser und Abwasser sowie Standfestigkeit und kreisrundes Fundament seien zudem Aushub, Bodenaustausch und Verfestigung bis zu einer Tiefe von 1,50 m erforderlich gewesen, so der SIB-Chef, ehe er Cord Panning als Übergabe-Zeichen einen symbolischen Notenschlüssel aus Teig überreichte.

Begeistert vom neuen Bauwerk war auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, der den Musikpavillon als „kulturell besonderen Ort“ im von den Menschen getragenen Entwicklungsmotor Welterbepark bezeichnete. „Der Park ist ein Zeichen, was alles möglich ist, was positive Energie und Miteinander erreichen“, so Kretschmer zur Einweihung, weshalb man bei seiner Entwicklung für mehr Tourismus auch nicht mit Normalem zufrieden sei. „Wir wollen die Zukunft gestalten und das Bild vermitteln: "Es ist toll hier. Auch zum Leben.".“ Dafür werde er sich als Landesvater beim Strukturwandel und Projekten wie der Bahnanbindung oder der Entwicklung des Kromlauer Parks ebenso einbringen wie als Vorsitzender des Fördervereins Fürst-Pückler-Park.

Der Förderverein unterstützt durch Spendenaktionen die Umsetzung besonderer Vorhaben im Park. Das bekannteste: die Löwenfiguren vorm Schloss. Bald kommen Sphinxe im Orientgarten der Villa Pückler dazu. Zudem organisiert der Verein öffentliche Veranstaltungen und Feste wie Schlossweihnacht, Picknick und Schlossgespräche. All dies und mehr wird künftig weiterhin unter Vorsitz von Michael Kretschmer erfolgen: Er wurde Sonnabend bei der an die Weihe anschließenden Mitgliederversammlung des Fördervereins nach erneuter Kandidatur wiedergewählt.

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