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Wie Pückler Menschen und Länder eint

Im Kulturhotel Fürst Pückler Park in Bad Muskau logieren Gäste aus aller Welt. Selbst die Küche ist international, was nicht nur kulinarisch zutrifft.

Von Sabine Larbig
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Josephine Neubauer aus Halbendorf, Milton Ramirez aus Venezuela und Matthew van der Westhiuzen aus Namibia sind im Kulturhotel Fürst Pückler Park Bad Muskau Kochlehrlinge im ersten Lehrjahr. Nicht nur Küchenchef Dirk Ullner ist stolz auf sie.
Josephine Neubauer aus Halbendorf, Milton Ramirez aus Venezuela und Matthew van der Westhiuzen aus Namibia sind im Kulturhotel Fürst Pückler Park Bad Muskau Kochlehrlinge im ersten Lehrjahr. Nicht nur Küchenchef Dirk Ullner ist stolz auf sie. © Kurhotel

Es ist Touristensaison in der Pückler-Stadt Bad Muskau mit dem fürstlichen Unesco-Park und somit das örtliche Kulturhotel mal wieder fürs Wochenende ausgebucht. Das bedeutet fürs Personal viel Arbeit und für die Küchencrew Hochdruck – nicht nur unter den Deckeln der Töpfe und Pfannen. Immerhin ist der Name des Globetrotters und Gourmets Fürst Pückler von Ausstattung über Service bis Restaurant für das Haus verpflichtend. Kulinarisch verwöhnt werden Gäste daher von Arrangements wie englische Tea-Time bis Menüs, die von den Tafelbüchern des Fürsten inspiriert sind. Für Küchenchef Dirk Ullner, sein Team und drei Kochlehrlinge ist das gleichermaßen Anspruch und Herausforderung. Noch dazu, da Gäste, Speisekarte und Personal international sind – so wie die Geschmäcker unterschiedlicher Kulturen.

Doch genau das und der nicht übliche Küchenalltag brachte Josephine Neubauer aus Halbendorf, Milton Ramirez aus Venezuela und Matthew van der Westhuizen aus Namibia dazu, das praktische Einmaleins des Koch-Berufs im Bad Muskauer Hotel zu lernen. „Josephine, Du bist in der warmen Küche eingeteilt, kümmerst dich um Zwiebelsuppe, getrüffelte Linguine, brätst Fleisch und Fisch an. Milton und Matthew, Ihr seid in der kalten Küche, bereitet Salate, Apfeltorte und was sonst noch anfällt, vor“, weist der Küchenchef die drei Auszubildenden ein, die vorigen Herbst ihre Lehre begannen und ihr Können inzwischen bei hausgemachtem Fürst-Pückler-Eis, Teekuchen mit Rosinen, Gurken-Sandwiches, Hirschrücken unter Walnusskruste, Rotkohl-Sommerroulade ebenso unter Beweis stellen müssen wie bei Schnitzel oder gemischtem Salat. Und das, obwohl sie noch vor ihrer Lehre meist weder die Gerichte noch ihre Zubereitung kannten.

So, wie Josephine, die nach der Schule mit ihrer Tochter in Elternzeit war, anschließend zwei Jahre als Ungelernte in einer Gaststätte arbeitete. Da gab es Imbiss und schnelles Essen. „Ich wollte unbedingt Köchin lernen, weil mir das Spaß macht, aber im späteren Beruf auch mehr als Pommes und sowas zubereiten. Daher bewarb ich mich für die Lehre im Hotel in Bad Muskau“, erzählt die 20-Jährige. Dass zum Traumjob Spät- und Wochenenddienste gehören, schreckte die junge Mutter nicht ab. „Es stört mich nicht und meine Familie unterstützt mich“, bekennt Josephine, die alle Josie nennen, und auch, dass sie nach Abschluss gerne im Hotel bleiben würde.

Familiäre Pflichten wie Josie haben Milton und Matthew nicht. Trotzdem sind Ausbildung und Alltag der Singlemänner in der Parkstadt nicht einfach, da sie aus anderen Ländern und Kulturen kommen. Mit seiner Familie sprechen oder sie sehen kann der 27-jährige Milton aus San Christobal an der kolumbianischen Grenze nur per Handy und Videochat. Der junge Mann floh wegen der politischen Lage und Diktatur von Venezuela nach Deutschland, während seine Eltern und Geschwister nach Spanien gingen. Der Rest der Familie blieb in Venezuela. Ob er irgendwann dorthin zurück muss oder sein Asylantrag genehmigt wird, weiß Milton noch nicht. Das belastet ihn. Und auch, dass er als gelernter Koch nicht in Deutschland arbeiten darf , „Vor drei Jahren kam ich nach Deutschland, nach Hoyerswerda. Dort lernte ich Deutsch, suchte ich Arbeit als Koch. Das klappte nicht, weil mein Abschluss nicht anerkannt wird. Meine damalige Deutschlehrerin, die in Bad Muskau wohnt, vermittelte mir deshalb den Kontakt zum Hotel, in dem ich nun Koch lernen kann.“ Die Lehrstelle sicherte Milton vorerst eine Aufenthaltsgenehmigung bis Ausbildungsabschluss. Was danach wird, weiß er nicht. „Ich würde schon noch eine Weile in Bad Muskau bleiben und Erfahrungen sammeln, aber auch mal in einer Großstadt als Koch arbeiten wollen“, erzählt er. Noch ist es Zukunftsmusik, muss er die Zeit nutzen, um Beruf und Sprache zu lernen. Letzteres fällt ihm vor allem im Unterricht an der Berufsschule in Görlitz noch ziemlich schwer. Glücklicherweise ist Milton dort in einer Klasse mit Matthew. Da sich beide angefreundet haben, auch zusammen im Hotel in Bad Muskau arbeiten und wohnen, helfen und unterstützen sie sich gegenseitig. Nicht nur beim Lernen, Kontakte knüpfen, Freunde kennenlernen. Auch in der Freizeit unternehmen sie meist gemeinsam etwas.

Drei Lehrlinge, drei Länder, ein Ziel

Im Gegensatz zu Milton ist all das für den 18-jährigen leichter, da er mit holländischen und österreichischen Wurzeln sprachlich kaum Probleme hat. Durch Familie und Schulzeit in Windhoek kann er sehr gut Deutsch. Selbst Aufenthalt und Ausbildung in Deutschland sind für ihn viel einfacher als für Milton, da er Staatsbürger von Namibia und Österreich und somit EU-Bürger ist. Die Entfernung von der Familie macht aber auch Matthew zu schaffen. Auf die Frage, warum er nicht in Namibia oder Südafrika, wo es viele deutsche Restaurants und Hotels gibt, sein Hobby zum Beruf machte, antwortet er: „Ich wollte immer nach Österreich oder Deutschland, um einen Beruf zu lernen. In Namibia gibt es keine Ausbildung wie da und wenn, unter schlechten Bedingungen.“ Zudem hätten ihn seine Eltern bestärkt, eine der vom Goethe-Institut gebotenen Möglichkeiten zu nutzen. „Das Institut macht in Namibia regelmäßig Informationsveranstaltung zu Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland, vermittelt konkrete Angebote. Das vom Hotel in Bad Muskau hat mich so interessiert, dass ich mich spontan beworben und in den Flieger gesetzt habe.“ An Matthews Ankunft kann sich Hoteldirektorin Kerstin Vogel noch gut erinnern. Sie sei schon etwas überrascht gewesen, als er kurz nach der E-Mail-Bewerbung plötzlich an der Rezeption gestanden habe. „Aber wir haben den Ausbildungsvertrag mit ihm gemacht und es nicht bereut.“

So unterschiedlich die Lebensläufe und Beweggründe der drei Auszubildenden im ersten Lehrjahr auch sind, eines ist gleich: Die Liebe zum Kochen und der Wunsch, einen tollen Berufsabschluss zu machen. Lernen müssen dafür alle noch viel. In Theorie und Praxis gleichermaßen. „Roulade, Suppen und Soßen liegen mir noch nicht so“, bekennt Matthew. Schnitzel und Kartoffelsalat kenne er durch die Familie. Fleisch dagegen meist nur gegrillt. Soßen kaum. Auch Milton hat noch Probleme mit typisch deutschem Essen. Nicht nur geschmacklich wie bei Eisbein und Sauerkraut. Selbst Torten und Kuchen, Spätzle und Gulasch sind für ihn Neuland für ihn. „Aber Schnitzel schmeckt mir und das kann ich sogar schon gut.“ Klar würden ihm heimatliche Gerichte fehlen. Aber die könne er sich ja mit Matthew kochen. „Da lernen wir gleich mit- und voneinander.“ Apropos Lernen. Da ist das Trio sehr motiviert. „Alle sind echt gut, ein Glücksgriff für uns und schon jetzt eine große Hilfe für die Kollegen“, lobt der Küchenchef die Auszubildenden. Und die Hoteldirektorin gibt offen zu, dass deren „frische, junge, charmante und neugierige Art“ dem gesamten Team guttue. „Alle verstehen sich prima. Sogar gemeinsame Freizeitaktivitäten, wie Bowling, werden unternommen. Auch das ist Vorteil eines kleinen, familiengeführten Hauses“, so Kerstin Vogel mit Blick auf das Miteinander der verschiedenen Nationalitäten. Nur die unterschiedlichen Aufenthaltsgenehmigungen würden es dem Ausbildungsbetrieb schwer machen. „Wenn wir in Deutschland mehr motivierte Fachkräfte aus dem Ausland ausbilden oder beschäftigen wollen, müssen Voraussetzungen einfacher und Bürokratie weniger werden“, fordert Vogel. Trotzdem werde das Hotel weiter ausländische Mitarbeiter und Auszubildende einstellen. Auch mit Hilfe des Goethe-Instituts aus Namibia, wo das Interesse der Jugend an Jobs und Ausbildung in Deutschland groß sei.

Solange Milton, Josie und Matthew noch im Hotel sind, werden sie den Neuen sicher gerne Tipps und Ratschläge geben, sie mitziehen und für das Ungewohnte begeistern. Denn dass sie sich in Bad Muskau und dem Hotel wohlfühlen, mit den Menschen klarkommen und den an den fürstlichen Namensgeber angelehnten Anspruch des Hauses als Ausbildungsvorteil sehen, verhehlen sie nicht. Nur etwas mehr Abwechslung in der Freizeit, wie Kino oder Disco, wünschen sich vor allem die Jungs. Dafür, sagen sie, seien die Leute aber offen und freundlich, hätten sie keine Probleme. Ein Grund mehr, weshalb Kerstin Vogel hofft, dass sie nach der Lehre noch etwas im Hotel bleiben und Gäste mit Pückler-Eis, Hirschrücken und Charme verwöhnen.