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Polizeistreife mit zwei PS

Die Reiterstaffel unterstützt regelmäßig das Bautzener Revier. Neben Bußgeldkatalog und Funkgerät haben die berittenen Beamten auch eine Schaufel dabei.

Hoch zu Ross geht es auf Streife. In regelmäßigen Abständen unterstützt die Polizeireiterstaffel das Bautzener Polizeirevier.
Hoch zu Ross geht es auf Streife. In regelmäßigen Abständen unterstützt die Polizeireiterstaffel das Bautzener Polizeirevier. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Pferde haben keine Blinker. Ihr Hufgetrappel verstummt auf den Asphalt. Polizeioberkommissarin Manuela Weickert zeigt mit der rechten Hand, wohin die Streife führen soll. Mit Polizeimeisterin Lydia Keil unterstützt sie an diesen Nachmittag hoch zu Ross das Polizeirevier Bautzen bei der Arbeit. Mit einem kurzen Zügelzug setzen sie ihre vierbeinigen Kollegen wieder in Gang.

Zwei PS auf der Maria-Grollmuß-Straße. Die Autos reihen sich notgedrungen im Schritttempo hinter sie. Der Dienstantritt der Polizistinnen liegt beim ersten Aufsitzen auf die im Schnitt 1,70 Meter großen Wallache schon einige Stunden zurück. „Wir beginnen um 6.30 Uhr mit dem Ausmisten“, sagt Manuela Weickert.

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Seit sechs Jahren gehört die 37-Jährige zur Polizeireiterstaffel der sächsischen Polizei. 16 Berittene in Uniform sind im Team. Alle haben neben der Polizeiausbildung eine sechsmonatige Fortbildung auf dem Pferderücken hinter sich. Zur Staffel kommen fünf ausgebildete Stallhelfer vom Landgestüt Moritzburg, die sich unter anderem um die Pflege der wiehernden Ordnungshüter in Großerkmannsdorf bei Radeberg kümmern.

Bevor es auf Streife geht, müssen die Pferde gesattelt werden. Für den Polizeidienst werden vierbeinige Kollegen ohne Angst und mit Ego ausgesucht.
Bevor es auf Streife geht, müssen die Pferde gesattelt werden. Für den Polizeidienst werden vierbeinige Kollegen ohne Angst und mit Ego ausgesucht. © SZ/Uwe Soeder

Zum tierischen Personal zählen 20 Pferde, darunter Vincent und Veltins. Mit ihren Reiterinnen reihen sie sich jetzt in der Verkehr in der Steinstraße ein. Die hochgewachsenen Deutschen Sportpferde – so nennt sich die Rasse – laufen im Schritt und völlig gelassen durch den Verkehr. Bevor sie in den Polizeidienst kommen, erhalten auch die vierbeinigen Kollegen eine Ausbildung. In diesen Übungsstunden werden ihnen unter anderem Fahnen vor die langen Schnuten gehalten oder mit Rasseln laute Fußballfans simuliert.

„Unsere Pferde dürfen keine Angsthasen sein, brauchen ein bisschen Ego. In der Polizeikette müssen sie schließlich gemeinsam vorwärtsgehen“, sagt Manuela Weickert. Ihr Vincent sei eine Mischung aus tiefenentspannt und frech.

BMW-Fahrer wird wegen fehlender Warnweste gerügt

Die Polizistinnen reiten über die Kurt-Pchalek-Straße in die Rosenstraße. Aus ihren über zwei Meter Höhe haben sie einen guten Überblick auf das Verkehrsgeschehen. „Wir machen alles, was uns vor die Füße fällt. Vergangene Woche waren wir zum Beispiel in Torgau und haben eine aufgebrochene Paketstation entdeckt. Den Fall haben wir aufgenommen, die Spurensicherung gerufen“, sagt die Polizeioberkommissarin.

In ihren Satteltaschen verstecken sich aber auch ein Alkomat, um die Promille bei gestoppten Verkehrsteilnehmern feststellen zu können, der Bußgeldkatalog und eine Kehrschaufel. Diese dient allerdings nicht dem Streifendienst, sondern schlichtweg der Beseitigung der Pferdeäpfel.

Manuela Weickert und Lydia Keil zügeln ihre Vierbeiner in der Weigangstraße. Ein BMW sorgt für Aufmerksamkeit. Die Polizeimeisterin reitet vor und stellt ihr Pferd quer, die Oberkommissar reiht sich dagegen neben dem Auto ein und deutet dem Fahrer an, dass er stehenbleiben soll. Der Mann bremst, die imposanten Tiere beeindrucken ihn sichtlich. „Allgemeine Verkehrskontrolle“, heißt es für ihn. Die Papiere sind vollständig, den Mund-Nasen-Schutz setzt er auf, als er sein Auto verlässt. Es fehlt aber die Warnweste.

Über Funk fragen die beiden Kontrollierenden bei ihren Kollegen aus dem Revier an, ob gegen den Fahrer etwas vorliegt. Er ist ein unbeschriebenes Blatt in der Polizeikartei. Der BMW-Fahrer kommt mit einem Schrecken und einer mündlichen Verwarnung davon. „Wir haben ihn aufgefordert, die Warnweste zeitnah ins Auto zu legen“, sagt Manuela Weickert.

Weiterfahrt verboten: Bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle in Bautzen überprüfen Polizeioberkommissarin Manuela Weickert (re.) und Polizeimeisterin Lydia Keil einen Autofahrer.
Weiterfahrt verboten: Bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle in Bautzen überprüfen Polizeioberkommissarin Manuela Weickert (re.) und Polizeimeisterin Lydia Keil einen Autofahrer. © SZ/Uwe Soeder

Neben der Unterstützung der Polizeidienststellen sind sie und ihre Kollegen bei Fußballspielen, großen Sport- und Kulturveranstaltungen oder Demonstrationen – oft auch deeskalierend - gefragt. Häufig bestreitet die Polizeireiterstaffel mit der Bundespolizei auch Grenzkontrollen an der Neiße.

Die sächsische Einheit ist im Osten Deutschlands die einzige Polizeireiterstaffel. 300 Mal waren die überwiegend weiblichen Mitglieder aus Großerkmannsdorf im vergangenen Jahr im Einsatz. Gut vier Stunden sitzen die berittenen Polizisten jeweils bei den Reiterstreifen, wie in Bautzen, im Sattel, bei großen Lagen geht die Schicht oft länger.

Lydia Keil ist erst ein Jahr dabei. Eigentlich liebt die 25-Jährige Leistungssportlerin den Handball, aber inzwischen fühlt sich die Bereitschaftspolizistin auf dem Pferderücken wohl. Auf der Wallstraße stoppt sie einen Fahrradfahrer. Die junge Mann ist zu alt für den Fußweg. Murrend steigt er von seinem Zweirad und schiebt stattdessen weiter.

Einhaltung der Corona-Regeln wird kontrolliert

Der Himmel schickt inzwischen winzige Schneepfeile. Der Wind ist eiskalt. Die Reiterinnen lassen ihre Pferde Richtung Wallanlagen laufen. Von den Polizeidienststellen erhalten sie Hinweise, wo ihre Hilfe hoch zu Ross gefragt ist, wo polizeiliche Schwerpunkte in den jeweiligen Einsatzorten liegen. Derzeit gehören dazu auch Kontrollen zur Einhaltung der Corona-Schutzverordnung. Finden unerlaubte Zusammenkünfte statt? Fehlt der Mund-Nasen-Schutz? Gibt es einen triftigen Grund für das Verlassen der Wohnung?

Die Streifenroute legen sie individuell fest. Ihre Klassiker unter den festgestellten Ordnungswidrigkeiten sind: Handy am Steuer, Fahrradfahrer mit Kopfhörer oder Handy, im Sommer Grillen an unerlaubten Plätzen oder Hunde ohne Leine. Als nächstes fischen sie allerdings in Bautzen einen Fahrer ohne Gurt aus dem Verkehr. Der ältere Herr stoppt unwillig, er streitet die Ordnungswidrigkeit am Steuer ab. Doch Manuela Weickert lässt sich auf keine Diskussionen ein. Sie steigt vom Pferd.

Pferdeäpfel düngen Blumenrabatte

Es folgt das volle Programm: Führerschein, Ausweis und Fahrzeugpapiere, Kontrolle der – in diesem Fall – nicht mitgeführten Warnweste, die Abfrage in der Polizeidienststelle. Zum Schluss gibt es den Hinweis, dass er Post mit einem Bußgeldbescheid erhalte. „Sie müssen sich jetzt nicht zur Sache äußern, das können sie dann schriftlich machen“, sagt die Polizistin freundlich-bestimmt und verabschiedet sich.

Allerdings kann Manuela Weickert nicht gleich wieder aufsitzen. Veltins hat die Pause genutzt. Sie holt die Schaufel aus der Satteltasche, kehrt die Pferdeäpfel unter dem Warmblüter ihrer Kollegin für die gegenüberliegende Rabatte zusammen. Vincent wartet indes geduldig, bis auch seine Reiterin wieder im Sattel sitzt.

Nebeneinander laufen die Vierbeiner mit ihren Polizistinnen huckepack im Schneegestöber die Töpferstraße rauf. Die Autos folgen im Schritttempo den zwei PS. Ihr nächster Weg führt sie Richtung Altstadt. Auf dem Asphalt klingt noch lang das Hufgeklapper nach.

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