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Gaußig: Neue Wohnungen im alten Lokal?

Im Frühjahr stürzte das Dach der einstigen Parkgaststätte ein. Was die frühere Wirtin zum Zustand des Hauses sagt - und was der neue Eigentümer verspricht.

Adelheid Mager hat kein Verständnis für den Zustand der ehemaligen Parkgaststätte in Gaußig. Gemeinsam mit ihrem Mann betriebt sie das Gasthaus bis 1991.
Adelheid Mager hat kein Verständnis für den Zustand der ehemaligen Parkgaststätte in Gaußig. Gemeinsam mit ihrem Mann betriebt sie das Gasthaus bis 1991. © SZ/Uwe Soeder

Gaußig. Es ist ein befremdliches Bild: Direkt gegenüber der Gaußiger Kirche ist die ehemalige Parkgaststätte eingerüstet und verschwindet hinter grünem Netz. Ende April war das Dach zum Teil eingestürzt. Um weiteren Verfall zu verhindern, wurde es notgesichert. „Es ist eine Schande, dass hier nichts passiert“, findet Adelheid Mager. Sie hat die Gastwirtschaft bis 1991 mit ihrem Mann betrieben. Seitdem sei an dem Gebäude – abgesehen vom Einsturz und der Sicherung – nichts mehr passiert.

Das Gebäude ist schon länger ein Thema in der Gemeinde. Für Adelheid Mager ist das ortsbildprägende Haus - wie für viele andere Gaußiger - mit Erinnerungen verbunden: „Wir haben hier so viele Feiern gehabt, eigentlich jedes Wochenende mindestens eine“, erzählt sie. Das Haus habe bis in die 50er-Jahre ihren Schwiegereltern gehört, bis es an die Gemeinde verkauft und vom DDR-Handelsunternehmen Konsum betrieben worden sei. Heute ist sie verständnislos ob des gegenwärtigen Zustandes des etwa 270 Jahre alten Gebäudes. Sie findet: „Eigentum verpflichtet.“

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Das Gerüst soll bis Ostern verschwinden

2019 hat eine Projektgesellschaft das Haus für 1.000 Euro in einer Versteigerung erworben. Der Geschäftsführer, Torsten Schlabach, war seit dem Dacheinsturz nicht mehr vor Ort. Weshalb nun seit einem Jahr bis auf die Notsicherung nichts veranlasst wurde, erklärt er am Telefon: „Wir machen erst dann Pläne für eine Immobilie, wenn wir sie erworben haben. Als wir dann mit der Ideenentwicklung für das Gebäude in Gaußig begonnen haben, kam Corona, was auch uns die Arbeit erschwert hat. Durch die Reiseeinschränkungen konnte ich mich kaum mit Leuten treffen, um Pläne für die Immobilie zu machen.“

Der Schaden am Dach ist von der Rückseite des Gebäudes zu sehen, wenn man auf den ehemaligen Ballsaal blickt.
Der Schaden am Dach ist von der Rückseite des Gebäudes zu sehen, wenn man auf den ehemaligen Ballsaal blickt. © SZ/Uwe Soeder

Eine konkrete Idee zur Nutzung hat er nicht. Aber er verspricht: „Es wird sich etwas tun. Das sind wir der Gemeinde Gaußig schuldig.“ Einen Abriss sieht er nicht vor. Stattdessen soll im kommenden Jahr ein Dach drauf, damit das Haus vor weiteren Beschädigungen geschützt ist. Bis Ostern, so plane er, soll das Gerüst wegkommen. Die Außenwände seien in gutem Zustand, wie er vom Planungsbüro erfahren habe.

Eigentümer ist offen für Ideen

Außerdem möchte er im kommenden Jahr mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen: „Wenn jemand eine Idee zur Nutzung hat, kann er gern Kontakt zu mir aufnehmen.“ Was er sich vorstellen könnte, seien Wohnungen, zum Beispiel für Senioren.

Dafür sieht auch der Bürgermeister der Gemeinde, Alexander Fischer (CDU), Bedarf im Ort. „Vielleicht könnte man Wohnungen einrichten, für die Leute, die ihre Eltern in ihre Nähe ziehen lassen wollen. Oder ein Wohnprojekt für Jung und Alt. Durch das Gymnasium im Ort besteht Bedarf bei jungen Leuten, um nicht pendeln zu müssen. Vielleicht könnte so ein Austausch zwischen den Generationen entstehen.“ Eine konkrete Idee hat auch er nicht, möchte aber im Januar erneut mit dem Eigentümer Kontakt aufnehmen.

Das Problem für eine weitere Nutzung des Gebäudes sieht er vor allem im Grundstückszuschnitt. „Die Grundstücksfläche entspricht genau der Gebäudefläche. Da wird es schon schwierig, wenn man nur einen Balkon anbauen möchte.“ Die Fläche rund um das Gebäude ist in Privateigentum, die Parkplätze davor gehören der Gemeinde. Auch das Wohnhaus an der hinteren Seite könnte noch eine Rolle spielen. Beide Gebäude hängen dem Bürgermeister zufolge baulich und statisch zusammen.

Das alte Schild des Gasthauses verschwindet hinter dem grünen Sicherungsnetz.
Das alte Schild des Gasthauses verschwindet hinter dem grünen Sicherungsnetz. © SZ/Uwe Soeder

Torsten Schlabach von der brandenburger Projektgesellschaft betont, dass er an den Impulsen der Menschen vor Ort interessiert sei. Was er sich nicht vorstellen könne, wäre, wieder eine Gastronomie einzurichten, es sei denn, es fände sich gleich ein Pächter dafür. „Natürlich muss sich das Gebäude finanziell tragen können, aber wir sind nicht bloß an einer Gewinnmaximierung interessiert. Wir wollen ein vernünftiges Konzept, das nachhaltig und sinnvoll für den Ort ist.“ Deswegen plane er, bis Ostern nach Gaußig zu kommen und Kontakte zu knüpfen. Dabei betont er, dass er durchaus Grund habe, öfter in der Gegend zu sein – und verweist auf weitere Immobilien der Gesellschaft in Falkenstein im Vogtland, in Colmnitz im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und in Großschönau bei Zittau. "Ich bin also ansprechbar."

Wer konkrete Ideen zur Nutzung des Gebäudes hat, kann sich unter [email protected] mit Torsten Schlabach von der Projektgesellschaft in Verbindung setzen.

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