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Aus der 80-Quadratmeter-Wohnung in den Bauwagen

Im Bautzener Oberland erfüllt sich ein junges Paar den Traum vom minimalistischen Leben - in einer besonderen Unterkunft.

Rebekka Hefele und ihr Partner Philipp Bordihn wollen künftig in einem ausgebauten Bauwagen leben, der im Bautzener Oberland steht.
Rebekka Hefele und ihr Partner Philipp Bordihn wollen künftig in einem ausgebauten Bauwagen leben, der im Bautzener Oberland steht. © Steffen Unger

Bautzen. Manche mögen es naiv nennen, andere vielleicht sogar verrückt - für Rebekka Hefele und Philipp Bordihn ist es in erster Linie ein großes Abenteuer. Das junge Paar will von Görlitz in den Landkreis Bautzen ziehen - zunächst nicht ungewöhnlich. Wäre da nicht die besondere Art der Behausung, in der sie künftig leben wollen: Rebekka Hefele und Philipp Bordihn sind dabei, sich einen alten Bauwagen zum mobilen Minihaus - Tiny House genannt- umzubauen. Ein Leben auf reichlich 20 Quadratmetern mit allem, was dazugehört, stellen sie sich vor.

Rebekka Hefele führt durch das kleine Reich, das noch bis vor kurzem das Kettenfliegerkarussell eines Fahrgeschäfts beherbergte und erklärt: "Im hinteren Teil soll ein hohes Bett mit Stauraum entstehen." Direkt neben der großen Flügeltür, die sich nach außen öffnen lässt. Bei schönem Wetter, stellen sie sich vor, hat man dann das Gefühl, man liege im Freien. Ein kleiner Arbeitsplatz für Philipp Bordhin wird eine Wand füllen. Der 30-Jährige ist Lehrer. Mit einer Küche und einer Essecke wird die Wohnung im Miniaturformat dann auch schon gut gefüllt sein, schätzen sie. Toilette und Bad entstehen draußen. Eine Terrasse soll Ruheort und Haupteingang gleichermaßen werden.

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Inspiriert von einer Doku-Serie

Erfahrungen, mit dieser Art zu leben, haben beide nicht. Die Idee zum umgebauten Bauwagen entstand eher zufällig: "Letztes Jahr um die Weihnachtszeit haben wir viel ferngesehen", erinnert sich Philipp Bordhin. Täglich lief eine Doku-Serie über Menschen, die sich ihren Traum vom minimalistischen Leben erfüllten. Rebekka und Philipp waren beeindruckt - und begannen zu planen.

Per Flyer und Suchanzeigen in sozialen Netzwerken machten sie sich auf die Suche nach einem Stellplatz, durchforsteten außerdem das Internet nach einem geeigneten Anhänger. Zu ihrem eigenen Erstaunen glückte die Suche nach einem kostenlosen Stück Garten schneller als die Anschaffung der eigentlichen Behausung. Wo genau sie ihren Traum vom Leben auf 20 Quadratmetern jetzt verwirklichen, wollen die beiden nicht verraten. Dass es ihnen gelingen würde, einen Fremden für ihre Idee zu begeistern, hätten sie selbst kaum für möglich gehalten: "Das war das Beste, was uns passieren konnte", sagt Rebekka Hefele.

Sie selbst hat ihr Studium in Tourismusmanagement abgeschlossen, wird im Herbst eine Lehre zur Töpferin in Schmölln beginnen. Dieser Neubeginn gab den Ausschlag für den Umzug ins Bautzener Oberland. Bis dahin ist noch viel zu tun: Altes Parkett soll als Bodenbelag aufgearbeitet werden. Der Bauwagen soll Fenster bekommen - solche, die sich nach außen öffnen lassen, um den Platz im Inneren voll ausnutzen zu können. Heizen wollen die beiden mit einem Ofen. An die Wände soll Lehmputz: "Wegen des guten Raumklimas und damit man sich nicht fühlt, wie in einer Kiste", erklärt Philipp.

Vor dem Umzug wird ausgemistet

Bis zum Einzug warten besonders auf ihn noch eine Menge Herausforderungen. Derzeit bewohnt der Lehrer eine 80 Quadratmeter große Wohnung. Seine Freundin ist bereits zu ihm gezogen, hat ausgemistet und bringt nicht mehr als einen kleinen Koffer mit Kleidung und vier Kisten mit persönlichen Dingen mit in die gemeinsame Behausung. Bei Philipp Bordihn sieht es da anders aus: "Ich bin schon ein Sammler", gibt er zu und: "Von manchen Dingen werde ich mich nicht trennen können." Für seine Bücher etwa will er ein umlaufendes Regal an der Wagendecke bauen. Dann dürfen wenigstens die mit.

Behaglich wird das Häuschen im Miniaturformat nach seiner Fertigstellung sicher sein. In Punkto Bequemlichkeit, da sind sich beide bewusst, werden sie Abstriche machen müssen: "Einmal pro Woche werde ich unsere Wäsche mitnehmen, in Bautzen im Waschsalon waschen und dabei Arbeiten korrigieren", erklärt Philipp Bordihn.

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Ob ihnen diese Art zu leben - auf wenig Raum, vor allem aber auf dem Dorf - liegt, wollen die beiden erst noch herausfinden. Drei Jahre geben sie sich dafür. Dann will Rebekka Hefele mit ihrer Lehre fertig sein. "Im Moment fühlt es sich richtig an, aufs Dorf zu ziehen", sagt sie. Aber das Görlitzer Nachtleben, der große Freundeskreis - gut möglich, dass die beiden all das vermissen werden. Ein Problem sehen sie deshalb nicht auf sich zukommen. Ihr Haus, sagen sie, habe schließlich Räder.

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