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Lausitz, Bali, Wien: Der weite Weg zur ersten Single

In Schirgiswalde hat Sarah Trepte das Gitarrenspielen gelernt. Jetzt tritt sie in Österreich mit eigenen Titeln auf - und vermisst derzeit vor allem zwei Dinge.

Sarah Trepte aus Schirgiswalde tritt in Wien als Sängerin mit eigenen Liedern auf und hat jetzt ihre erste Single veröffentlicht.
Sarah Trepte aus Schirgiswalde tritt in Wien als Sängerin mit eigenen Liedern auf und hat jetzt ihre erste Single veröffentlicht. © PR

Schirgiswalde. Den Bühne fehlt ihr genauso wie der Besuch des Kaffeehauses in Wien. Seit zehn Jahren lebt Sarah Trepte in der österreichischen Wohlfühlstadt. Dort hat die gebürtige Schirgiswalderin zum ersten Mal ihre eigenen Songs einem größeren Publikum vorgestellt. Nun gibt es auch ihre erste Single mit dem Titel Chains. Das Lied erzählt von Erwartungshaltungen und der Befreiung von dem Druck, was andere Menschen für richtig halten. „Der Song beschreibt ein Stück weit mein Leben. Es braucht Mut, das zu tun, woran man glaubt“, sagt die 33-jährige Singer-Songwriterin am Telefon.

Am anderen Ende der Leitung plaudert eine fröhliche Stimme, ab und zu huscht eine Floskel auf Wienerisch über die Lippen. Aufgewachsen ist Sarah Trepte im Schatten der Kälbersteine. Der Gesang und die Musik hätten schon immer zu ihr gehört. Der Pfarrer ist mit elf Jahren ihr erster Lehrer auf der Gitarre. Doch schon bald interessiert sich die Jugendliche mehr für die Songs der amerikanischen Funk- und Alternative-Rockband „Red Hot Chili Peppers“ statt für Kirchenlieder. Mit einer Freundin wird der Balkon zur Rockbühne.

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Im Fellkostüm über die Sohlander Waldbühne

Apropos Bühne: Das Rampenlicht kennt Sarah Trepte von der Waldbühne in Sohland. Ihr Vater Andreas Trepte ist Vorsitzender der Spielgemeinschaft Schirgiswalde. Ab dem zehnten Lebensjahr spielt natürlich die Tochter bei den Sommer-Open-Airs mit. „Am liebsten erinnere ich mich an den Auftritt von meinem Bruder und mir in der ,Familie Feuerstein‘. Im Fellkostüm und mit einem Fahrrad mit viereckigen Rädern hatten wir unseren Auftritt“, sagt die Sängerin schmunzelnd. Zwei Mal im Jahr versucht sie aus dem gut 500 Kilometer entfernten Wien in die Heimat zu reisen.

Ihre heutige Wahlheimat in Österreich erreicht die Oberlausitzerin über Umwege. Nach dem Schulabschluss studiert sie in Dresden eine Kombination aus Wirtschaft und Fremdsprachen. Von dort wechselt sie zu Praktika nach Großbritannien und in die englische Universität Durham. Wegen der Liebe strandet sie dann in Wien. Die Liebe zur Stadt – diese „familiäre Mischung aus Groß- und Kleinstadt“ - und ihr neuer Freundeskreis halten sie schließlich an der Donau. Doch erst eine Reise nach Bali bringen ihre künstlerischen Sehnsüchte wieder hervor.

„Die Insel hat eine besondere Magie. Ich habe dort mit einigen Musikern gejammt. Sie sagten mir: Was Du machst, ist gut. Suche Dir eine Band“, erinnert sich Sarah Trepte. Zurück im kalten Europa holt sie einen selbst geschriebenen Song aus der Schublade und meldet sich vor drei Jahren zu ihrem ersten Bühnenauftritt als Liedermacherin an. Erst zittern die Knie, dann gibt es Applaus.

Appetit auf Cappuccino und Sachertorte

Sarah Trepte beweist sich selbst, dass es nie zu spät ist anzufangen. „Im besten Fall dienen meine Lieder dazu, andere zu motivieren, an sich selbst zu glauben und auch ihren Weg zu gehen“, sagt die Künstlerin. Inzwischen greift sie immer häufiger zu Zettel, Stift und Gitarre, um neue Songideen mit tiefgründigen und sozialkritischen Texten festzuhalten. „Ich schreibe Sachen unterwegs ins Handy. Wenn mir eine Liedzeile vor dem Einschlafen einkommt, stehe ich wieder auf“, sagt die bekennende Schokoladen-Liebhaberin. Auch deshalb vermisst sie die Kaffeehausbesuche. Cappuccino mit Hafermilch dazu Sachertorte würde sie sich auch nach zehn Jahren Wien noch am liebsten bestellen.

Und wie geht es mit der Bühnenkarriere weiter? „Wir arbeiten an der zweiten Single. Zu Chains soll ein Video entstehen. Die Musik wird aber vorerst eine Leidenschaft, ein Ausgleich neben meinen Beruf bleiben. Ich hätte vor drei Jahren nicht gedacht, dass ich heute an diesem Punkt stehe“, sagt die Musikerin – und freut sich auf die ersten Auftritte nach dem Ende des Lockdown in ihrer neuen Heimat genauso wie im alten Gefilden. „Wenn mich jemand einlädt, komme ich gern vorbei“, sagt sie fröhlich. Also „Baba“ – wie die Wiener „Auf Wiedersehen“ sagen – in der Oberlausitz.

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