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Sorbisch soll so sichtbar sein wie Deutsch

In sorbischen Gemeinden sind zweisprachige Beschriftungen normal. Das Beispiel Rettungswachen zeigt: Gleichwertig sind die Sprachen noch nicht.

Schon beim Bau der Rettungswache in Stiebitz setzte sich Dawid Statnik für die zweisprachige Beschriftung der Fassade ein. Inzwischen ist sie bestellt.
Schon beim Bau der Rettungswache in Stiebitz setzte sich Dawid Statnik für die zweisprachige Beschriftung der Fassade ein. Inzwischen ist sie bestellt. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. So richtig augenscheinlich wurde die Schieflage spätestens bei der Einweihung der neuen Rettungswache in Königswartha. Deren neuer Standort befindet sich vis-a-vis der Feuerwache an der Gutsstraße. Die Fassade der Feuerwehr ist zweisprachig beschriftet - zunächst nicht verwunderlich bei einer öffentlichen Einrichtung im sorbischen Siedlungsgebiet. Oder doch? 

"Wir waren schon überrascht, dass die Fassade der Feuerwache, die ja eine kommunale Einrichtung ist, sowohl in Deutsch als auch in Sorbisch beschriftet wurde, der Landkreis aber beim Bau der Rettungswache darauf scheinbar nicht geachtet hat", sagt Dawid Statnik, Vorsitzender des sorbischen Dachverbandes Domowina mit Verweis auf die lediglich einsprachig beschriftete Fassade. Das Ziel, an öffentlichen Gebäuden die Beschriftung in beiden Sprachen zu vereinheitlichen, begleitet Dawid Statnik schon einige Jahre. Seit 2016 sitzt er im Bautzener Kreistag: "Auch in meiner Funktion als Kreisrat war das immer wieder Thema. Etwa dann, wenn Schulen sich umbenannt haben, mussten wir die zweisprachige Bezeichnung immer wieder anmahnen", führt er an. Die sprachliche Gleichrangigkeit von Sorbisch und Deutsch sei - das betont Statnik immer wieder - dabei nicht nur Wunsch der Sorben, sondern vor allem auch der des Gesetzgebers.

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Gesetz verlangt sprachliche Gleichrangigkeit

Nach Artikel sechs der sächsischen Verfassung sind Sorben und Deutsche gleichberechtigt. Paragraph zehn des sächsischen Sorbengesetzes regelt die zweisprachige Beschriftung von "öffentlichen Gebäuden, Einrichtungen, Straßen, Wegen, öffentlichen Plätzen und Brücken". Darüber hinaus soll darauf hingewirkt werden, dass auch weitere Gebäude von öffentlicher Bedeutung in beiden Sprachen beschriftet werden. Die Satzung zur Wahrung, Förderung und Entwicklung der sorbischen Sprache des Landkreises Bautzen wird noch konkreter: Dort regelt Paragraph fünf die zweisprachige Beschilderung des Landratsamtes und seiner Ämter und fordert darüber hinaus auch die zweisprachige Auszeichnung weiterer Einrichtungen und Institutionen im Siedlungsgebiet.

Die Anerkennung der sprachlichen Gleichwertigkeit und der sorbischen Sprache als Kulturgut beschreibt für Dawid Statnik den "Normalfall". Und vielerorts seien die Vorgaben des Gesetzgebers auch vorbildlich erfüllt worden, betont er. Etwa bei der Beschriftung von Bundesstraßen oder der Industriemuseums Energiefabrik Knappenrode. Auch die Stadt Bautzen steche positiv hervor - Statnik führt als Beispiel die zweisprachig ausgewiesenen Benutzungsregeln an den städtischen Spielplätzen ins Feld.

Wenngleich der sorbische Schriftzug deutlich länger als der deutsche ist, beschriftete der Landkreis das Museum Energiefabrik Knappenrode mit gleich großer Schrift. 
Wenngleich der sorbische Schriftzug deutlich länger als der deutsche ist, beschriftete der Landkreis das Museum Energiefabrik Knappenrode mit gleich großer Schrift.  © Domowina/PR
Weil genau gegenüber der neuen Rettungswache in Königswartha die zweisprachig beschriftete Feuerwache steht, fällt das Fehlen des sorbischen Fassadenschriftzuges hier besonders auf.
Weil genau gegenüber der neuen Rettungswache in Königswartha die zweisprachig beschriftete Feuerwache steht, fällt das Fehlen des sorbischen Fassadenschriftzuges hier besonders auf. © SZ/Uwe Soeder
Ein positives Beispiel für zweisprachige Beschriftung sind diese nahezu identisch großen Hinweisschilder an der Schule in Ralbitz. 
Ein positives Beispiel für zweisprachige Beschriftung sind diese nahezu identisch großen Hinweisschilder an der Schule in Ralbitz.  © Domowina/PR
Gelungen findet Dawid Statnik auch, dass Bautzen die Nutzungsregeln an Spielplätzen in Deutsch und Sorbisch in gleich großer Schrift aushängt.
Gelungen findet Dawid Statnik auch, dass Bautzen die Nutzungsregeln an Spielplätzen in Deutsch und Sorbisch in gleich großer Schrift aushängt. © Domowina/PR

Die Rettungswachen aber seien im Bezug auf die zweisprachige Fassaden-Beschriftung "immer in ein kleiner schwarzer Fleck gewesen." Bisher seien Gebäude des Landratsamtes und der nachgeordneten Einrichtungen innen einsprachig und außen zweisprachig beschriftet worden, teilt die Kreisverwaltung mit. Gegolten habe das aber bislang nur für Schilder vor und an den Gebäuden. Das Landratsamt Bautzen weiter: "Für die Fassaden gab es keine Regelung. Ende Juli 2020 wurde entschieden, die zweisprachige Beschriftung auch an der Fassade der Rettungswachen im sorbischen Siedlungsgebiet anzubringen." Die sorbischen Schriftzüge für alle betroffenen Rettungswachen, hieß es bereits Anfang Oktober, seien bestellt. Die Lieferung verzögere sich aber Corona-bedingt.

Ist diese Nachricht für Dawid Statnik das Ende eines zähen Ringens? Nicht ganz. Denn auch die Größen der deutsch- und sorbischsprachigen Schriftzüge geben ihm Anlass zur Auseinandersetzung. Bislang, hat Statnik beobachtet, nutze der Landkreis meist kleinere Schriftgrößen für sorbische Bezeichnungen - begründe das häufig damit, dass die sorbischen Ausdrücke in der Regel länger seien. "Für mich ist das eine Zweckbehauptung", sagt Statnik entschieden. Im Falle der Rettungswachen etwa sei der 40 Zentimeter hohe Schriftzug zwar im Deutschen 4,60 Meter lang, im Sorbischen hingegen sechs Meter. Aber schon beim sorbischen Wokrjes Budyšin für Landkreis Bautzen drehe sich das Verhältnis um.

Klare Vorgaben können Kosten sparen

Statnik suche bei dieser Diskussion vor allem eine sachdienliche Lösung, versichert er. Für ihn lautet sie: "Schriftgrößen im Verhältnis eins zu eins und die Diskussion ist durch! Dann gibt es klare Regelungen, die sich an der Empfehlung des Gesetzgebers orientiert, und einheitliche Vorgaben für die Architekten."

Das hätte sogar einen weiteren Vorteil: Kostenersparnis. Die neuen Rettungswachen, wie sie außer in Königswartha auch in Stiebitz entstanden sind, werden in Gänze von den Krankenkassen finanziert. Wären die sorbischen Schriftzüge an den Fassaden bereits von vornherein Teil des Auftrages gewesen, so Statnik weiter, hätten sie den Landkreis keinen Cent gekostet. "Ein teurer Fehler, der nicht hätte passieren dürfen", findet Dawid Statnik und fügt hinzu: "Dennoch begrüße ich es sehr, dass der Landkreis die nachträgliche Beschriftung angekündigt hat."

Wie das Verhältnis zwischen sorbischer und deutscher Schriftgröße aber letztlich ausfallen wird und wann die Fassadenbeschriftung ergänzt werden, bleibt noch offen. Bislang hat das Bautzener Landratsamt auf diese Frage nicht geantwortet. Auch Dawid Statnik ist gespannt.

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