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Stalking: Mann muss dreieinhalb Jahre hinter Gitter

Der Angeklagte aus Bautzen hatte seiner Ex-Freundin nachgestellt, sie mehrfach angegriffen und verletzt. Nach dem Urteil drohen ihm weitere Konsequenzen.

Der mittlerweile 41 Jahre alte Josef A. aus Bautzen muss für dreieinhalb Jahre in Haft. Gegen das Urteil kann er noch Rechtsmittel einlegen.
Der mittlerweile 41 Jahre alte Josef A. aus Bautzen muss für dreieinhalb Jahre in Haft. Gegen das Urteil kann er noch Rechtsmittel einlegen. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Ungewöhnlich ruhig nimmt Josef A. am Freitag sein Urteil entgegen. Der mittlerweile 41-Jährige, der sich bei allen vergangenen Prozessterminen laut und aufbrausend zeigte, starrt den Richter mit gerunzelter Stirn an, spielt ab und zu mit einer Hand am Notizblock. Mehr nicht. Kein Wunder: Das Urteil ist „mächtig“, so bezeichnet es Richter Manfred Weisel – „so etwas macht ein Amtsgericht nicht alle Tage“. Und auch der Schöffen-Prozess, der vorangegangen war, war eher ungewöhnlich; dauerte zehn Verhandlungstage.

Dreieinhalb Jahre, so hat Josef A. an diesem Freitag erfahren, muss er nun hinter Gitter. Dafür, dass er seiner Ex-Freundin Alice Hartmann aus Neukirch zweieinhalb Jahre lang nachgestellt hat, sie mehrfach körperlich angegriffen und verletzt hat, muss er ihr zudem ein Schmerzensgeld zahlen. Die Höhe ist noch offen. Mit dem Urteil liegt das Gericht nah bei der Forderung von Staatsanwaltschaft und Nebenklägerin. Die Verteidigung des Angeklagten hatte auf eine Bewährungsstrafe plädiert.

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Die Ex-Freundin des Angeklagten weint - vor Erleichterung

Als sie das Urteil des Richters erfährt, weint die Nebenklägerin Alice Hartmann tonlos. Vor Erleichterung, wie ihre Anwältin Gesa Israel wenig später erklären wird.

20 Taten sieht das Gericht als erwiesen an. Der ehemalige Bautzener Autohändler Josef A. ist der sexuellen Nötigung schuldig, ebenso mehrerer – teils gefährlicher – Körperverletzungen. Er ist ohne Fahrerlaubnis gefahren, auch mehrere Sachbeschädigungen gehen auf ihn zurück. Er ist der Bedrohung schuldig, der Beleidigung und hat acht Mal gegen Anordnungen nach dem Gewaltschutzgesetz verstoßen - also das Verbot, sich Alice Hartmann zu nähern oder sie anderweitig zu kontaktieren.

Etwa eine halbe Stunde braucht der Richter allein, um die angeklagten Taten vorzulesen. „Nachstellungen und Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz sind für das Gericht schwer zu prüfen“, erklärt Manfred Weisel das Urteil. Aber „das Gericht ist ohne vernünftige Zweifel von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt.“ Dafür gebe es viele Gründe.

Dem libanesischen Staatsbürger droht die Abschiebung

So habe der Angeklagte gefordert, dass Alice Hartmann ihre Aussage vereide. Das sei unüblich. Dass sie es jedoch tat, mache ihre Aussage noch glaubwürdiger. Außerdem habe der Mann viele Vorstrafen, teils mit ähnlichen Vorwürfen wie in dieser Anklage. In dem Prozess ist ein IT-Experte der Staatsanwaltschaft befragt worden, Videos sind gezeigt worden, und ein Rechtsmediziner ist zu den Wunden befragt worden, die der Angeklagte Alice Hartmann mit einer Spielzeug-Ritterlanze aus Holz zugefügt hat.

Zwar hat der Angeklagte die Schläge bestritten – aber die Aussage des Rechtsmediziners habe das Gericht überzeugt, dass Josef A. die Frau geschlagen hat. Viele weitere Gründe zählt das Gericht auf.

Die Anwältin von Alice Hartmann, Gesa Israel, nennt das Urteil auch deshalb eine Erleichterung, weil es bedeutet, dass der Angeklagte erst einmal hintern Gitter bleibt. Sie hatte bereits in ihrem Plädoyer erklärt, dass sie hoffe, dass der libanesische Staatsbürger aus der Haft heraus abgeschoben wird. „Zum Schutz von Frau Hartmann“, erklärt sie, „ich möchte mir nicht ausmalen, was sonst passiert, wenn er aus der Haft entlassen wird.“ Schließlich habe der Angeklagte auch nach acht Monaten Untersuchungshaft mit seinem Auftreten vor Gericht gezeigt, dass er sich noch nicht beruhigt habe. „Und ein Urteil über drei Jahren“, erklärt Gesa Israel, „bedeutet laut Gesetz eine zwingende Ausweisung.“ Bis dahin könnte sich aber noch ein weiter Weg abzeichnen: Gegen das Urteil kann der Angeklagte Rechtsmittel einlegen. Vor Gericht sagte er dazu aber noch nichts.

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