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Bautzen: Ukrainer sagen mit Demo Danke

Rund 170 ukrainische Geflüchtete und Helfer sind in Bautzen auf die Straße gegangen, um Deutschland für die Hilfe zu danken. Aber auch kritische Worte gab es.

Von Theresa Hellwig
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Herzen in den Farben der ukrainischen und der deutschen Flagge sind auf den Plakaten zu sehen: Rund 170 Menschen haben am Donnerstag in Bautzen an einer Dank-Veranstaltung für Ukraine-Hilfsaktionen teilgenommen.
Herzen in den Farben der ukrainischen und der deutschen Flagge sind auf den Plakaten zu sehen: Rund 170 Menschen haben am Donnerstag in Bautzen an einer Dank-Veranstaltung für Ukraine-Hilfsaktionen teilgenommen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Ergreifend ist diese Szene: Als es darum geht, wie viele Gastgeber im Kreis Bautzen so freundlich ukrainische Geflüchtete bei sich zuhause aufgenommen haben, umarmt eine Frau in dickem Wintermantel eine Frau neben sich, gibt ihr einen Kuss auf die Wange. Ganz fest halten sich die beiden. Als sie sich wieder abwendet, laufen Tränen über das Gesicht der Umarmenden.

Es ist eine der Szenen, die sich am Donnerstagnachmittag in der Bautzener Innenstadt abgespielt haben: Rund 170 Menschen, darunter überwiegend ukrainische Geflüchtete, aber auch deutsche Helfer, sind in der Spreestadt auf die Straße gegangen. Auf dem Hauptmarkt hielten sie unter dem Motto „Mit Dankbarkeit im Herzen“ eine Dank-Aktion für die vielen Hilfsaktionen und die willkommene Aufnahme der Ukrainer in der Region und in Deutschland generell ab.

"Wir danken Deutschland" steht auf Plakaten, die Kinder hochhalten.
"Wir danken Deutschland" steht auf Plakaten, die Kinder hochhalten. © SZ/Uwe Soeder

Es ist eine Veranstaltung, auf der viele blau-gelbe Flaggen zu sehen sind. Aber nicht nur das. Kinder halten Plakate hoch, auf denen Herzen abgebildet sind: mal in den Farben der ukrainischen Flagge, mal in der Farbe der deutschen – und wiederum auf anderen Plakaten eine Kombination der Farben. „Danke“ ist auf Plakaten und Bannern zu lesen; „Wir danken Deutschland für alles“.

Mehr über Hilfsaktionen für Ukrainer lesen Sie in unserem Blog.

Sogar eine Bühne ist aufgebaut worden. Eine Ukrainerin stimmt erst die ukrainische Hymne, dann andere Lieder in der Landessprache an. Viele singen mit.

„Ziel dieser Aktion ist es, unsere Dankbarkeit zu äußern“, sagt Sergej Kosiak. Er spricht ukrainisch; seine Worte werden übersetzt. Danken wolle er den Deutschen, „die ihre Herzen geöffnet hätten – und mit ihren Herzen ihre Häuser“.

Ukrainischer Pastor wurde in Bautzen angegriffen

Sergej Kosiak ist einer der Organisatoren der Veranstaltung. In Bautzen ist er auch deshalb bekannt, weil er vor wenigen Tagen von einem russischen Mann angegriffen worden ist. Jener war aus dem Auto ausgestiegen - und an einer Kreuzung mit einem Radschlüssel auf Kosiak losgegangen. Auch diese Begegnung ließ Kosiak nicht unerwähnt. Es sei einer von drei Übergriffen in kurzer Zeit gewesen, erzählt er den Anwesenden.

Er habe viele Worte der Dankbarkeit – aber er habe auch Wünsche. Dinge, die sich verbessern sollten. So gebe es immer wieder Probleme mit der Verwaltung, wenn es um die Wohnungssuche gehe – und eben Probleme mit Angriffen durch Putin-Unterstützer. „Wir brauchen Schutz in Bautzen“, sagt Sergej Kosiak. Er richtet sich mit seinen Worten an die anwesende Polizei.

Nicht nur er spricht am Mikrofon. So bedankt sich auch Clemens Mudrich bei den vielen Engagierten. Mudrich ist Pastor der Bautzener Josua-Gemeinde, die Hilfe für Geflüchtete in der Region organisiert. Viele Unternehmen aus der Region hätten gespendet; von Würstchen bis zu Betten, zum Beispiel. Vermieter hätten ihre Wohnungen zur Verfügung gestellt. Die Initiative „Bus-Brücke“ sei mit 25 Bussen in Richtung Ukraine aufgebrochen und habe 1.215 Leute nach Deutschland geholt.

Auch Vize-Landrat Udo Witschas (CDU) ergreift das Mikrofon. 2.200 Ukrainer, berichtet er, leben derzeit im Landkreis Bautzen. Etwa 1.800 davon seien in privaten Unterkünften untergebracht. Der Kreis gehe davon aus, dass noch etwa 3.000 weitere ukrainische Geflüchtete in die Region kommen. Allen diesen Menschen wolle der Landkreis helfen – und wer länger bleiben wolle, der solle hier ein neues Zuhause finden, so Witschas. Es ist ein Signal, das auch der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) den Anwesenden mit auf den Weg gibt.

Am Ende der Veranstaltung setzt Regen ein. Er spült die ein oder andere Träne davon: Nicht wenige der Teilnehmenden haben gerötete Augen.