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Das ist Bautzens schlimmste wilde Müllkippe

Von der Couch bis zu alten Tonnen: In einem Wäldchen hinterm Marktkauf-Areal haben Unbekannte allerlei Müll entsorgt. Wer sich nun drum kümmern muss.

Eine alte Couch, Fässer, Plaste, Betonplatten und mehr liegt auf Bautzens wildester Mülldeponie hinter dem Marktkauf-Areal.
Eine alte Couch, Fässer, Plaste, Betonplatten und mehr liegt auf Bautzens wildester Mülldeponie hinter dem Marktkauf-Areal. © Steffen Unger

Bautzen. Auf dieser Couch möchte garantiert niemand mehr sitzen. Zu den alten Fässern daneben ist besser Abstand angeraten - wer weiß, was da mal drin war oder in Resten noch ist. Irgendwelche Holzteile und Betonplatten liegen herum. Über das Wochenende ist noch Plastezeug dazu gekommen. Die ganze Ecke sieht wüst aus. Und Papiertaschentücher mit einer eindeutigen Färbung verraten, dass hier vor nicht allzu langer Zeit jemand seinen Darm entleert haben muss.

Diese wilde Deponie und Freiluft-Toilette ist nicht irgendwo, sondern ganz in der Nähe eines der belebtesten Plätze in Bautzen. Keine hundert Meter entfernt kaufen täglich Tausende bei Marktkauf und in den umliegenden Geschäften ein. Hinter dem Konsumtempel führt eine Straße an einer Spedition vorbei. Wo sie endet, zweigt ein schmaler Weg in ein Wäldchen ab. Und dort mittendrin war Endstation für Couch, Fässer und den ganzen anderen Unrat. Zwischen den zwei Müllbergen wuchert Unkraut. Auf einem angerosteten Fass verrät ein Aufkleber, dass da mal Motorenöl drin war.

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Umweltsündern drohen empfindliche Strafen

Wer immer den Müll hierher gebracht hat, muss mit Auto und Hänger gekommen sein. Dabei hätten sich die Unbekannten den Weg sparen können. Die Müllentsorgung im Landkreis Bautzen ist komfortabel geregelt – einschließlich Schadstoffmobil, Sondermüll-Annahmestellen und ein Mal pro Jahr Sperrmüllabholung vom Grundstück. Für Letztere werden keine zusätzlichen Kosten berechnet - dieser Service ist bereits in der Abfallgebühr enthalten.

Was passiert nun mit dem Müll im Wäldchen zwischen dem Marktkauf-Center und der Bundesstraße 156? Wer den Unrat dort abgelegt hat, wird sich nicht mehr feststellen lassen. Die Verursacher solcher illegalen Müllkippen ausfindig zu machen, ist so gut wie aussichtslos. Selbst wenn sich im Abgelagerten eine Spur finden würde, ließe es sich am Ende nur schwer beweisen, wer den Müll tatsächlich in den Wald gebracht hat.

Die einzige Chance wäre, jemanden auf frischer Tat zu ertappen. Doch die zuständigen Mitarbeiter im Landratsamt können sich nicht erinnern, dass das schon einmal vorgekommen ist. Würde jemand erwischt, drohen den Umweltsündern empfindliche Strafen. Sie reichen von 50 Euro Bußgeld für eine Kofferraumladung Gartenabfälle bis zu 20.000 Euro für fünf Kubikmeter Bauschutt.

Müll kann auch nach Nadelwitz gebracht werden

Der Müll, den Unbekannte hinter Marktkauf abgelegt haben - er kann dort nicht bleiben. Entsorgen muss ihn nun der Eigentümer des Grundstücks, und er wird wohl auch auf den Kosten sitzenbleiben. Aber wem gehört die Fläche?

Um stadteigenes Gelände handelt es sich jedenfalls nicht, sagt Rathaussprecher Markus Gießler. "Unsere Recherchen haben ergeben, dass es sich dabei um ein privates Grundstück handelt. Grundsätzlich informieren wir in solchen Fällen das Landratsamt Bautzen, in dessen Zuständigkeit der Vollzug des Kreislaufwirtschaftsgesetzes fällt."

Das ist inzwischen geschehen. Die Stadtverwaltung hat dem Landratsamt außer Informationen auch Fotos von der wilden Müllkippe übergeben. Das Amt will sich Sprecherin Frances Lein zufolge jetzt "mit den Inhabern in Verbindung setzen und diese auffordern, die Abfälle ordnungsgemäß zu entsorgen".

Das kann zum Beispiel bei den Umladestationen des Regionalen Abfallverbandes Oberlausitz-Niederschlesien (Ravon) geschehen. Eine davon befindet sich in Bautzen-Nadelwitz, auf dem Gelände der früheren Mülldeponie. Hier wird der Hausmüll aus dem Raum Bautzen auf große Lkws verladen, die ihn dann zur Verbrennungsanlage Lauta bringen. Die Umladestation Nadelwitz ist montags bis freitags von 7 bis 16 Uhr geöffnet, der Ravon kassiert von Anlieferern eine überschaubare Gebühr.

Entsorgung kostet den Steuerzahler Tausende Euro

Liegt Müll auf Grundstücken der Stadt oder auf öffentlichen Flächen wie Straßen oder Grünanlagen, muss das Rathaus die Entsorgung veranlassen. "Dazu ist die Stadt aufgrund der rechtlichen Bestimmungen verpflichtet", erklärt Markus Gießler. Der Auftrag geht dann an die Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft Bautzen (BBB). Das kostete nach Angaben der Verwaltung allein im vergangenen Jahr rund 4.000 Euro. Geld, das die Stadt auch hätte anders verwenden können.

Beim Landratsamt gehen die Kosten für die Entsorgung illegal abgelegten Mülls in die Zehntausende. Allein im vergangenen Jahr schlug das in der Kreiskasse mit 51.100 Euro zu Buche, fast 3.000 Euro mehr als 2019. Zum Vergleich: 2015 hat die Entsorgung illegaler Müllhaufen rund 18.000 Euro gekostet. Geld, das letztlich der Steuerzahler aufbringen muss. Dabei schaffen es die Mitarbeiter des Landratsamtes am Ende noch gar nicht, wirklich alles einzusammeln. Und das, obwohl zwei Mitarbeiter das ganze Jahr über ausschließlich mit der Entsorgung solcher Müllhaufen beschäftigt sind. Sie könnten Besseres zu tun haben.

Die Liste dessen, was in Wald und Flur an illegal Abgekipptem gefunden wird, ist lang: Autoreifen, alter Fußbodenbelag, Kabel, Schläuche, Klodeckel, ein altes Ceranfeld, Möbel, Müllsäcke voller Unrat und was nicht alles. Viel mehr, als an die Vernunft und das Umweltbewusstsein der Menschen zu appellieren, kann das Landratsamt nicht tun. Und das tut es auch diesmal.

Der Plastemüll ist erst über das vergangene Wochenende hinzugekommen.
Der Plastemüll ist erst über das vergangene Wochenende hinzugekommen. © Steffen Unger
In diesem Fass befand sich früher mal Motorenöl.
In diesem Fass befand sich früher mal Motorenöl. © Steffen Unger
Auch diese Tonnen wird nun der Besitzer des Grundstücks entsorgen und dafür Geld ausgeben müssen.
Auch diese Tonnen wird nun der Besitzer des Grundstücks entsorgen und dafür Geld ausgeben müssen. © Steffen Unger

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