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Bautzener Kindercafé nutzt Zwangspause

Im Spielparadies Valentin erfolgen jetzt Arbeiten, die sonst kaum möglich sind. Nach dem Lockdown können Besucher einiges Neue entdecken.

Mitarbeiterin Beate Opielka wünscht sich, dass es zwischen den Spiel- und Klettergeräten im Bautzener Kindercafé Valentin bald wieder lauter zugeht.
Mitarbeiterin Beate Opielka wünscht sich, dass es zwischen den Spiel- und Klettergeräten im Bautzener Kindercafé Valentin bald wieder lauter zugeht. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Etwas fehlt. Das fängt gleich hinter der Haustür an. Normalerweise stehen hier jede Menge Schuhe herum, nicht immer ordentlich. An den Garderobenhaken hängen Jacken, auf der Bank liegen Rucksäcke und Taschen. Und in der großen Halle, die einmal eine Schwimmhalle war, toben sich Kinder aus, während ihre Eltern oder älteren Geschwister gelassen am Rand sitzen und ein Getränk genießen. Normalerweise.

Doch normalerweise, das Wort gilt nicht in Corona-Zeiten. Wie alle Freizeiteinrichtungen, musste auch das Kindercafé Valentin an der Bautzener Rosenstraße im Herbst schließen. Zum zweiten Mal im Jahr 2020. Die erste Zwangspause im Frühjahr nutzte Inhaber André Ebert, um mitten zwischen den Klettergerüsten eine Ballkanone einzubauen. Hier können die Kinder jetzt Plastebälle auf eine Art Torwand abfeuern. Normalerweise.

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Neue Beleuchtung und Paneele installiert

Eines ist vom Normalen übrig geblieben, immerhin: Es brennt Licht in der großen Spielplatzhalle. Das braucht André Ebert für die Bau- und Renovierungsarbeiten. "Wir machen jetzt alles, was wir bei laufendem Betrieb nicht machen könnten, oder wofür wir ein paar Tage schließen müssten." An einigen Wänden klebt schon frische Farbe, andere folgen noch. Das gesamte Klettergerüst wurde auseinander gebaut, auf Vordermann gebracht und wieder aufgestellt. Die Federn für das Trampolin erhielten neue Schweißnähte.

Nächste Woche kommen die Tischler. Sie montieren neue Wandverkleidungen. Die Beleuchtung in der Halle wurde schon erneuert. "Das alles kostet natürlich Geld, das wir eigentlich nicht haben", erklärt der 45-Jährige. "Aber uns ist wichtig, dass wir einfach weitermachen. Die Arbeiten geben uns das gute Gefühl, dass es weitergeht."

Über den ersten Lockdown im Frühjahr half ein Zuschuss vom Staat. Jetzt hat Ebert einen Vorschuss auf die zugesagte November-Hilfe bekommen. "Zum Glück", sagt er, "leben wir in einem Land, in dem es solche Hilfen gibt. In anderen Ländern gibt es gar nichts." Zusätzlich hat der Valentin-Inhaber einen Kredit von der Sächsischen Aufbau-Bank (SAB) genommen, um die jetzt laufenden Arbeiten finanzieren zu können.

Mitarbeiterin: "Mir fehlt das Gequieke und Geschreie"

Die Umbauten und Renovierungen erledigt André Ebert zusammen mit Beate Opielka, der einzigen verbliebenen Mitarbeiterin. Zwei Kolleginnen musste der Unternehmer notgedrungen in Kurzarbeit schicken. Beate Opielkas Stelle wird vom Jobcenter des Landkreises gefördert.

Die Mutter dreier Kinder machte einst ein Praktikum im Valentin - und konnte bleiben. "Mir macht das hier viel Spaß", sagt sie, "das ist für mich keine Arbeit, es ist Leidenschaft. Aber", und ihre Stimme klingt gedämpft, "jetzt fehlt mir das Gequieke und Geschreie, manchmal auch Gezanke." Wenn Beate Opielka in Bautzen unterwegs ist, werde sie oft von Leuten angesprochen und gefragt, wann das Kindercafé wieder aufmacht. "Das zeigt mir, dass wir nicht vergessen sind, dass die Menschen auf uns warten."

Geschäftsidee entstand auf dem Flughafen

André Ebert ist in eine Marktlücke gestoßen, als er vor mittlerweile 14 Jahren aus der ehemaligen Schwimm- eine Kinderspielhalle machte. Die Idee dazu kam ihm in seinem damaligen Wohnort Dresden. Da fuhr er am Sonntagvormittag gern mit Sohn Valentin zum Flughafen, um Flugzeugen beim Starten und Landen zuzuschauen. Und er sah, dass da noch viel mehr Väter mit ihren Kindern aufkreuzten. So interessant ein Flughafen auch ist, aber: Wussten die alle nicht, wohin sonst?

Die Geschäftsidee für das Kindercafé war geboren. In der Landeshauptstadt fand André Ebert dafür keine geeignete Immobilie, aber in Bautzen. 2007 öffnete das Valentin, das der Vater nach seinem Sohn benannte. Seitdem stehen im einstigen Schwimmbecken Spiel- und Klettergerüste. Wie viele Kindergeburtstage hier gefeiert wurden, hat niemand mitgezählt. Alles lief gut - bis Corona kam.

Die Auswirkungen spürte die Valentin-Mannschaft auch, als sie in der zweiten Frühlingshälfte nach ein paar Wochen Pause wieder öffnen durfte. Es kamen deutlich weniger Besucher, bereits gebuchte Kindergeburtstage wurden abgesagt. "Da war schon Verunsicherung zu erkennen", versteht André Ebert. Zudem gerade die warme Jahreszeit begann, in der viele Kinder ohnehin lieber draußen spielen. Dann kamen die Herbstferien, "aber da kamen schon viel weniger Gäste als sonst".

Schon in den Winterferien 2020 kamen weniger Besucher

Nun fehlen dem Valentin die diesjährigen Winterferien, sonst eine feste Größe für Hochbetrieb im Kindercafé. "Das ist schon ein harter Einschnitt", sagt Ebert und blickt fast zwölf Monate zurück: Zu den Winterferien 2020 kamen schon deutlich weniger Besucher als in den Jahren davor - erste Informationen über ein neuartiges Virus sorgten für Verunsicherung...

Aber eigentlich schaut André Ebert lieber nach vorn als zurück. Nach vorn schauen, das heißt für ihn und sein kleines Team: Vorfreude auf den Tag der Wiedereröffnung, auch wenn er noch nicht feststeht, auf strahlende Kinderaugen und zufriedene Eltern.

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