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Grippeschutzimpfung mit doppelter Wirkung

Genügt die Corona-Impfung oder ist zusätzlich auch die Grippeschutz-Impfung sinnvoll? Bautzens Amtsärztin klärt auf.

Im Interview erklärt Bautzens Amtsärztin Dr. Jana Gärtner wer sich jetzt gegen Influenza-Viren impfen lassen sollte und warum Grippeschutz während der Pandemie wichtig ist.
Im Interview erklärt Bautzens Amtsärztin Dr. Jana Gärtner wer sich jetzt gegen Influenza-Viren impfen lassen sollte und warum Grippeschutz während der Pandemie wichtig ist. ©  dpa/Sebastian Gollnow (Symbolfoto)

Bautzen. Nur wenige Menschen in Deutschland haben sich in der vergangenen Saison mit Grippeviren infiziert. Im Landkreis Bautzen gab es fünf Fälle, 2019/20 dagegen stehen über 1.500 Meldungen in der Statistik. Nun beginnt eine neue Grippe-Saison. Die Leiterin des Bautzener Gesundheitsamtes, Dr. Jana Gärtner, erklärt im Gespräch mit Sächsische.de, wer sich impfen lassen sollte und warum der Grippeschutz gerade in Pandemie-Zeiten wichtig ist.

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Dr. Jana Gärtner ist Leiterin des Bautzener Gesundheitsamtes.
Dr. Jana Gärtner ist Leiterin des Bautzener Gesundheitsamtes. © SZ/Uwe Soeder

Frau Dr. Gärtner, im vergangenen Jahr gab es nur wenige Influenza-Fälle. Müssen wir in diesem Jahr mit einer Grippewelle rechnen?

Diese Frage kann ich nicht pauschal beantworten, denn wir befinden uns gleichzeitig in der Corona-Herbstwelle. Es bleibt also abzuwarten, wie die Ärzte mit Abstrichen und den Erkältungssymptomen der Patienten umgehen. Was wird getestet? Welche Kapazitäten haben die Ärzte und Labore? Das alles und natürlich auch die Anzahl derjenigen, die sich gegen Grippe impfen lassen, spielt eine Rolle.

Aktuell gibt es aus dem Landratsamt den Aufruf sich gegen Grippe impfen zu lassen. Warum sollte ich jedes Jahr die Spritze abholen?

Die Virusgrippe ist eine der häufigsten Erkrankungen der Atemwege und überträgt sich sehr schnell. Schätzungen zeigen, dass jährlich 8.000 bis 10.000 Menschen an ihren Folgen in Deutschland sterben. Die Eigenschaften der Influenza-Viren ändern sich nahezu jedes Jahr. Impfstoffe müssen deshalb jährlich angepasst werden, die Empfehlungen kommen anhand weltweit erhobener Daten von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die jährliche „Auffrischung“ bedeutet für den Geimpften den Aufbau eines dauerhaften und besseren Schutzes, der sich Jahr für Jahr weiter erhöht.

Gibt es derzeit noch andere Gründe, die für das Impfen sprechen?

Die Grippeimpfung wird derzeit auch empfohlen, damit das Gesundheitssystem nicht zum Erliegen kommt. Ich kann mich noch gut an meine Zeit als Ärztin in der Klinik erinnern. In manchen Jahren waren die Innere und die Notfallambulanz komplett mit Grippeerkrankten belegt. In der Kombination mit Corona in der Pandemie ist es zu befürchten, dass Ärzte und Pflegepersonal im Krankenhaus – wie das gesamte Gesundheitssystem - ans Limit kommen. Auch deshalb empfehle ich, sich impfen zu lassen.

Und die Grippeschutzimpfung soll in einem gewissen Masse auch gegen Corona schützen, oder?

Aktuelle Studien bestätigen diese Fälle. Wenn man sich alljährlich gegen Grippe impfen lässt und auch die aktuelle Impfung bekommen hat, dann zeigt sich häufiger ein milderer Verlauf bei einer Corona-Infektion. Das gilt aber nur für eben jene, die einen effektiven Schutz aufbauen können.

Sie meinen sicher die Risikogruppen. Wer sollte sich besonders gegen Grippe impfen lassen?

Je älter jemand ist, umso schwächer ist das Immunsystem. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Grippe-Impfung insbesondere Menschen ab 60 Jahren. Empfohlen wird die Impfung auch für Chronisch-Kranke, Vorerkrankte durch Krebs oder andere schwere Diagnosen, Bewohner in Alten- und Pflegeheimen, medizinisches Personal, aber auch diejenigen, die viel Publikumsverkehr haben, wie Lehrer oder Personen im öffentlichen Dienst.

Was ist mit Kindern?

Für Kinder gibt es keine generelle Empfehlung der Stiko. Es gibt aber auch kein Kriterium, das diese Maßnahme verbietet. Generell können Kinder ab einem Alter von sechs Monaten gegen Grippe geimpft werden, dafür gibt es einen zugelassenen Impfstoff. Besonders in Haushalten mit geschwächten Personen sollte man auch an die jüngere Generation denken.

In manchen Jahren gab es Engpässe beim Impfstoff...

Wir haben als Gesundheitsamt anhand der Erfahrungen aus den Vorjahren genügend Dosen bestellt. Die Arztpraxen sind versorgt. Standard ist der Vierfach-Impfstoff in Deutschland. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für das Impfen. Unsere Beobachtung ist, dass Grippeimpfungen im Osten gut angenommen werden. Deutschlandweit lassen sich 38 Prozent gegen Influenza impfen, in den östlichen Bundesländern liegt die Quote bei 57 Prozent. Wir wissen allerdings nicht, wie die aktuelle Corona-Diskussion wirkt.

Aber?

Wir gehen derzeit von einem guten Impfanlauf aus. Viele Bürger haben bereits im Gesundheitsamt telefonisch einen Impftermin vereinbart.

Wo kann man sich neben dem Gesundheitsamt noch gegen Grippe impfen lassen?

Die Ermächtigung zum Impfen wurde vor Jahren geändert, so dass jeder Arzt - wie Haus-, Fach-, und Betriebsarzt - impfen darf. Seit 1. März 2020 dürfen sogar Apotheker in öffentlichen Apotheken im Rahmen von Modellvorhaben gesetzlich Krankenversicherte gegen Influenza impfen.

Wann ist der günstigste Termin, sich gegen Grippe impfen zu lassen?

Der Impfschutz ist nach 10 bis 14 Tagen vorhanden, meistens beginnt die Influenza-Welle im Januar und zieht sich bis in den März, manchmal gibt es auch zwei Erkrankungshochs. Es wird empfohlen, sich zwischen Mitte Oktober und Mitte Dezember impfen zu lassen. Wenn erst eine Impfung im Januar möglich ist, zum Beispiel wegen einer Erkrankung, dann ist es auch im Januar gut. Jede Impfung zählt und mildert im Normalfall den Verlauf.

Kann man sich gleichzeitig gegen Grippe und Covid-19 impfen lassen – und gibt es schon ein Kombi-Präparat?

Momentan empfiehlt die Stiko, 14 Tage zwischen den Impfungen Zeit zu lassen. Für die gleichzeitige Impfung gegen die Influenza und Covid-19 sind die Erfahrungswerte noch sehr gering. Von einem Kombipräparat habe ich noch nichts gehört. Das ist vielleicht das Ziel der Zukunft, damit es nur einen Piks gibt.

Neben der Grippeschutzimpfung sind welche Maßnahmen sinnvoll, um sich zu schützen?

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Die für Corona geltenden grundsätzlichen Hygieneregeln eignen sich auch bestens gegen die Grippe: In Schulen, Kitas und Altersheimen sollten immer genügend Seife, Wasser und Wegwerfhandtücher zur Handhygiene zur Verfügung stehen, auch Abstand halten und regelmäßiges Lüften gehört für viele inzwischen zum Standard. Mit diesen Maßnahmen sollten wir auch in der kalten Jahreszeit, wenn Influenza kommt, gut gerüstet sein.

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