merken
PLUS Bautzen

„Solch einen Wenzelsmarkt hätte niemand besucht"

Bautzens Oberbürgermeister sagt, warum es zur Absage des Weihnachtsmarktes keine Alternative gab – und was er von den Corona-Demos hält.

Kein Stollenanschnitt in diesem Jahr: Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens hat den Wenzelsmarkt angesichts der Corona-Pandemie abgesagt.
Kein Stollenanschnitt in diesem Jahr: Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens hat den Wenzelsmarkt angesichts der Corona-Pandemie abgesagt. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Wer dieser Tage die Internetseite des Wenzelsmarktes aufruft, findet dort eine lange Nachricht in weißer Schrift vor. Optimistisch habe die Stadtverwaltung Ende September die Hinweise der Landesregierung zur Durchführung von Weihnachtsmärkten aufgenommen, heißt es darin. Der Umzug des Wenzelsmarktes auf den Schützenplatz sei zunächst als sinnvolle Option erschienen, um das Ganze angesichts der Corona-Pandemie zu entzerren. Kurz nach dieser Entscheidung gab die Stadt aber bekannt: Der Markt wird abgesagt. Sächsische.de hat dazu mit Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) gesprochen.

Görlitz, Bischofswerda, Hoyerswerda – in diesen Städten soll ein Weihnachtsmarkt stattfinden. Warum schafft Bautzen das nicht?

Anzeige
Bio-Angebote von Vorwerk Podemus
Bio-Angebote von Vorwerk Podemus

Bio-Zutaten geben Plätzchen zu Weihnachten eine ganz besondere Note und versüßen die Backfreuden im Advent.

Ich frage mich auch, woher die Verantwortlichen ihren Optimismus nehmen. Ich habe nur mitbekommen, dass Pulsnitz seinen Pfefferkuchenmarkt ebenfalls abgesagt hat. Und wir sehen leider einen ganzen Rattenschwanz an Problemen, der auftauchen wird, wenn die Fallzahlen weiter steigen. Und das tun sie ja nun einmal.

Was für einen Rattenschwanz meinen Sie?

Selbst, wenn sich nichts verändern würde an der Lage, hätten wir so viele Auflagen bekommen, dass auch die Händler sagten, unter diesen Bedingungen mache ein Wenzelsmarkt keinen Spaß. Es wäre auch wirtschaftlich nicht sehr sinnvoll gewesen. Das Gesundheitsamt hat uns mitgeteilt, was es noch alles hätte anordnen müssen, wenn die Zahlen steigen. Zum Beispiel, dass der Wenzelsmarkt nur zwischen 10 und 15 Uhr hätte stattfinden dürfen, ohne Alkoholausschank, alle hätten Maske tragen müssen. Besucher hätten an jedem Stand ihre Kontaktdaten hinterlassen müssen. Es hätte Sicherheitskräfte geben müssen, die die Leute darauf hinweisen, Abstand zu halten. Solch einen Wenzelsmarkt hätte doch niemand mehr besucht. Und: Wenn wir trotzdem einen Markt organisiert hätten und diesen dann später hätten absagen müssen, dann wären wir den Händlern Schadensersatz schuldig gewesen. Dabei wäre der Markt so schon viel teurer geworden.

Um welche Summen geht es da?

Zur Einordnung: Der Wenzelsmarkt kostet sonst etwa 80.000 Euro. Wir hätten über 210.000 Euro mehr als üblich für den Wenzelsmarkt ausgeben müssen - und das trotz leerer Kassen angesichts der Pandemie. Die Summe wäre aber mit mehr Maßnahmen weiter gestiegen.

Hat die Stadt wirklich genug versucht, um einen corona-tauglichen Markt möglich zu machen?

Wir wollten den Wenzelsmarkt unbedingt durchführen, trotz der schwierigen Umstände. Deshalb haben wir seit Monaten an einer Lösung gearbeitet, die die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt. Als beste Alternative hatte sich eine Verlegung auf den Schützenplatz erwiesen. Denn nur dort hätten wir alle Händler unterbringen und Abstandsregeln einhalten können.

Die Bürger wünschen sich Alternativen. Die FDP hat zum Beispiel vorgeschlagen, kleine Glühweinstände vor den Geschäften anzubieten.

Das ist natürlich eine Option. Vor allem deshalb, weil jeder Händler dann sein eigenes Hygienekonzept mit dem Gesundheitsamt abstimmen kann. Das erhöht die Möglichkeit, dass einige Geschäfte Konzepte vorlegen, mit denen es funktionieren kann. Wir würden ihnen dabei keine Steine in den Weg legen, nicht als die Verhinderer auftreten.

Keine Steine in den Weg legen? Warum wird die Stadt nicht aktiv, hilft beispielsweise bei den Konzepten?

Das können wir nicht, weil wir gar keine Informationen über die Voraussetzungen haben, die bei den Händlern vorliegen. Wir wissen nichts über den Personalschlüssel; ob es die Kapazität gibt, einen Mitarbeiter zusätzlich abzustellen. Jedes Geschäft, jede Straße ist anders; hat in etwa ein anderes Platzangebot.

In einer Videobotschaft sagen Sie mit Blick auf die Corona-Maßnahmen, wir seien auf dem Wege, Selbstmord zu verüben aus Angst vor dem Tod. Man müsse das auf höherer Ebene ansprechen. Klingt das nicht ein bisschen verquer – angesichts steigender Fallzahlen?

Nein. Denn in den vergangenen Wochen war zu spüren, dass die Akzeptanz für jegliche Corona-Maßnahmen zurückgeht. Ich meine mit meiner Aussage, dass wir einheitliche Maßnahmen brauchen und nicht in Hysterie verfallen dürfen. Die Leute wissen nicht, woran sie sind, weil jedes Bundesland eigene Sonderregeln hat. Dass es Maßnahmen gibt, finde ich an sich definitiv richtig. Ich bin sogar Fan einer ausgeweiteten Maskenpflicht, ähnlich wie in Südkorea. Meinetwegen darf die auch immer und überall gelten. Trotz 50 Millionen Einwohnern hat Südkorea nur rund 25.000 Corona-Fälle – über solche Maßnahmen können wir gerne reden.

Auch in Bautzen gibt es jetzt Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen.

Ich verstehe, woher das kommt – und warum die Leute das so empfinden. Aber wir müssen uns durchaus auf Maßnahmen verständigen. Wir dürfen nur nicht den Eindruck erwecken, als ob uns alles andere völlig egal ist, nur um irgendwie alle denkbaren Schlupfwinkel für das Virus zu verschließen.

Noch einmal konkret: Wie positionieren Sie sich zu den Demonstrationen in Bautzen?

Ich verstehe nicht, dass die Menschen gegen eine Maskenpflicht auf die Straße gehen. Es ist erwiesen, dass Masken die Infektionsketten unterbrechen. Demonstrationsrecht und Meinungsfreiheit sind wichtige Güter. Wenn ich diese aber dafür nutze, um nachweislich Unsinn zu verbreiten, muss ich mich dafür kritisieren lassen. Sich gegen wissenschaftliche Erkenntnisse zu stellen, ist hier wirklich schädlich. Es ist fast schon ein Missbrauch des Demonstrationsrechtes.

Mit dem kostenlosen Newsletter „Bautzen kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Zur Anmeldung für den kostenlosen Newsletter „Kamenz kompakt“ geht es hier.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen