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So viel verdienen die Menschen im Kreis Bautzen

Das Einkommen wächst, die Preise für Lebensmittel und Mieten auch. Sächsische.de sagt, wie sich die Einkünfte entwickelt haben und wer als arm gilt.

Die Löhne im Bautzener Waggonbauwerk gehören zu den höchsten im Landkreis. Aber viele bekommen für ihre Arbeit zu wenig, um allein davon leben zu können.
Die Löhne im Bautzener Waggonbauwerk gehören zu den höchsten im Landkreis. Aber viele bekommen für ihre Arbeit zu wenig, um allein davon leben zu können. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Ob Mieten, Benzin oder Brot – vieles ist teurer geworden. Und die Löhne? Die steigen zwar auch, aber nicht so schnell wie die Lebenshaltungskosten. Das ist das Ergebnis einer Befragung des Statistischen Landesamtes von Haushalten in ganz Sachsen. Wie viel verdienen die Menschen im Kreis Bautzen? Und wie viele Haushalte gelten als arm? Sächsische.de hat die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.

Wieviel Geld bleibt unterm Strich?

Das mittlere monatliche Nettoeinkommen, das einem Haushalt im Kreis zur Verfügung steht, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Es ist der Betrag, der neben dem Lohn zum Beispiel auch das Kindergeld beinhaltet und nach Abzug von Einkommen- und Lohnsteuer übrig bleibt.

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Der Garten verwöhnt im Spätsommer mit frischem Obst und Gemüse. Und langsam heißt es auch, sich auf den Herbst und die anstehenden Arbeiten vorzubereiten.

Das mittlere Nettoeinkommen lag laut Statistischem Landesamt Sachsen im Kreis Bautzen zuletzt bei 2.173 Euro. Damit liegt der Landkreis leicht über dem Sachsen-Durchschnitt von 2.068 Euro pro Haushalt. Im Jahr davor waren es 2.133 Euro, zehn Jahre vorher 1.626 Euro.

Das geht aus dem Mikrozensus hervor, dessen Ergebnisse für das Jahr 2019 nun vorliegen. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. Der Mikrozensus ist die amtliche, repräsentative Statistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt. Jährlich sind ein Prozent aller Haushalte in Deutschland daran beteiligt.

Wann gilt ein Haushalt als arm?

Als vergleichsweise arm gilt ein Haushalt laut Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) dann, wenn ihm weniger als die Hälfte des mittleren Einkommens zur Verfügung steht. Dann ist ein annehmbarer Lebensstandard, der nicht nur ausreichend Lebensmittel sichert, sondern auch ein gewisses Maß an Freizeitaktivitäten ermöglicht, nicht mehr gegeben. Für den Kreis Bautzen liegt die Grenze bei knapp 1.000 Euro für eine einzelne Person. Ein Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren gilt als arm, wenn ihm im Monat weniger als 2.033 Euro zur Verfügung stehen.

Leben zwei Erwachsene in einem Haushalt ohne Kind zusammen, liegt ihre Armuts-Wahrscheinlichkeit nur bei rund sechs Prozent. Alleinerziehende mit einem oder mehreren Kindern rutschen hingegen zu fast 36 Prozent in Armut. Ob ein Haushalt als arm gilt oder nicht, liegt also nicht an der Zahl der darin wohnenden Personen. Sondern an der Zusammensetzung des Haushalts.

Wie viele Haushalte gibt es im Landkreis?

Die knapp 300.000 Einwohner des Landkreises leben in rund 149.000 Haushalten. Ein- und Zwei-Personen-Haushalte halten sich etwa die Waage - das war vor zehn Jahren noch anders, da gab es wesentlich weniger Singles als heute. Von diesen 149.000 Haushalten hat jeder zehnte im Monat zwischen 500 und 900 Euro netto zur Verfügung, gilt also auf jeden Fall als arm. Rund 32.000 Haushalte haben zwischen 900 und 1.500 Euro, 49.000 Haushalte können mit 1.500 bis 2.600 Euro Netto-Einkommen rechnen.

58.000 Haushalte im Landkreis Bautzen haben monatlich mehr als 2.600 Euro zur Verfügung. Vor zehn Jahren hatten nur rund 31.000 Haushalte im Kreis mindestens 2.600 Euro monatlich.

Und wie viele Haushalte im Kreis gelten als reich?

Das ist schwer zu sagen. Laut Mikrozensus verfügen zwar rund 39 Prozent der befragten Haushalte über mehr als 2.600 Euro im Monat. Doch damit sind sie nicht automatisch reich. Auch hier hängt es an der Zusammensetzung des Haushaltes. Ein Zwei-Personen-Haushalt mit normalen Ansprüchen kommt mit 2.600 Euro besser klar als ein Fünf-Personen-Haushalt ohne größere Ansprüche ans Leben.

Woher bekommen die Menschen ihr Geld?

Etwa 135.500 Menschen im Kreis beziehen ihr Einkommen über ihre Arbeit. Auf Platz zwei kommen die 83.200 Rentner und Pensionäre. Immerhin 54.600 Menschen erhalten Unterhalt von Angehörigen. Etwa 13.600 Menschen bezogen 2019 Arbeitslosengeld, Sozialgeld oder Grundsicherung.

Rund 8.400 Menschen im Landkreis Bautzen fallen beim Einkommen unter die Rubrik "Sonstiges". Dazu zählen die Statistiker unter anderem Erspartes, Elterngeld, Bafög, Vorruhestandsgeld, Krankengeld, Leistungen aus einer Pflegeversicherung oder auch Geld für Asylbewerber.

Wie haben sich die Preise und Mieten entwickelt?

Dass die Sachsen tiefer in die Tasche greifen müssen, zeigen die Preise für Juni 2021, die das Statistische Landesamt nun ermittelt und mit denen vom Juni 2020 verglichen hat. Benzin ist demnach innerhalb eines Jahres um 20 Prozent teurer geworden, Brot kostet etwa zwei Prozent mehr, Gaststättenbesuche ebenfalls. Die Mietpreise sind ebenfalls leicht gestiegen. Laut aktueller Mietspiegel liegen die monatlichen Kaltmieten in Städten wie Bautzen und Kamenz zwischen 4,50 Euro und reichlich sieben Euro pro Quadratmeter, etwa zehn Cent mehr als vor zwei Jahren.

Es gibt aber auch Dinge, die in den vergangenen zwölf Monaten günstiger geworden sind. Obst und Gemüse, aber auch Fleisch, Schuhe und Telekommunikationsdienstleistungen gehören dazu. Die Preise sanken aber meist nur leicht.

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