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Bautzener Firma profitiert von der Energiewende

Das IC Team lackiert Masten für neue Stromtrassen in Deutschland. Es baut deshalb im Gewerbegebiet Salzenforst kräftig aus - und sucht neue Mitarbeiter.

Von Theresa Hellwig
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Die Bautzener Firma IC Team baut im Gewerbegebiet Salzenforst eine neue Halle. Dort werden Masten für die neuen Stromtrassen in Deutschland lackiert, berichtet Geschäftsführer Enrico Paul.
Die Bautzener Firma IC Team baut im Gewerbegebiet Salzenforst eine neue Halle. Dort werden Masten für die neuen Stromtrassen in Deutschland lackiert, berichtet Geschäftsführer Enrico Paul. © Steffen Unger

Bautzen. Einer hinter dem anderen liegen die mehrere Meter langen Stahlträger in der Halle aufgereiht, blassgrün sind sie angestrichen. „Das sind Träger für Umspannwerke“, erklärt Enrico Paul, einer von zwei Geschäftsführern des Bautzener Unternehmens IC Team. Das Unternehmen hat die Träger mit einem Korrosionsschutz beschichtet.

Eigentlich ist das IC Team dafür bekannt, Personaldienstleistungen anzubieten. Die Stahlträger aber stammen aus einem anderen Firmenbereich, nämlich dem IC Team Engineering. Und der nimmt gerade mächtig Fahrt auf. Denn das Unternehmen profitiert von der Energiewende, vom Kohleausstieg, vom Netzausbau.

Neben den Stahlträgern für die Umspannwerke beschichtet das IC Team seit letztem Jahr nämlich auch die Masten, mit denen derzeit das Stromnetz in Deutschland ausgebaut wird – und zum Beispiel neue Trassen von der Nordsee und von Brandenburg aus nach Bayern installiert werden. Die Trassen sollen schon bald den Strom transportieren, der im Windpark im Meer erzeugt wird – und den, der aus den Windparks in Brandenburg stammt.

IC Team: "Auftragsbücher sind voll"

„Um rund 3.000 Kilometer Strecke geht es allein beim Anbieter Tennet“, berichtet Enrico Paul. „Die Masten sind bis zu 80 Meter hoch. Allein bei Tennet geht es deshalb um 50.000 bis 60.000 Tonnen Stahl jedes Jahr. Das ist sehr, sehr viel“, ordnet Enrico Paul ein. Und das Unternehmen arbeitet nicht nur für Tennet. Es sei absehbar, dass die Auftragslage auch die nächsten zehn bis 15 Jahre gut bleibe.

„Die Masten werden aus vielen Einzelteilen zusammengesetzt“, erklärt Enrico Paul. Gefertigt werden die Einzelteile von Stahlbauern in ganz Europa. Das IC Team beschichtet sie dann mit einem umweltfreundlichen Wasserlack – in dem blassen Grünton, den auch die Stahlträger für die Umspannwerke aufgetragen bekommen haben, die an diesem Tag in der Produktionshalle liegen.

„Bislang arbeiten wir daran im Ein-Schicht-System“, berichtet Enrico Paul, während er durch die Produktionshalle schreitet. „Der Lack muss schließlich auch trocknen.“ Doch die Auftragsbücher für das kommende Jahr sind voll, der Netzausbau schreitet schließlich voran. „Wir wollen deshalb in Zukunft gerne im Zwei-Schicht-System arbeiten“, sagt Enrico Paul.

Unternehmen stellt auf Zwei-Schicht-Betrieb um

Damit für die trocknenden Träger auch in doppelter Menge genug Platz vorhanden ist, baut das IC Team an seinem Standort im Industriegebiet Salzenforst gerade eine neue Halle. „Dort vorne“, sagt Enrico Paul und deutet ans Ende der derzeit bestehenden Halle, hinter die grünen Stahlträger, „machen wir einen Durchbruch.“

Im Sommer haben die Bauarbeiten für den Anbau begonnen. Mittlerweile steht ein Grundgerüst des Gebäudes. Etwa im März kommenden Jahres will das Unternehmen die Bauarbeiten abschließen.

Um von den Plänen des Unternehmens zu berichten, muss Enrico Paul ziemlich laut reden. Er muss die Bauarbeiter im Hintergrund übertönen, die gerade mit schwerem Gerät eine dicke Schicht getrockneten Lack vom Boden stemmen. „In die neue Halle werden vier Kräne eingebaut“, sagt der Geschäftsführer. Künftig gibt es dann einen Lackierbereich, in den die Träger transportiert werden – anstatt dass jeder Träger an seinem Platz lackiert wird, wie bislang. „So wollen wir vermeiden, dass es wieder in der ganzen Halle so aussieht“, sagt er, und deutet auf die Bröckchen des getrockneten Lacks, die auf dem Boden liegen.

Mitarbeiterzahl soll verdoppelt werden

„Außerdem werden so auch die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter verbessert“, so Paul. So gehört auch eine neue Lüftungsanlage zur Ausstattung der Halle.

Auch im Außenbereich tut sich einiges. Rund 24.000 Quadratmeter neue Lagerflächen hat die Firma geschaffen. „Nächstes Jahr wird dort alles voller Stahl sein“, sagt Enrico Paul, „die Verträge sind bereits unterzeichnet.“ Insgesamt drei Millionen Euro hat das IC Team in die Baumaßnahmen investiert.

Um den Zwei-Schicht-Betrieb überhaupt möglich zu machen, will das Unternehmen auch seine Mitarbeiterzahl im Bereich Engineering verdoppeln; von etwa zwölf Leuten auf rund 25. Die Firma sucht vor allem Korrosionsschützer, Industrielackierer, Staplerfahrer und Kommissionierer. Weil das Unternehmen auch die Montage und das Nachlackieren der Einzelteile vor Ort durchführt, sucht es auch Leute, die gerne auf Montage arbeiten möchten.

Jetzt, wo die Hallen-Bauarbeiten laufen, ist es für das Unternehmen die größte Herausforderung, das Personal zu finden – in Zeiten des Fachkräftemangels. Denn bereits im Januar will die Firma auf den Zwei-Schicht-Betrieb umstellen. Das Programm, das sich das IC Team Engineering vorgenommen hat, ist straff: Von etwa 100.000 Quadratmetern, die das Unternehmen bisher in einem Jahr im Schnitt beschichtet hat, will es seine Kapazität auf rund 400.000 Quadratmeter erweitern. Und damit seinen Beitrag zum Strukturwandel leisten.