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Hochkirchs Lebensmittelhändler hört auf

Nach einem Vierteljahrhundert als Inhaber geht Hans Schneider in Rente. Findet sich kein Nachfolger, verliert die Gemeinde mehr als nur einen Einkaufsmarkt.

Seit 25 Jahren betreibt Hans Schneider den letzten Einkaufsmarkt in Hochkirch und hat mit Katrin Jani, Katrin Heukert und Simone Dohlich (v. l.) sowie zwei weiteren Frauen treue Mitarbeiterinnen an seiner Seite. Zum Jahresende hört er auf.
Seit 25 Jahren betreibt Hans Schneider den letzten Einkaufsmarkt in Hochkirch und hat mit Katrin Jani, Katrin Heukert und Simone Dohlich (v. l.) sowie zwei weiteren Frauen treue Mitarbeiterinnen an seiner Seite. Zum Jahresende hört er auf. © SZ/Uwe Soeder

Hochkirch. Der Anrufer aus Hochkirch klingt merklich bestürzt, als er erzählt: Hans Schneider, der Inhaber des Einkaufsmarktes an der Straße Zur Kirschallee, wolle den Markt zum Ende dieses Jahres schließen. Der "Nah und gut", erzählt der Mann, der seinen Namen nicht veröffentlicht haben will, weiter, sei mit seiner Lage zwischen Ärzten, Physiotherapie und Pflegeheim mehr als eine Einkaufsmöglichkeit. "Das ist eine Art Dorfzentrum", erklärt der Anrufer. Sollte sich kein Nachfolger für Hans Schneider finden, fährt er fort, "ist hier schlimmstenfalls kein einziger Laden mehr da. Besonders für die alten Leute wäre das eine Katastrophe."

Hans Schneider bestätigt die Gerüchte über die Schließung: "Am 31. Dezember 2021 ist Schluss", stellt er unmissverständlich klar. Leicht gemacht hat der Einzelhandelskaufmann sich die Entscheidung nicht. "Ich wollte eigentlich schon vor zwei Jahren schließen, habe dann aber erstmal meinen zweiten Markt in Baruth dichtgemacht und diesen hier weiterbetrieben", sagt er. Altersbedingt sei es für ihn nun aber endgültig an der Zeit, in den Ruhestand zu gehen.

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Markt vor dem Bankrott gerettet

"Natürlich habe ich immer wieder überlegt, doch noch zwei oder drei Jahre weiterzumachen. Das Herz sagt ja, aber der Verstand sagt nein", sagt der Markt-Betreiber, der den Laden bereits 1995 übernahm. Damals habe sich das Geschäft noch in einem Gebäude der Gemeinde auf der gegenüberliegenden Straßenseite befunden und sei in einem wirtschaftlich schlechten Zustand gewesen.

"Wir waren praktisch bankrott. Am 30. November wusste ich nicht, ob ich am 1. Dezember noch einen Job habe, dann stand plötzlich Hans Schneider in der Tür und hat den Laden gerettet", erinnert sich die heutige Leitern der Käse- und Wurstabteilung Simone Dohlich, die ihrem neuen Chef während der vergangenen 25 Jahre die Treue gehalten hat. Genau wie ihre vier Kolleginnen hofft auch sie noch auf das Wunder eines Betreiberwechsels.

Hans Schneider schließt nicht aus, dass sich doch noch ein Nachfolger findet, der den Markt weiterführt. Einfach wird das aber nicht, da will er nichts beschönigen: "Es ist ein wunderschöner Markt und er könnte auch bestehen bleiben, bräuchte aber ein neues Konzept." Wie genau das aussehen könnte, dazu will er sich nicht äußern. "Das muss der neue Betreiber entscheiden. Da hänge ich mich nicht mehr rein."

Fest steht: Die Edeka-Gruppe, die den Markt bislang beliefert, wird die alten Verträge nach dem Ausscheiden von Hans Schneider nicht verlängern. "Ich werde nur noch beliefert, weil ich Bestandsschutz habe. Man kann dem Unternehmen keinen Vorwurf machen. Wir haben immer gut zusammengearbeitet. Aber auch die müssen an die Rentabilität denken", sagt Schneider und verweist auf die großen neuen Märkte, die ringsum in den vergangenen Jahren eröffnet wurden.

Jeder Kunde wird freundlich begrüßt

"Mit 200 Quadratmetern Verkaufsfläche ist unser Markt nach heutigen Maßstäben viel zu klein", sagt er. Ein neuer, ernstzunehmender Betreiber sei wohl auch deshalb noch nicht in Sicht, wenngleich sich schon etwa acht Interessenten bei ihm gemeldet hätten. "Entweder hier kommt eine ganz große Kette, oder es kommt ein Neueinsteiger, der bereit ist, am Anfang erst einmal richtig viel Geld zu investieren", sagt Hans Schneider.

Um seine fünf Verkäuferinnen mache er sich weniger Sorgen, sollte der Laden doch endgültig schließen: "Da brauche ich keine Angst zu haben, das sind ganz tolle Leute, die sicher ganz schnell wieder einen Job finden werden - wenn auch vielleicht nicht in solch einem guten Team und solch familiärer Atmosphäre", äußert er.

Familiär, erzählt Marktleiterin Katrin Jani, sei es während der vergangenen 25 Jahre nicht nur innerhalb des Team zugegangen. Auch zu ihren Kunden haben die Angestellten ein besonderes Verhältnis aufgebaut: "Bei uns wird jeder schon beim Hereinkommen freundlich begrüßt und auch wieder verabschiedet. Manche unserer Kunden kennen wir schon als Babys, heute haben sie teilweise selbst schon Familien und kommen mit ihren Kindern zu uns. Eben genau so, wie ein Dorfkonsum sein muss", erzählt Jani, die bereits seit 2001 für Hans Schneider arbeitet.

Vom Supermarkt aufs eigene Feld

Übel nehmen die Frauen ihrem Chef den Abschied in den Ruhestand nicht. Glücklich macht sie die Entscheidung aber auch nicht: "Der Laden ist eben schon ein kleines Ortszentrum. Auch durch ihn ist hier immer Leben auf der Straße. Es wäre schon schade, wenn es das nicht mehr gäbe", erzählt Katrin Jani.

Und der Chef selbst? "Ich habe einen alten Bauernhof saniert. Dort baue ich selbst etwas Getreide an. Im Sommer habe ich also auf jeden Fall zu tun. Im Winter will ich reisen, sobald das wieder geht", wagt der einen Ausblick auf den Ruhestand.

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