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Straßenlicht nachts an oder aus?

Um Geld zu sparen, wird in Schirgiswalde-Kirschau übers nächtliche Abschalten der Beleuchtung diskutiert - und jetzt viel Geld für eine Untersuchung ausgegeben.

Die Straßenbeleuchtung am Marktplatz in Schirgiswalde wirkt heimelig und vermittelt Sicherheit. Sie kostet aber auch Geld. Deshalb wird diskutiert, sie in den Nachtstunden abzuschalten.
Die Straßenbeleuchtung am Marktplatz in Schirgiswalde wirkt heimelig und vermittelt Sicherheit. Sie kostet aber auch Geld. Deshalb wird diskutiert, sie in den Nachtstunden abzuschalten. © Uwe Soeder

Schirgiswalde-Kirschau. Es ist ein Thema, über das sich vortrefflich streiten lässt. Eines, zu dem fast jeder eine Meinung hat, und bei dem - und das macht es besonders - beinahe jeder die Gegenseite irgendwie versteht. Die Rede ist von durchgängig brennender Straßenbeleuchtung in dörflich geprägten Gegenden.

Die Problematik, um die es geht, ist folgende: Vor dem Hintergrund steigender Strompreise und sinkender kommunaler Einnahmen sehen sich Städte und Gemeinden zum Sparen gezwungen. Verlockend dabei ist die Idee, die Straßenbeleuchtung zu reduzieren, die - so die eine Seite der Argumentation - in den Nachtstunden auf dem Dorf ohnehin nicht genutzt werde.

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Ortsvorsteher plädiert fürs nächtliche Abschalten

Dass das nicht jeder so sieht, zeigte sich unlängst im Stadtrat in Schirgiswalde-Kirschau: Die Befragung aller Ortsvorsteher, so Bürgermeister Sven Gabriel (FDP) bei der Sitzung am 11. März, habe keine Einigkeit zum Thema hervorgebracht. 5.000 Euro, das hatte die Berechnung der Stadtverwaltung ergeben, müssten im kommunalen Haushalt gespart werden, um die gestiegenen Energiekosten in der Stadtkasse künftig zu kompensieren. An welcher Stelle die Kürzungen vorzunehmen sind - daran scheiden sich die Geister.

In den Blickpunkt rückten in der Diskussion des Stadtrates vor allem drei Punkte. Zwei von ihnen - Aspekte zu Umweltschutz und Kostenreduktion - könnte man rational nennen. Zutiefst emotional geprägt und dennoch nachvollziehbar sind hingegen Einwürfe, die das persönliche Sicherheitsverständnis des Einzelnen betreffen.

Steffen Hoffmann, Ortsvorsteher von Rodewitz/Spree, hält nächtliches Straßenlicht für einen Verursacher überflüssiger Kosten.
Steffen Hoffmann, Ortsvorsteher von Rodewitz/Spree, hält nächtliches Straßenlicht für einen Verursacher überflüssiger Kosten. © SZ/Franziska Springer

An diesen drei Punkten entlang hangelt sich die öffentliche Diskussion in Schirgiswalde-Kirschau. Steffen Hoffmann, Ortsvorsteher von Rodewitz/Spree, ist der Pragmatiker unter den Diskutanten. Die prägnantesten Punkte, die der Polizeibeamte für die nächtliche Abschaltung hervorbringt, sind diese: "Ein moderner Dieb geht nicht mehr mit der Taschenlampe los - er nutzt die nächtliche Beleuchtung," sagt er und verweist auf die Polizeistatistiken der vergangenen Jahre. "Die Masse der Fußgänger ist nicht um vier Uhr morgens auf der Straße unterwegs", fährt er fort und fügt hinzu: "Man muss auch an die Umwelt und die Kosten denken."

Alles das äußerte Hoffmann im Rahmen der Stadtratssitzung. Zuvor, sagt er, habe er sämtliche Ortschaftsratsmitglieder nach ihrer Meinung gefragt. Sein Fazit: "Keiner der Angesprochenen war dafür, die Beleuchtung die ganze Nacht brennen zu lassen." Aber, fügt er hinzu: "Ich verstehe die Unternehmer, die sich Sorgen machen."

Unternehmer will, dass Licht nachts anbleibt

Zu ihnen zählt Tobias Hildebrand. Sein Unternehmen sitzt an der Schirgiswalder Hauptstraße. Er selbst wohnt mit seiner Familie im Schirgiswalder Neudorf. Dort, sagt er, rede man anders: "Wenn man die Leute fragt, wären sie sogar bereit, eine Straßenlichtpauschale zu bezahlen", sagt er und erzählt bildhaft, wie es sei, im Neudorf ohne Beleuchtung unterwegs zu sein: "Da siehst du gar nicht, wo du lang läufst. Die Häuser stehen so weit von der Straße weg, dass auch kein Bewegungsmelder reagiert, wenn du vorbeigehst."

Unternehmer Tobias Hildebrand findet nächtliche Straßenbeleuchtung wichtig. Weil es um das subjektive Empfinden von Sicherheit geht, sagt er.
Unternehmer Tobias Hildebrand findet nächtliche Straßenbeleuchtung wichtig. Weil es um das subjektive Empfinden von Sicherheit geht, sagt er. © SZ/Uwe Soeder

Außerdem treibt ihn ein Fall aus jüngster Vergangenheit um: Im Dezember hatten Diebe versucht, in seinen Fahrradhandel an der Hauptstraße einzudringen. Hildebrands Sicherheitstechnik hielt stand. Die Einbrecher kamen in den Laden nicht hinein, aber: "4.500 Euro Schaden sind entstanden", sagt der HitBikes-Inhaber.

Die Kriminalbeamten, die die Spuren am Tatort sicherten, hätten ihm empfohlen, mehr Licht zu installieren; Bewegungsmelder, einen Strahler sogar. Das würde Diebe abschrecken. Die Argumentation sei logisch, findet Hildebrand. Er fragt aber auch: "Welches Zeichen soll das sein, wenn die Kommune, in der ich Gewerbesteuern zahle, das Licht abschaltet und mich dafür verantwortlich macht, alles auszuleuchten?"

Stadt prüft jetzt Einsparpotenziale

Eine Antwort auf diese Frage fand auch der Stadtrat vorerst nicht - so bleibt das Licht nachts erst einmal an. Stattdessen gibt die Stadt viel Geld aus: Sie lässt jetzt untersuchen, wo sich außerhalb von Straßenbeleuchtung Energiekosten sparen lassen. Dabei fasst sie insbesondere eine gemeinsame Heizung für Kindergarten- und Schulgebäude ins Auge. 27.000 Euro pro Jahr soll die zweijährige Untersuchung kosten.

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