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Wilthen: Frische Farbe fürs Haus Bergland

Wegen Corona fallen Feiern und Veranstaltungen aus. Der Carneval-Club nutzt die Zeit für die Instandsetzung des Saales. Davon profitiert nicht nur er selbst.

In teils schwindelerregender Höhe versieht der Wilthener Malermeister Martin Schuster den Saal des Haus Bergland derzeit mit frischer Farbe.
In teils schwindelerregender Höhe versieht der Wilthener Malermeister Martin Schuster den Saal des Haus Bergland derzeit mit frischer Farbe. © SZ/Uwe Soeder

Wilthen. Er ist absolut ungewöhnlich, der Anblick, der sich derzeit beim Betreten des Saales im Wilthener Haus Bergland bietet. Statt langer Tischreihen am Boden blickt man auf eisernes Ständerwerk, das sich bis unter die Saaldecke erstreckt. Dort ist eine Art Zwischenboden aus Holzbohlen entstanden. Drei Tage hat allein der Aufbau des Gerüstes gedauert, weiß Malermeister Martin Schuster, der hier derzeit in teils schwindelerregender Höhe mit seiner Mannschaft frische Farbe an Wände und Decke bringt.

Weiß dominiert den großen Raum inzwischen. Außerdem entstehen Farbakzente aus dunklem Rot rund um die Bühne und unter der Decke. Rund 50.000 Euro kostet die Verjüngungskur für den 1899 an das damalige Gasthaus Zum goldenen Engel angebauten Festsaal. Den größten Teil der Summe - 80 Prozent - konnte der Wilthener Carneval-Club (WCC), der das Haus Bergland 1997 für eine symbolische D-Mark vom Vorbesitzer erwarb, aus Fördermitteln der Leader-Projektförderung eintreiben. Im vergangenen Herbst kam der positive Zuwendungsbescheid und mit ihm eine Idee.

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Professionelle Küche wurde eingebaut

"Eigentlich war der neue Anstrich erst später geplant, aber in Anbetracht der Corona-Zwangspause erschien der Zeitpunkt günstig. Also wurde die Maßnahme vorgezogen, ohne dass daraus ein riesen Zeitdruck entstand", sagt Wilthens Bürgermeister Michael Herfort (CDU). Die Stadt unterstützt den Verein, indem sie dessen Sanierungsvorhaben koordiniert - und ihrerseits derzeit die Flachdächer auf den Anbauten rund um das Gebäude erneuert. All diese Maßnahmen, fügt Michael Herfort hinzu, seien dringend notwendig gewesen.

Der Hintergrund: Nach seiner Schließung 1990 stand das geschichtsträchtige Gebäude fast zwanzig Jahre leer. Vor seiner Wiederinbetriebnahme durch den WCC am 8. November 2008 sei zwar ein neuer Anstrich gemacht worden. "Aber der wurde eher hemdsärmlich ausgeführt", so der Bürgermeister.

Die momentan stattfindenden Malerarbeiten bilden vorerst den Abschluss dreier großer Projekte, die der Faschingsverein mit Hilfe von Leader-Förderprojekten in den vergangenen Jahren umsetzen konnte. Bereits 2019 flossen rund 120.000 Euro in den Brandschutz für das historische Gebäude. Be- und Entlüftungsanlagen, neue Brandschutztüren und eine Notbeleuchtung wurden installiert. Im vergangenen Jahr folgte eine professionelle Kücheneinrichtung, die den veränderten hygienischen Anforderungen gerecht wird. "Die Küche ist gar nicht so sehr für den Eigenbedarf des Vereins gedacht. Sie ist eher ein Angebot an Mieter des Ballsaals und Caterer. Die sollen sich hier künftig austoben können", so Michael Herfort. Zusammen mit einigen anderen Arbeiten seien in den vergangenen drei Jahren sicher rund 200.000 Euro in die Sanierung des Haus Bergland gesteckt worden, schätzt der Bürgermeister.

Arbeiten werden im März abgeschlossen

Heilfroh sei er, berichtet er weiter, dass der Verein alle drei Projekte vor Ablauf der Leader-Förderperiode bewilligt bekommen hat. Denn: "Klar sind 50.000 Euro für Malerarbeiten viel Geld. Aber wir haben hier schließlich auch große Flächen. Und insgesamt ist die Sanierung relativ kostengünstig gewesen. Immerhin sind wir nach Abschluss der Malerarbeiten mit dem Vorhaben erst einmal durch." Einzig das alte Parkett, beginnt der Bürgermeister laut zu denken, könnte irgendwann einmal erneuert werden. Aber: "Eigentlich ist das so alt und noch in so gutem Zustand - das wäre wirklich schade drum", lenkt er augenblicklich wieder ein.

Noch in diesem März wollen Martin Schuster und seine Mannschaft die Arbeiten abschließen. Auch der alte Gastraum, der sich in den Räumen der ehemaligen Gaststätte Zum goldenen Engel befand, wird dann in frischem Weiß strahlen. Auch er soll künftig wieder genutzt werden - als Vereinsraum für den Carneval-Club.

Gebäude könnte Domizil für mehrere Vereine werden

Darüber hinaus, sagt Michael Herfort, gebe es bereits erste Überlegungen für Anschlussprojekte. "Es stehen noch immer wahnsinnig viele Zimmer im Gasthaus leer", erklärt er. Auch bei diesen biete sich eine Nutzung als Domizile für die hiesigen Vereine an. Langfristig könnte das Haus Bergland somit zum Vereinshaus für die gesamte Stadt werden. Dafür gelte es aber als nächstes, ein Nutzungskonzept zu entwickeln, so der Bürgermeister weiter.

Wer in den Genuss kommt, den neuen Ballsaal einzuweihen, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Eine geplante Veranstaltung im April sei erst jüngst Corona-bedingt abgesagt worden, sagt Herfort und erlaubt sich einen hoffnungsvollen Blick auf die Jugendweihen im Juni.

Das Ursprungsgebäude des Gasthofes Zum Goldenen Engel wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtet.
Das Ursprungsgebäude des Gasthofes Zum Goldenen Engel wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtet. © Stadtverwaltung
Im Jahr 1899 wurde der große Tanzsaal an das bestehende Gebäude angebaut.
Im Jahr 1899 wurde der große Tanzsaal an das bestehende Gebäude angebaut. © Stadtverwaltung
Von 1966 bis 1990 wurde das Haus Bergland als Ferienheim genutzt. Das damals entstandene Schwimmbad existiert inzwischen nicht mehr.
Von 1966 bis 1990 wurde das Haus Bergland als Ferienheim genutzt. Das damals entstandene Schwimmbad existiert inzwischen nicht mehr. © Stadtverwaltung
Seit 1990 stand das Haus Bergland leer und verfiel - bis der WCC das Gebäude erwarb und schrittweise erneuerte.
Seit 1990 stand das Haus Bergland leer und verfiel - bis der WCC das Gebäude erwarb und schrittweise erneuerte. © Stadtverwaltung

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