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„Ich bekam Briefe, warum ich Leute zur Impfung zwinge“

Jens Glowienka ist seit einem Jahr Bürgermeister von Demitz-Thumitz. Jetzt spricht er über schwere Aufgaben, schöne Erlebnisse - und seine Corona-Erkrankung.

Von Timotheus Eimert
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Jens Glowienka ist Bürgermeister vom Granitdorf Demitz-Thumitz. Im Interview mit Sächsische.de sprach er nun über sein erstes Amtsjahr.
Jens Glowienka ist Bürgermeister vom Granitdorf Demitz-Thumitz. Im Interview mit Sächsische.de sprach er nun über sein erstes Amtsjahr. © Steffen Unger

Demitz-Thumitz. Seit einem Jahr ist Jens Glowienka (CDU) Bürgermeister von Demitz-Thumitz. Im Interview mit Sächsische.de blickt er nun auf sein erstes Amtsjahr zurück, sagt, was seine schönste Aufgabe ist, welche harten Entscheidungen er treffen musste, und er spricht auch über seine Corona-Erkrankung.

Herr Glowienka, Sie sind vor einem Monat an Corona erkrankt. Wie geht es Ihnen jetzt?

Ich hatte, Gott sei Dank, einen leichten Verlauf mit Schnupfen und Geschmacksverlust. Ich konnte einen Löffel Senf essen und habe nichts geschmeckt. Bei anderen Menschen kann es schlimmere Auswirkungen haben. Ich wünsche es deswegen niemanden. Ich hatte Glück.

Sie sind seit einem Jahr Bürgermeister von Demitz-Thumitz. Sie hatten versprochen, ein nahbarer Bürgermeister zu sein. Durch Corona ist das natürlicher schwieriger.

Vor meiner Erkrankung war ich im Dorf schon präsent und bin es auch jetzt wieder. Wenn ich spazieren gehe, bekomme ich vom Grüßen meinen Arm fast nicht mehr herunter. Als es noch möglich war, bin ich auch regelmäßig beim Fußball und beim Kegeln gewesen. Ich habe einfach zugeschaut, mitgefiebert. Ich habe die Corona-Tests vom Landkreis für die Kindertagesstätten selbst verteilt und mache auch gern einmal die Aushänge in den Schaukästen selbst. Trotz Corona versuche ich, nahbar zu bleiben.

„Corona strengt jeden an, auch mich“

Ist diese Pandemie Ihre bisher schwerste Herausforderung?

Ja, definitiv. Vor allem die damit verbundene zeitweise Schließung von Einrichtung wie Kindergarten und Schule. In dieser Zeit musste ich auch sehr harte Entscheidungen treffen.

Welche?

Es ging um die Notbetreuung eines Kindes. Beide Eltern sind in der Freiwilligen Feuerwehr in Demitz-Thumitz und haben damit Anspruch auf Notbetreuung. Allerdings war ein Elternteil mit dem zweiten Kind in Elternzeit zuhause. Bei anderen Familien mussten meist beide Eltern arbeiten gehen, sie brauchen die Notbetreuung dringender. Aber auch das wurde irgendwie gestemmt. Ich bin froh, dass diese Zeit vorerst vorbei ist.

Wurden Sie aufgrund solcher Entscheidungen angefeindet?

Nein, direkt angefeindet nicht. Es gab aber den Fall, dass wir Impfungen in den Räumen der Grundschule angeboten haben. Daraufhin habe ich Briefe erhalten, warum ich denn jetzt unterschwellig Menschen zur Impfung zwingen will. Ich habe dann geantwortet, dass niemand zu der Aktion hingehen muss, ich aber gern das Angebot machen möchte. Die Menschen sind hier aber dennoch besonnen. Corona strengt jeden an. Auch ich bin nicht nur Bürgermeister, sondern noch Mensch. Mich nervt das Thema auch.

Kita in Demitz-Thumitz wird erweitert

Wo hat Corona auch positive Auswirkungen?

Wir konnten die Digitalisierung der Verwaltung schneller umsetzen. Nach meinem Amtsantritt haben wir gemeinsam mit einem IT-Dienstleister dafür gesorgt, dass alle Mitarbeiter Homeoffice-fähig sind. Für die Mitarbeiter war es neu, aber viele sind mittlerweile sehr zufrieden, dass sie regelmäßig von ihrem Zuhause aus arbeiten können. Dennoch ist das nur für Menschen eine Option, die Büroarbeit machen. Es ist nicht möglich, den Winterdienst von zuhause aus zu fahren oder ein Brot aus dem Homeoffice zu backen.

Was haben Sie darüber hinaus in Ihrem ersten Amtsjahr erreicht?

Über den Strukturwandel werden wir Fördergelder für die Kitaerweiterung erhalten. Unter der Initiative der Gemeinderätin Jana Flack ist ein Spielplatzkonzept entwickelt worden. Sie hatte sich der Sache auch als Mutter angenommen. Außerdem gibt es in den Ortsteilen einige Initiativen.

Zum Beispiel?

Der Honigdorf-Verein in Medewitz hat in Eigeninitiative eine neue Schaukel für den Ortsteil gebaut. Außerdem versucht man noch, einen neuen Blühstreifen zu schaffen. Des Weiteren gibt es einen sehr engagierten Ortschaftsrat in Rothnaußlitz. Gemeinsam mit dem Sportverein wurde im Sommer ein Kinderfest organisiert, welches immensen Zulauf hatte. Ich habe mich dabei auch kurz hinter den Grill gestellt und ein paar Bratwürste gewendet. Da bricht mir als Bürgermeister auch nicht der Zacken aus der Krone.

„Ich möchte, dass Familien hier willkommen sind“

Welche Aufgabe hat sie vielleicht überrascht?

Es sind oftmals einfache Fragen, die ich beantworten muss, aber wo ich manchmal auch keine Antwort weiß. Zum Beispiel, wenn irgendwo das Straßenlicht ausgefallen ist, dann wird das meist an mich herangetragen, und ich soll mich dann darum kümmern. Ich sammle diese Angelegenheiten und gebe es an den Bauhof weiter.

Und was ist die schönste Aufgabe als Bürgermeister?

Wenn ich am Kindergarten und der Schule vorbeilaufe und mich die Kinder mit „Hallo, Herr Bürgermeister“ begrüßen. Das ist eigentlich das Schönste. Aber grundsätzlich ist der Beruf des Bürgermeisters ein sehr toller. Man kann sehr viel bewegen. Man kommt mit vielen Menschen in Kontakt.

Demitz-Thumitz befindet sich in einem Wandel, es verjüngt sich. Viele junge Leute erkennen die Vorteile des Landlebens. Ich werde ständig nach Wohnraum gefragt, ob es hier Häuser und Grundstücksflächen gibt.

Sie haben jetzt noch sechs Amtsjahre vor sich, was sind Ihre Ziele für diese Zeit?

Ich will bis zum Ende dieses Zeitraums erreicht haben, dass wir eine familienfreundliche Gemeinde sind, dass man gern hier wohnt und dass Familien hier willkommen sind.