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"Mittwoch werden wir den ganzen Tag impfen"

Dr. Lorenzen aus Langebrück darf das Vakzin verabreichen. Wie es in seiner Praxis jetzt weitergeht.

Dr. Klaus Lorenzen gehört zu den sachsenweit 39 Ärzten, die in ihrer Praxis bereits jetzt die Corona-Schutzimpfung verabreichen dürfen.
Dr. Klaus Lorenzen gehört zu den sachsenweit 39 Ärzten, die in ihrer Praxis bereits jetzt die Corona-Schutzimpfung verabreichen dürfen. © René Meinig

Radeberg. Das war ein Wechselbad der Gefühle, das Dr. Klaus Lorenzen in den vergangenen Tagen erlebt hat. Erst die Freude darüber, dass es endlich losgeht mit dem Impfen, auch in Hausarztpraxen. Vor etwas mehr als einer Woche hatte der Allgemeinmediziner 200 Dosen des Impfstoffes von AstraZeneca erhalten. Noch am Sonnabend verabreichte er seinen ersten 20 Patienten das Vakzin. Seine Praxis in Langebrück war in das Pilotprojekt des Freistaates aufgenommen worden. 39 Modellpraxen hatte die Landesregierung ausgewählt, um zu testen, wie es mit der Logistik klappt, mit der Terminvergabe an die Patienten, der Übermittlung der Impfzahlen und der Abrechnung. In Radeberg nehmen drei Praxen an dem Projekt teil.

Arzt: Sachsen ist beim Impfen zu langsam

Am Montag war dann schon wieder Schluss. Nach Bekanntwerden von vereinzelten Thrombose-Fällen stoppte die Bundesregierung vorübergehend die Impfungen mit AstraZeneca. Der Arzt bedauert, dass es zu der Unterbrechung gekommen ist. „Sie hat uns wichtige Zeit gekostet. Überhaupt ist Sachsen, was das Impftempo angeht, viel zu langsam“, sagt Dr. Lorenzen, der stellvertretende Vorsitzende des Sächsischen Hausärzteverbandes ist. Seit Freitag darf der Impfstoff wieder verabreicht werden. Noch am gleichen Tag nahm er auch die Impfungen wieder auf. Zehn seiner Patienten erhielten die Erstimpfung. Allgemeinmediziner hätten viel früher in die Kampagne einbezogen werden sollen, sagt Klaus Lorenzen. „Wir sind diejenigen, die täglich impfen, von der Grippeimpfung bis hin zur Tetanus-Auffrischung. Wir kennen unsere Patienten und wissen, mit wem wir es zu tun haben.“

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In seiner Praxis sei bereits seit langem eine Liste vorbereitet worden mit Patienten über 80 Jahre, die schnell angerufen werden können. Das funktioniere sehr gut. „Es ist übrigens auch der einzige Weg, bei mir in der Praxis zu einem Impftermin zu kommen. Wir sind es, die Patienten anrufen. Es ist vorerst nicht sinnvoll, hier in die Praxis zu kommen oder telefonisch nachzufragen.“ Allerdings spüren er und seine Mitarbeiter derzeit eine Verunsicherung. „Nach den Berichten über die Thrombosen und die Impfunterbrechung sind manche Patienten vorsichtig und fragen verstärkt nach. Wir versuchen, schon am Telefon die Patienten zu beraten. Einige wenige lehnen das Angebot ab, sich mit AstraZeneca-Dosen impfen zu lassen.“

Viele Fragen zu AstraZeneca

In der Praxis selber ist diese Zurückhaltung nicht zu spüren. „Wer zu uns kommt, hat ja schon entschieden, sich impfen zu lassen.“ In der Praxis werden die Geimpften noch 15 Minuten nach der Spritze beobachtet, ob eventuelle Reaktionen des Immunsystems auftreten. „Wir klären die Patienten auch darüber auf, dass sie sich bei Beschwerden einige Tagen nach der Impfung sofort beim Arzt melden sollten“, sagt Klaus Lorenzen. Nach Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) sollten Patienten besonders darauf achten, wenn nach vier bis 16 Tage nach einer Impfung, also nach dem Abklingen der üblichen Impfreaktionen, Symptome auftreten. Bei Kurzatmigkeit, Unterleibsschmerzen oder Schwellungen in Armen oder Beinen, bei starken oder anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen sollten Betroffene sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

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Momentan hat Klaus Lorenzen den Kühlschrank noch voller Impfdosen. „Ich konnte wegen des Impfstopps ja nur 30 Stück impfen. 170 habe ich also noch im Kühlschrank.“ Um möglichst viele Menschen zu impfen, will er versuchsweise den kommenden Mittwoch komplett dafür frei halten. „Ich schätze, dann schaffen wir an diesem Tag 60 Impfungen. In der Woche können es insgesamt einhundert sein.“ Vor allem die Bürokratie verhindere, dass es schneller geht. „Es sind mehrere Zettel auszufüllen und Unterschriften zu leisten. Zum Vergleich: Bei der Grippeschutzimpfung schaffe ich in drei Stunden knapp 90 Patienten.“

Auch um den bürokratischen Aufwand nicht weiter zu erhöhen, sprach er sich dafür aus, für die Corona-Schutzimpfungen keinen separaten europäischen Impfausweis einzuführen. Er verwies auf den bekannten gelben internationalen Impfausweis. „Der reicht völlig aus, da braucht es kein Extra-Dokument.“ Momentan wird der Impfstoff, außer in den großen Impfzentren, nur in den 39 Modellpraxen verabreicht. In der Woche nach Ostern sollen dann weitere Arztpraxen mit der Corona-Schutzimpfung beginnen können. „Momentan sind einfach nicht genug Dosen vorhanden, um weitere Ärzte beliefern zu können“, sagt Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD).

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