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Gebremster Spaß im Dresdner Corona-Advent

Was tut man an einem Wochenende, an dem man fast nichts darf? Drei Dresdner Ausflugsziele, die trotzdem gut besucht waren.

Der geschmückte Fährgarten ist ein Novum in diesem Jahr. Eigentlich sollten die Lichter jetzt ganz woanders hängen.
Der geschmückte Fährgarten ist ein Novum in diesem Jahr. Eigentlich sollten die Lichter jetzt ganz woanders hängen. © Christian Juppe

Dresden. Dieser Hotspot ist perfekt ausgeleuchtet. Man kann ihn nicht übersehen, auch nicht von der anderen Elbseite aus. Das Licht lockt Besucher an. An jedem Abend, vor allem an Wochenendabenden. Sobald am Spätnachmittag die Abenddämmerung beginnt, zieht es die Dresdner geradezu magisch an. Denn es verheißt Abwechslung im Corona-Lockdown, Adventsstimmung. Das, was vielen jetzt so sehr fehlt.

Fährgarten statt Striezelmarkt

Es kommt vom Fährgarten Johannstadt. Chef Jens Bauermeister und seine Mitarbeiter locken die Besucher damit an einen Ort, der in den vorangegangenen Jahren im Dezember stets verwaist war. Denn eigentlich würden die Fährgarten-Macher jetzt auf dem Striezelmarkt arbeiten. "Als klar wurde, dass er in diesem Jahr nicht stattfinden kann, haben wir unsere ganze Deko genommen, um den Leuten hier unten eine Freude zu machen", sagt der Chef. "In der Stadt ist alles dunkel, es ist nicht zu vergleichen mit anderen Jahren. Wir haben alles aus dem Lager geholt und hier aufgehängt und aufgebaut."

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Das "Sterne und Wein"-Konzept an der Elbe geht auf. Zwar fehlt seit dem strengen Lockdown in Dresden der (Glüh)Wein, aber auch Kinderpunsch und Kaffee ordern die Gäste gern. Und ein paar Leckereien lässt Bauermeister eigens dafür nach alten Rezepten anfertigen. Quarkbällchen etwa, wie sie seine Oma gemacht hat. "Es ist kein Vergleich mit dem Striezelmarkt", sagt er. Umsatzzahlen kann oder will er nicht nennen. "Aber wir müssen den Kopf über Wasser halten." Und seine 15 festangestellten Mitarbeiter haben so trotz Striezelmarkt-Aus, Gastro-Lockdown und Glühweinverbot etwas zu tun.

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Gudrun Krause aus Prohlis will nichts kaufen im Fährgarten und ist mit einem befreundeten Paar dennoch an die Elbe in der Johannstadt gekommen. In einem der Unterstände, die Bauermeister aufgestellt hat, holt das Trio zwei große Thermoskannen und ein kleines Deckelglas aus seinen Rucksäcken. "Das ist Kaffee", versichert Grudrun Krause und zum Beweis wird großzügig in die mitgebrachten Becher eingeschenkt. "In dem Glas ist die Kaffeesahne, das brauchen Frauen ja", lacht sie und macht das Heißgetränk komplett. Normalerweise gehört der Fährgarten nicht zu den bevorzugten Zielen der drei Dresdner, dazu ist er zu weit weg von ihrem zu Hause. Doch jetzt passt das. "Hier kommt ein bisschen Weihnachtsstimmung auf", sagt Gudrun Krause, "ich finde das gut und man hat ja genug Platz".

Keine Polizeikontrollen an der Elbe

Dafür haben Bauermeister und seine Mitarbeiter mit Absperrungen und einer neuen Öffnung im Zaun gesorgt. In den Fährgarten geht es jetzt nur von der Elbseite aus, Sitzplätze gibt es nicht, der Ausgang führt zum Elbradweg. Getränke und Speisen gibts an den üblichen Verkaufsständen, das Hygienekonzept funktioniert. "Wir haben ja große Wartebereiche", erklärt der Chef, nirgends müssen sich die Gäste nahekommen. Ärger gab es bisher keinen, auch die Polizei ist entspannt. Ja, es habe in der zurückliegenden Zeit auch am Fährgarten "vernehmliche Personenbewegungen" gegeben, sagt Polizeisprecher Marko Laske. Dabei habe sich das Angebot dort aber nicht als "Schwerpunkt mit Blick auf Verstöße gegen die Sächsische Corona-Schutzversorgung" erwiesen. Das gilt gleichermaßen für den Schillergarten und das "Watzke" an der Elbe in Mickten. Anders als im Frühjahrs-Lockdown sind der Elberadweg und die Elbwiesen jetzt kein Kontrollschwerpunkt für die Beamten. "Aktuell sind keine Streifenfahrten auf dem Elberadweg angedacht", sagt Laske, schließlich seien dort jetzt keine "Sonnenanbeter" zu erwarten.

Auf der Augustusbrücke drängeln sich Weltcup-Schaulustige und Spaziergänger mehr, als im Corona-Lockdown gut ist.
Auf der Augustusbrücke drängeln sich Weltcup-Schaulustige und Spaziergänger mehr, als im Corona-Lockdown gut ist. © Christian Juppe

Kontrollen wären aber trotzdem nicht verkehrt, zeigt das Wochenende mit dem 4. Advent. Auf der Augustusbrücke stehen die Dresdner dicht an dicht, wenn unten auf dem Königsufer an diesem Wochenende Skisprinter um den Sieg kämpfen. Da helfen auch die eigens vom Veranstalter aufgestellten Warnschilder nichts und die Security-Mitarbeiter des Weltcups, die auf der Brücke patrouillieren, sind mit dem Andrang schlicht überfordert. Die Anziehungskraft der Gratis-Stehplätze ist gewaltig. So gewaltig, dass auch zwei Dresdner nicht widerstehen können, die dort bei ihrem Wochenend-Spaziergang vorbeigekommen sind und nun stehen bleiben, obwohl sie das Gedränge unangenehm finden. "Jetzt bin ich schon mal hier, da will ich auch ein Foto machen", sagt die Frau, die ihren Namen lieber nicht nennen möchte. Beim Blick auf das Schneeband an der Elbe sind sich die zwei Rentner nicht ganz einig. "Das ist schon ein ökologisches Problem", findet die Frau. "Wenn man daran denkt, was anderswo für Schneemassen für solche Sportereignisse bewegt werden, ist das harmlos", sagt ihr Mann. Dann jagen eine Handvoll Langläufer unten vorbei. Schnell ein Handyfoto, dann sind die zwei Dresdner zufrieden und laufen weiter.

Die Sandsteinquader an der Augustusbrücke dienen André fürs Klettertraining, weil die Mandala-Boulderhalle geschlossen hat.
Die Sandsteinquader an der Augustusbrücke dienen André fürs Klettertraining, weil die Mandala-Boulderhalle geschlossen hat. © SZ/Christoph Springer

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Zwei Elbbrücken weiter nutzen Michelle Schneider und zwei Freunde eine Wand für Kletterübungen. Sie haben sich eine dicke Matte mitgebracht, die bei einem Absturz schützen soll. Dann erklimmen sie die Sandsteinmauer unterhalb der Albertbrücke. "Sonst sind wir im Mandala", sagt die 25-Jährige. Das ist eine Kletterhalle in der Albertstadt. "Aber da ist jetzt geschlossen." Bisher habe sich noch niemand über ihre Kletterübungen beschwert und das Wetter sei gut genug. Der Sport an den Sandsteinquadern ist auch nicht verboten.

Dicht an dicht drängen sich die Zuschauer auf der Augustusbrücke beim Ski-Weltcup.
Dicht an dicht drängen sich die Zuschauer auf der Augustusbrücke beim Ski-Weltcup. © Christian Juppe
Auch die Schilder der Veranstalter, die auf die Abstandsregeln hinweisen, verhindern das Gedränge nicht.
Auch die Schilder der Veranstalter, die auf die Abstandsregeln hinweisen, verhindern das Gedränge nicht. © Christian Juppe
Der geschmückte Fährgarten von der Elbe aus. Hotspot ja, aber kein Corona-Hotspot - das wünscht sich Chef Jörg Bauermeister.
Der geschmückte Fährgarten von der Elbe aus. Hotspot ja, aber kein Corona-Hotspot - das wünscht sich Chef Jörg Bauermeister. © Christian Juppe

Das Biertrinken im Freien dagegen schon. Einem Trio unweit der Kletterer ist das egal. Ganz offen genießen sie ihr bayrisches Flaschenbier, der Massenbetrieb links und rechts von ihnen auf dem Elbradweg stört sie dabei nicht. Reden wollen sie darüber aber nicht. Vielleicht wissen sie ja doch, dass das eigentlich nicht erlaubt ist. Auch hinter Jens Bauermeisters Zaun stehen Biertrinker. Windgeschützt und so, dass man sie nicht gleich entdeckt, setzen sie die Flaschen an. Sie halten Abstand, aber offensichtlich wissen auch sie, dass das nicht ganz in Ordnung ist. Auch sie wollen nichts sagen zu ihrem eigentlich nicht erlaubten Wochenendvergnügen direkt neben dem Fährgarten, in dem Jens Bauermeister alles dafür tut, dass sein Advents-Hotspot nicht auch ein Corona-Hotspot wird.

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