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Ansturm auf Königsteiner Tapas-Bar

Auswanderer haben in der Sächsischen Schweiz ein Restaurant eröffnet - mitten im Lockdown. Der Wagemut war groß, genauso wie der Appetit auf Tapas.

Es ist angerichtet: Beatriz Hetzke mit selbst gemachten Tapas in ihrem Restaurant "Tasca las Flores" in Königstein.
Es ist angerichtet: Beatriz Hetzke mit selbst gemachten Tapas in ihrem Restaurant "Tasca las Flores" in Königstein. © Steffen Unger

Wie verrückt muss man sein, mitten im Corona-Lockdown ein Restaurant zu eröffnen? Kai und Beatriz Hetzke haben sich getraut. Am 1. Februar machten sie sich in Königstein in der Sächsischen Schweiz mit einer Tapas-Bar selbstständig. "Tasca las Flores" heißt das kleine und urige Lokal am Stadtplatz, in bester Lage in der Festungsstadt. Gut ist nicht nur die Adresse. Der Laden brummt - besser als die Hetzkes es in ihrem kühnsten Traum erwartet hatten.

"Wir wurden in unerwarteter Weise überrannt", sagt Kai Hetzke. Seit genau einem Monat hat die Tapas-Bar geöffnet. Sechs Tage die Woche, zwischen 10 und 17 Uhr, kocht Beatriz Hetzke für die Kunden. Gegessen werden müssen die spanischen Häppchen allerdings zu Hause. Denn wegen der Corona-Beschränkungen ist derzeit nur Essen to go erlaubt. Das scheint die Königsteiner jedoch nicht abzuhalten. Im Gegenteil.

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Spanischer Döner ist der Renner in Königstein

"Mit unserem spanischen Essen scheinen wir den Zahn der Leute getroffen zu haben", sagt Kai Hetzke. Nicht nur aus Königstein werden die Tapas bestellt. Auch aus Stolpen hat es schon Anrufe gegeben. Bis zu 30 Kilometer groß sei das Einzugsgebiet, aus dem Kunden extra wegen der Tapas nach Königstein kommen würden. "Das macht uns unglaublich glücklich", sagt der 48-Jährige.

Der absolute Renner seien derzeit die sogenannten Bocadillos - die spanische Version des Döners, wie es Kai Hetzke gern nennt. Damit gemeint ist ein großes Baguette, das die Spanier oft mittags essen.

Der Renner bei den Kunden: Bocadillo - das spanische Gegenstück zum Döner.
Der Renner bei den Kunden: Bocadillo - das spanische Gegenstück zum Döner. © Steffen Unger

Das Brot für die Sandwiches kommt von der Bäckerei Lauermann aus Gohrisch. Extra für die Tapas-Bar wurde das Rezept kreiert. Das Ergebnis überzeugt. "Die Leute sind verrückt danach", sagt Kai Hetzke. Ursprünglich hatte er mit der Bäckerei vereinbart, pro Monat etwa 50 Brötchen zu backen. Eine Rechnung, die so nicht aufging. Denn im Februar wurden bereits 400 Stück verkauft.

Tapas für zwei gehen viral

Nachordern mussten die Hetzkes auch für ihre kleinen spanischen Platten für zwei Personen. Wer die bestellt, bekommt eine Auswahl an Oliven, Serrano-Schinken und spanischem Käse - hübsch drapiert auf einem Holzbrett. Zu Hause muss nichts mehr angerichtet werden. Brett auf den Tisch - und fertig ist das Abendessen. Fünf dieser Brettchen gab es zum Start am 1. Februar. Inzwischen ist der Stapel auf 25 angewachsen. "Ein Kunde hat ein Foto davon gepostet. Dann stieg die Nachfrage", erzählt Kai Hetzke.

Der gelernte Koch ist froh über den guten Start des Restaurants. Für seine Frau, die das Lokal betreibt, geht damit ein Traum in Erfüllung. Beatriz Hetzke stammt ursprünglich aus Teneriffa, ihr Mann aus der Nähe von Cottbus. Kennengelernt haben sich beide bei der Arbeit auf der Urlauberinsel. Kai Hetzke war mehrere Jahre auf Mallorca, danach auf Teneriffa. Nach 25 Jahren fernab von Deutschland wollte der 48-Jährige irgendwann wieder zurück in die Heimat - zusammen mit Beatriz und dem inzwischen zwölfjährigen Sohn Ivàn.

Bringen spanische Gelassenheit nach Königstein: Kai und Beatriz Hetzke mit Sohn Ivàn Flores.
Bringen spanische Gelassenheit nach Königstein: Kai und Beatriz Hetzke mit Sohn Ivàn Flores. © Daniel Schäfer

In Pirna bauten sie sich eine neue Existenz auf. Beide fingen bei der Sächsischen Dampfschifffahrt an. Er als Koch, sie als Kellnerin. Unterwegs an Bord fuhren sie oft an Königstein vorbei - und verliebten sich erneut. Dieses Mal in die Festungsstadt. Königstein ist inzwischen nicht nur ihre neue Wohnheimat, sondern auch Arbeitsmittelpunkt. Zum Jahreswechsel übernahm Beatriz Hetzke das leer stehende Lokal am Stadtplatz, in dem zuvor "Connys Imbiss" war. Innerhalb von nur vier Wochen renovierten sie die Räume. Am 1. Februar startete das "Tasca las Flores".

Reservierungen für Weihnachten in der Tapas-Bar

Der Name ist ganz bewusst gewählt. Denn die Spanierin Beatriz heißt mit gebürtigem Namen Flores. Übersetzt heißt die Bar damit "Kneipe der Familie Flores". Nicht nur der Name soll Heimatgefühl versprechen. Auch die Gerichte. Denn die Rezepte haben schon Beatriz' Mama und Oma gekocht: Tortilla und Papas con Mojo zum Beispiel. Die Preise für die Häppchen liegen meist im Bereich zwischen drei und sechs Euro.

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Beatriz Hetzke hofft, dass sie bald auch die Türen der Bar öffnen kann - nicht nur die Fenster für den Verkauf außer Haus. "Wir haben schon Tischreservierungen für Mai", sagt Kai Hetzke stolz. Selbst für Weihnachtsfeiern habe es schon Anfragen gegeben. Ob seine Frau als Gastronomin im Mai wieder regulär öffnen kann, ist indes ungewiss. "Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband ist ziemlich optimistisch - und wir sind es auch", sagt Hetzke, der noch auf der Restauration der Festung Königstein angestellt ist. Sollte der Laden seiner Frau weiter so brummen, dann will er langfristig bei ihr mit einsteigen.

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