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Maskenpflicht: Wirbel um Brief von Elternrat

Elternvertreter aus Bautzen und Görlitz fordern, dass Schüler nirgends Masken tragen müssen. Sie zweifeln an deren Wirksamkeit. Fachleute sehen das anders.

Der Bautzener und der Görlitzer Kreiselternrat haben sich mit einem Offenen Brief an Sachsens Landesregierung gewandt. Darin fordern sie unter anderem, dass Schüler keine Maske tragen müssen.
Der Bautzener und der Görlitzer Kreiselternrat haben sich mit einem Offenen Brief an Sachsens Landesregierung gewandt. Darin fordern sie unter anderem, dass Schüler keine Maske tragen müssen. © Claudia Hübschmann

Bautzen. Seit Beginn der Corona-Krise wandten sich die Kreiselternräte aus Bautzen und Görlitz wiederholt an die Politik. Nun haben Marcus Fuchs vom Bautzener und Ronald Lindecke vom Görlitzer Kreiselternrat abermals einen offenen Brief an die Landesregierung geschrieben. Darin fordern sie, dass Kinder an Schulen keine Masken tragen müssen. Außerdem wollen sie, dass die Schulen offengehalten werden – und dass das Ausmaß der Quarantäne-Anordnungen auf ein Minimum beschränkt wird.

Konkret fordern sie, die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung für Kinder sowohl in den Schulen als auch auf dem Schulweg, also auch in Bus und Bahn, abzuschaffen. Sie gehen in dem Schreiben sogar noch weiter und schlagen vor, „klar mit den Schulleitungen zu kommunizieren, dass Kinder keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen dürfen“. Stattdessen solle lediglich die Risikogruppe, beispielsweise durch eine Mund-Nasen-Bedeckung, geschützt werden.

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Eltern fordern: Keine Schulschließungen mehr

Als Grundlage für ihre Forderung nennen die Kreiselternräte eine Umfrage unter Familien, an der sich etwa 200 Personen beteiligt haben. Demnach halten 58,8 Prozent der Befragten Masken für „sehr schlecht“ und „gefährlich“. Weitere 16,1 Prozent geben an, dass Masken „schlecht“ seien und „die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen“.

Außerdem fordern die Kreiselternräte, „weitere landesweite Lockdowns zu unterlassen“, ebenso wie Schulschließungen. Statt ganze Klassenstufen in Quarantäne zu schicken, fordern sie, nur punktuelle Quarantänen auszusprechen.

In ihrem Schreiben behaupten die Kreiselternräte, dass es „keinen Beleg für die Wirksamkeit der Mund-Nasen-Bedeckung als Schutzmaßnahme vor einer Übertragung“ des Coronavirus gibt. Auch Maßnahmen wie Lockdowns seien ihrer Ansicht nach wirkungslos. Daraus resultiert für sie die Forderung, Schulschließungen in der Zukunft zu unterlassen. Als Quelle nennen sie „Statistiken und Studien weltweit“.

Die Elternräte fürchten, dass Kinder bei Fortsetzung des bisherigen Kurses „massive, langfristige Bildungsnachteile“ erleiden. Ihre Forderungen stehen jedoch im Widerspruch zur Empfehlung vieler Fachleute.

An Sachsens Schulen keine einheitliche Maskenpflicht

So bewertet das Robert-Koch-Institut (RKI) das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung durchaus als sinnvolle Schutzmaßnahme. Sie könne sowohl dazu beitragen, Risikogruppen zu schützen, als auch die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus in der Bevölkerung zu reduzieren. Das RKI beruft sich dabei auf Untersuchungen, die zeigen, dass eine Übertragung des Virus oft unbemerkt erfolge - nämlich bereits vor dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen.

Auch das Landratsamt Bautzen betont, dass das Tragen von Masken im Allgemeinen nicht als wirkungslos eingeschätzt werde – ebenso wenig wie ein Lockdown. „Im Frühjahr hat der Lockdown zu einer Eindämmung der Pandemie beigetragen“, erklärt eine Sprecherin.

Die Landesregierung reagiert auf den Offenen Brief der Kreiselternräte verhalten. Sachsens Sozialministerium teilt mit, „den Brief zur Kenntnis genommen“ zu haben. Grundsätzlich gelte, dass das Ministerium sich bei allen Maßnahmen mit Experten, darunter Virologen, berate.

Eine einheitliche Maskenpflicht an Schulen gibt es in Sachsen nicht. Im Rahmen ihres Hygienekonzeptes entscheiden Schulen eigenständig darüber, ob auf den Gängen eine solche Pflicht besteht, teilt das sächsische Kultusministerium mit. „Eine Schulschließung ist ultima ratio“, erklärt eine Sprecherin; das derzeitige Ziel sei, die Schulen offenzuhalten. Das Kultusministerium verweist auf den Infektiologen Reinhard Berner, der davon ausgeht, dass Schulen derzeit kein Corona-Hotspot sind. Natürlich komme es auch zu Infektionen unter Schülern und Lehrern, hatte Berner erklärt – aber es sei nicht zu beobachten, dass die Infektion bisher von Schulen in relevanter Weise nach außen getragen werde.

Elternsprecher ruft zu Demo in Dresden auf

Brisant ist das Schreiben der Elternräte auch deshalb, weil der Vorsitzende des Bautzener Kreiselternrats, Marcus Fuchs, gerade auch in einem anderen Zusammenhang von sich reden macht. Fuchs will nach eigenen Angaben mit drei weiteren Personen einen Ableger der corona-kritischen Gruppierung "Querdenken" in Dresden gründen, und er ruft zu einer Demonstration Ende Oktober in der Landeshauptstadt auf. Laut der Stadt Dresden rechnet der Anmelder mit 1.000 Teilnehmern.

Zum Beispiel in Berlin und Stuttgart machten die Querdenker-Demos zuletzt Schlagzeilen. Auch Marcus Fuchs hat an den Demonstrationen in Berlin teilgenommen. Auf Videos ist er dort mit Megafon und Weste zu sehen.

An den Demonstrationen hatten auch zahlreiche Angehörige der rechtsextremen Szene und Anhänger von Verschwörungsideologien teilgenommen. Für Empörung sorgte zudem ein Vorfall vor dem Reichstag: Mehrere Hundert Menschen überwanden dabei eine Absperrung und stürmten die Treppe vor dem Parlamentsgebäude.

Danach gefragt, erklärt Marcus Fuchs, er distanziere sich von jeglicher Form von Extremismus und Gewalt. Nach eigenen Angaben habe er sich abseits des Protestes am Reichstag aufgehalten, vor der Siegessäule. Fuchs betont in einem Gespräch mit Sächsische.de, er sehe sich nicht als Corona-Leugner. Allerdings lehne er viele der derzeitigen Maßnahmen ab, um die Pandemie einzudämmen, da sie nach seiner Überzeugung nicht wirksam sind. Auch an der Berichterstattung über den Protest in Berlin störe er sich; er habe vor allem eine große, friedliche Demo wahrgenommen.

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