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Fitnesstrainerin tauscht Hanteln gegen Postpakete

Wegen Corona gibt's in vielen Branchen derzeit nichts zu tun, bei der Post dafür umso mehr. So fand auch eine Bautzenerin einen neuen Job.

Wegen Corona musste Fitnesstrainerin Sally Bergmann in Kurzarbeit gehen. Die Post hingegen verzeichnet in der Pandemie einen enormen Zuwachs an Paketen - und suchte neue Mitarbeiter. So fand Sally Bergmann einen neuen Job.
Wegen Corona musste Fitnesstrainerin Sally Bergmann in Kurzarbeit gehen. Die Post hingegen verzeichnet in der Pandemie einen enormen Zuwachs an Paketen - und suchte neue Mitarbeiter. So fand Sally Bergmann einen neuen Job. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Briefsortiermaschinen surren, überall stehen gelbe Plastikkisten herum. Mitarbeiter laufen durch das Briefzentrum in der Kreckwitzer Straße in Bautzen, schieben Wagen vor sich her. Zielstrebig hält Sally Bergmann ihren Mitarbeiterausweis an den Türöffner. Seit vergangenem Jahr ist das der neue Arbeitsort der 29-Jährigen. Dabei war vorher etwas ganz Anderes ihr Job.

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„Meine Aufgabe hier sind die kleinformatigen Sendungen“, erzählt Sally Bergmann. Kleinformatige Sendungen – dazu zählt alles, was größer als ein Brief ist, aber nicht höher als etwa zehn Zentimeter. Bücher zum Beispiel. Oder Schmuckstücke. Etwa 4.000 Stück davon werden jeden Tag in Bautzen im Briefzentrum sortiert. Das ist neu: Früher wurde das im Paketzentrum gemacht. Aber weil die Zahl der Paketsendung so schnell steigt, soll auf diese Weise das Paketzentrum entlastet werden.

In der Regel beginnt Sally Bergmanns Schicht nun um 13 Uhr. „Wir bekommen Europaletten voll mit den Sendungen“, erklärt sie. „Um uns herum stehen dann Gitterwagen, jeweils für die unterschiedlichen Regionen. Und in die sortieren wir dann die eingegangenen Sendungen händisch ein.“

Wegen Kurzarbeit: Langeweile zu Hause

Sally Bergmann stapelt jetzt also Pakete – vorher hat sie stattdessen Gewichte gestemmt. Im Bautzener Stadtteil Gesundbrunnen hat sie als Fitnesstrainerin gearbeitet. Auf ihrer Tagesordnung: Faszien-Training anleiten, Trainingspläne für neue Mitglieder erstellen, Eiweißshakes zubereiten – im Leben von Sally Bergmann drehte sich noch bis vor gar nicht allzu langer Zeit alles um den Sport. Mit Herzblut war sie dabei, sagt die 29-Jährige.

Doch dann kam Corona – und mit der Pandemie die Kurzarbeit. Nicht nur das Fitnesszentrum, in dem sie arbeitete, musste geschlossen werden. Für Sally Bergmann bedeutete Kurzarbeit nicht nur, dass ein Großteil des Einkommens wegbrach. „Zwei Monate lang hatte ich keine Aufgaben“, erzählt sie, „und keine Ablenkung.“ Ganz schön hart sei das gewesen.

Sogar Piloten wechselten zur Post

In dieser Situation erfuhr sie, dass die Post Mitarbeiter sucht – und bewarb sich. Und sie ist bei Weitem nicht die einzige. „Wir haben deutschlandweit viele Mitarbeiter, die aus anderen Branchen zu uns gewechselt sind“, sagt Sachsens Post-Sprecher Mattias Persson. Darunter: Leute aus der Gastronomie, sogar Piloten und Stewardessen, Sportler und Theater-Schauspieler. Auch in Bautzen, etwa zeitgleich mit Sally Bergmann, kamen weitere „Pandemie-Wechsler“ ins Post-Team; zum Beispiel eine Kosmetikerin und eine Mode-Händlerin.

Der Post passt das gut – denn während in der Pandemie Bars, Modegeschäfte, Restaurants, Friseure oder eben Fitnessstudios schließen mussten, und damit die Arbeit für viele Angestellte wegfiel, wuchsen die Aufgaben bei der Post stetig an. Zwar nicht unbedingt im Bereich der Briefe – aber eben im Bereich der Pakete und Päckchen. Immer mehr Leute bestellen online.

Im ersten Lockdown so viele Pakete wie zu Weihnachten

Um das einmal zu verdeutlichen, zieht Mattias Persson einen Vergleich: „Weil unsere Paketzahlen zu Weihnachten immer stark ansteigen, stellen wir vor Weihnachten jedes Jahr 10.000 zusätzliche Mitarbeiter ein. Zum ersten Lockdown wuchs die Paketzahl plötzlich auf dieselbe Menge wie zu Weihnachten – nur mit dem Unterschied, dass wir gar keine Zeit hatten, uns darauf einzustellen und entsprechend mehr Personal einzustellen.“

Für Sally Bergmann ein glücklicher Umstand; eine Chance, wie sie sagt. Obwohl sie mit Herzblut Fitnesstrainerin war – „ich vermisse das nicht“, sagt sie. „Ich mache das nun eben für mich, privat.“

Rätselraten über viele türkisfarbene Päckchen

Und überhaupt: Ob nun Hanteln oder Pakete - „ich bin hier körperlich vollkommen ausgelastet. Das war mir auch wichtig“, sagt sie. „Und ich habe ein nettes Team, die Arbeit macht Spaß.“

Aber mal Hand aufs Herz: Jeden Tag Pakete sortieren, wenn man vorher Trainings- und Ernährungspläne erstellt hat? Wird ihr nicht doch ab und zu ein bisschen langweilig? Sally Bergmann lacht. „Das wurde ich auch im Vorstellungsgespräch gefragt. Aber nein, bislang absolut gar nicht.“ Das liege zum einen an den Kolleginnen und Kollegen. Und zum anderen auch ein bisschen daran, was sie auf der Arbeit beobachten kann. „Das war lustig zu sehen: Kurz vor dem Valentinstag war plötzlich alles voller türkisfarbener Päckchen“, nennt sie ein Beispiel. „Da haben wir gerätselt: Sind das wohl alles Männer, die ein Last-Minute-Valentinstag-Geschenk bestellt haben?“

Für Sally Bergmann ist klar, dass sie nicht zurück in den Fitnessbereich möchte. Sie will, sagt sie, bei der Post bleiben.

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