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PLUS Pirna

Ein Job, den es ohne Corona nicht gäbe

Laszlo Dombovari von AOK Plus hat für sieben Wochen seinen Arbeitsplatz getauscht. Freiwillig, ohne Entschädigung. Dafür mit einem Risiko.

Der Dresdner AOK-Mitarbeiter Laszlo Dombovari gehört bis Ende des Jahres zu den Helfern im Pirnaer Landratsamt.
Der Dresdner AOK-Mitarbeiter Laszlo Dombovari gehört bis Ende des Jahres zu den Helfern im Pirnaer Landratsamt. © Daniel Schäfer

Nein, Laszlo Dombovari hat keinen Ärger auf Arbeit und flüchtet deshalb. Er mag sein Digitalisierungs- und Online-Projekt bei der AOK Plus. Trotzdem hat er sich jetzt für eine andere Arbeit gemeldet. Seit Montag hilft er im Gesundheitsamt des Landratsamts. Er las den Aufruf der AOK, trug sich in die Einsatzliste ein und ist seit dem ersten Tag voll eingespannt. "Ich merke, dass ich gebraucht werde, und das ist gut."

Das Gesundheitsamt arbeitet seit Wochen unter täglich wachsendem Druck. Die Nachverfolgung von Kontakten, die Anrufe nach positiven Testergebnissen, die Bescheide für den Beginn und das Ende von Quarantäne, all das fordert Zeit. Die Soldaten waren die Ersten, die halfen kamen. Dann folgte das Angebot der AOK.

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Pflegeheime sind Corona-Hotspots

Eingeteilt ist Dombovari für Pflegeheime und -dienste, Sozialstationen, Fahrdienste. Vor allem die Pflegeheime sind ein Hotspot. Das Gesundheitsamt muss hier das weitere Vorgehen bei Corona-Erkrankungen koordinieren. Wenn Dombovari - oder auch andere Mitarbeiter - dann anrufen, bedeutet das nichts Gutes. "Natürlich sind die Einrichtungen erst einmal erschrocken, doch dann auch dankbar, wenn ihnen jemand bei den nächsten Schritten hilft, erklärt, wie es weitergeht, was zu beachten ist." Dombovari hat Stichpunkte zur Hand, die ihm helfen, nichts zu vergessen. "Es geht darum, richtig zu desinfizieren, Kontakte abzufragen, praktische Hinweise zu geben, wie Bewohner und Personal geschützt werden können und auch Risiken abzuschätzen, Tests abzusprechen."

Schon an seinem ersten Tag im Gesundheitsamt ging Dombovari mit einem Mitarbeiter des Amtes auf Außentermin. "Man wird ja nicht dümmer", sagte er sich. Seine Aufgabe war das Protokollieren des Besuches in einem Pflegeheim. Damit konnte die Fachkraft vom Amt effektiver arbeiten. Was in einem Heim bei einem positiven Bewohner alles gemacht wird, ringt Dombovari Achtung ab. Die Kleidung der betreffenden Person wird in verschlossenen Säcken zu einer speziell zertifizierten Reinigung gebracht. Das Zimmer komplett desinfiziert. Erst wenn das erfolgt ist, kommen die Sachen, ebenfalls wieder verschlossen, zurück.

100 AOK-Mitarbeiter melden sich für Hilfseinsatz

Dombovari kommen sein Wissen um das Gesundheitswesen und seine vorherige Arbeit als Geschäftskundenberater zugute. Er weiß, wie Pflegeheime arbeiten und wie groß aktuell der Druck ist, und er geht auf die Menschen zu, kann mit ihnen reden. "Ich bin froh, die Möglichkeit dieses Einsatzes zu bekommen, in einer Zeit, die für alle nicht einfach ist, ein bisschen helfen zu können."

Gemeldet haben sich in Sachsen und Thüringen insgesamt rund 100 AOK-Mitarbeiter. Dombovari hatte sich zwar, weil er in Dresden wohnt, für einen dortigen Einsatz interessiert, doch er war auch mit Pirna einverstanden. Hier ist er aktuell der einzige AOK-Helfer. Mit Stand vom 19. November unterstützen das Landratsamt rund 50 Helfer unter anderem von Bundeswehr, Technischem Hilfswerk sowie Sachsenforst, Zollverwaltung und Landestalsperrenverwaltung. Die meisten sind in den Bereichen Hygiene und Nachverfolgung von Kontaktpersonen eingesetzt. Bei Bedarf werden weitere Helfer angefordert, sagt das Landratsamt. Der Einsatz von Dombovari geht bis zum 31. Dezember - vorausgesetzt, die AOK ruft ihn nicht zurück, weil sie ihn dringend braucht. Diese Notfall-Option gehört ebenfalls zur Vereinbarung.

Testen nur bei Verdacht oder Symptomen

Im Unterschied zu seiner eigentlichen Tätigkeit, bei der sich die Zeit selbst einteilen kann, heißt es nun vier Tage von 8 bis 18 Uhr arbeiten, dann vier Tage frei. Kommendes Wochenende ist Dombovari zum Beispiel voll eingeplant. Familiär hat der 39-Jährige das alles besprochen. "Ein ungewohnter Rhythmus, aber die Zeit vergeht wie nix und es ist eine spannende und wichtige Arbeit." Bezahlt wird Dombovari so wie alle anderen Helfer von ihrem eigentlichen Arbeitgeber, dem sie auch personalrechtlich weiter unterstellt sind. Zusätzliche Entschädigungen oder Vergünstigungen erhält niemand. "Das Einzige was ich bekomme, ich zusätzliche Lebenserfahrung."

Eine Erfahrung, zu der der Respekt vor dem Risiko gehört. Ein regelmäßiges, prophylaktisches Testen der Mitarbeiter und Helfer des Gesundheitsamtes erfolgt nicht. Da die Kapazitäten begrenzt sind, wäre das unverantwortbar. Wer erkältet ist, bleibt zuhause. Getestet wird bei Symptomen und wenn man als Kontaktperson gilt.

In kompletter Schutzkleidung ins Pflegeheim

Wenn Dombovari wie alle anderen Mitarbeiter zum Beispiel in einem Pflegeheim war, in dem es positive Corona-Fälle gibt, betritt er es in kompletter Schutzkleidung, die danach entsorgt wird. "Natürlich ist einem dabei immer etwas unwohl", sagt er. Nein, keine Angst, keine Panik, aber auch kein Unterschätzen der Gefahr. Verantwortung hat da auch jeder außerhalb seiner Arbeit, egal ob im Gesundheitsamt oder in Einrichtungen wie eben Pflegeheimen und Kliniken. Das Personal, das dort wegen Infizierung oder Quarantäne ausfällt, hat sich meist außerhalb der Arbeit angesteckt.

Ob Dombovari auch Weihnachten arbeiten muss, weiß er nicht. "Es kann aber durchaus sein und ist auch in Ordnung." Er nimmt das in Kauf, weil er will, dass alle Weihnachten zuhause feiern können. "Wenn meine Unterstützung dabei hilft, hat es sich schon gelohnt. Wie es jetzt ist, ist es für alle nicht schön."

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