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Sachsen sagt alle Termine für erste Corona-Impfungen ab

Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca wird vorsorglich aus dem Verkehr gezogen. Das hat dramatische Folgen für die Impf-Kampagne in Sachsen - auch mit Biontech.

In Sachsen wird das Mittel von Astrazeneca jetzt erst einmal nicht weiter verimpft.
In Sachsen wird das Mittel von Astrazeneca jetzt erst einmal nicht weiter verimpft. © Sean Elias/PA Media/dpa (Symbolbild)

Dresden. Sachsen stoppt ab sofort alle Termine für Erst- und Zweitimpfungen mit dem Mittel von Astrazeneca. Damit folge man einer Entscheidung der Bundesregierung, die die Verwendung des Impfstoffs aufgrund einer aktuellen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts ausgesetzt habe, teilte das Gesundheitsministerium am Montag mit. Hintergrund sind Berichte über Nebenwirkungen. Vorausgegangen waren etwa Meldungen von Blutgerinnseln nach einer Corona-Impfung mit diesem Präparat.

"Sicherheit geht vor. Daher haben wir nach der Information durch die Bundesregierung sofort die Ärzteverbände und das Deutsche Rote Kreuz informiert", sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD). Betroffen sind demnach Impfzentren und das Modellprojekt mit Hausärzten, das am Montag starten sollte. "Ich setze auf eine zügige Klärung. Natürlich wirft diese Entwicklung unsere Impfpläne gehörig zurück."

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Keine Biontech-Erstimpfungen mehr in Sachsen

Das für die Impfkampagne im Freistaat zuständige DRK teilte mit, dass ab sofort alle Erst- sowie Zweitimpfungstermine mit Astrazeneca bis auf Weiteres gestoppt sind. Es könnten ferner auch keine Erstimpfungstermine, die mit Biontech gebucht waren, stattfinden. Es würden nur Zweitimpfungstermine mit Biontech durchgeführt.

Noch am Montagmorgen hatte Köpping ein Pilotprojekt in Dippoldiswalde eröffnet, das 39 Hausarztpraxen in die Schutzimpfungen gegen das Coronavirus einbinden sollte. Dafür wurden Ende vergangener Woche 12.450 Dosen des Astrazeneca-Impfstoffes an die Praxen geliefert. Die ersten Patienten bekamen das Vakzin am Montag bereits verabreicht. Nun liegt das Modellprojekt vorerst auf Eis.

Laut Deutschem Roten Kreuz (DRK), das die Impfzentren in Sachsen für den Freistaat organisiert, sind durch den verhängten Stopp sämtliche Ersttermine für Impfungen für die nächsten Tage gestrichen. "Wir können nur noch Zweitimpfungen mit Biontech durchführen", sagte DRK-Sprecher Kai Kranich auf Anfrage. Bereits am Freitag hatte das DRK erklärt, dass wegen Impfstoffknappheit sämtliche bereits gebuchte Termine mit Biontech in Sachsen ausfallen. Stattdessen sollte den Menschen Astrazeneca angeboten werden. "Das fällt nun weg."

Die gut ein Dutzend Impfzentren im Land werden laut DRK aber nicht geschlossen, sondern sichern nun die Zweitimpfungen ab. Rund 52.000 Dosen des Biontech-Impfstoffs stehen dafür aktuell zur Verfügung. "Damit fahren die Impfzentren aber natürlich nicht mehr Volllast." Das zweite Impfzentrum im Corona-Hotspot Vogtland in Plauen kann nun seine Arbeit vorerst nicht aufnehmen. Auch die geplanten Impfungen ohne Priorisierung im Vogtland sind damit gestoppt.

Petra Köpping hofft auf Sputnik V

Das zusätzliche Impfzentrum in Grimma, das am Dienstag (16. März) öffnet, soll hingegen für Zweitimpfungen genutzt werden. Die rollenden Impfbusse, die auf den Astrazeneca-Impfstoff setzen, können nun nicht wie geplant eingesetzt werden, so Kranich.

Köpping hatte am Montagmorgen erklärt, dass sie sich auch eine Verwendung des russischen Corona- Impfstoffes vorstellen könne. "Wir stehen dem offen gegenüber. Natürlich muss er wie alle Impfstoffe geprüft sein, und wenn er zugelassen wird, dann werden wir auch diesen Impfstoff hier gerne verimpfen." Gerade viele ältere Menschen sagten, sie seien früher immer mit russischen Impfstoffen geimpft worden und hätten das "überlebt".

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Bereits vor Bekanntwerden des Impfstopps mit Astrazeneca hatte sich Köpping besorgt angesichts steigender Infektionszahlen gezeigt. So kletterte etwa am Montag der Wochen-Inzidenzwert im Vogtland auf über 300. Laut Robert Koch-Institut (RKI) lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche in 8 der 10 Landkreise sowie in Chemnitz über der kritischen 100er-Marke. Damit könnten nicht nur geplante weitere Lockerungen hinfällig werden - etwa in Bezug auf Kinos, Theater und Außenbereiche der Gastronomie. Es drohen auch neuerliche Verschärfungen in einzelnen Regionen. (dpa)

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