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Wie läuft die Corona-Impfung ab?

Sachsen will ab 15. Dezember mit Impfzentren bereit für die ersten Corona-Immunisierungen sein. Alle wichtigen Fragen und Antworten zur Impfstrategie.

Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) besichtigte am Dienstag schon einmal das Impfzentrum in Leipzig. Dort soll ab 15. Dezember alles fertig sein für die ersten Patienten.
Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) besichtigte am Dienstag schon einmal das Impfzentrum in Leipzig. Dort soll ab 15. Dezember alles fertig sein für die ersten Patienten. © Peter Endig

Dresden. Zum Jahreswechsel 2020/2021 soll es auch die erste Zulassung eines Corona-Impfstoffes in Deutschland geben. Für die ersten Impfungen wurden auch in Sachsen erste Impfzentren in den Kreisen ausgelotet, die jetzt für die ersten Einsätze vorbereitet werden. Doch wer ist zuerst impfberechtigt? Und wie laufen die Immunisierungen eigentlich ab? Sächsische.de beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Corona-Impfungen und die Testzentren in Sachsen.

Wann wird es einen Corona-Impfstoff geben?

Die ersten Corona-Impfungen werden höchstwahrscheinlich Ende 2020 beziehungsweise Anfang 2021 erfolgen. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) rechnet damit, dass mit Massenimpfungen im kommenden Jahr begonnen werden kann. Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bestätigt diese Aussage.

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Insgesamt gibt es drei Impfstoffe, die derzeit auf Antrag der Hersteller Pfizer und Biontech, Astra Zeneca und der Universität Oxford sowie Moderna in einem EU-Zulassungsverfahren stecken. Erst nach dieser Absegnung, unter anderem durch Experten des deutschen Paul-Ehrlich-Instituts, kann der Impfstoff für erste Patienten verwendet werden.

Wo gibt es Impfzentren in Sachsen und wann sind sie einsatzbereit?

Es wird in jedem sächsischen Landkreis und jeder kreisfreien Stadt ein Impfzentrum mit angebundenen mobilem Team geben. Das bestätigt das Sozialministerium auf Anfrage. "Die Anzahl der 'Impfplätze' wird in Abhängigkeit der zu impfenden Personen und der Menge an verfügbarem Impfstoff ermittelt und aufgestellt", teilt eine Sprecherin mit.

Nach Informationen von Sächsische.de stehen bereits die ersten Standorte für Impfzentren bereit. So sollen in den drei größten Städte Leipzig, Dresden und Chemnitz jeweils der Messestandort verwendet werden. Weiterhin bestätigte der Oberbürgermeister von Löbau, dass die Messehalle in seiner Stadt das Impfzentrum für den Landkreis Görlitz werde.

Herauskristallisiert hat sich auch der Standort im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Dort soll das Zentrum in einem ehemaligen Aldi-Markt in Pirna-Jessen entstehen. Der Landkreis Bautzen habe nach unbestätigten Informationen die Schützenplatzhalle in Bautzen im Auge. Im Landkreis Mittelsachsen wurde bisher noch kein Standort kommuniziert. Bisher wurden die Standorte der Impfzentren offiziell durch das sächsische Sozialministerium noch nicht bestätigt - aus Sicherheitsgründen, wie es hieß.

Nötig seien diese zentralen Anlaufstellen in den ersten Monaten jedoch, da die Impfdosen nicht so einfach aufbewahrt werden können. "Es ist eine Kühlung bei Minus 70 Grad Celsius notwendig. Und so eine Kühlmöglichkeit hat der Hausarzt im Normalfall nicht", erklärt Virologin Corinna Pietsch von der Uniklinik Leipzig. Außerdem könne an den Standorten eine große Anzahl an Menschen in "relativ kurzer Zeit geimpft werden".

Einsatzbereit sollen die Zentren nach je einem Testlauf Mitte Dezember sein. Erste Impfungen erwarten Politiker und Ärzte ab Ende 2020 oder Anfang 2021.

Wer ist in der Erstphase impfberechtigt?

Wer in welchen Schritten geimpft werden soll steht bereits fest. Ein aktuelles Positionspapier des Deutschen Ethikrats, der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina und der Ständigen Impfkommission (Stiko) gibt eine grobe Richtung, auch für den Freistaat, vor. Die Bevölkerung wird in sechs Kategorien eingeteilt, die unter anderem bestimmt werden durch das Alter, den Beruf oder Vorerkrankungen.

Zunächst sollen Menschen über 80 Jahre, Bewohner von Pflegeheimen, Rettungsdienst, Pflegekräfte im ambulanten und stationären Bereich sowie Beschäftigte in Notaufnahmen, Covid-19-Stationen und in medizinischen Einrichtungen in der Geburtshilfe oder Transplantationsmedizin geimpft werden. Danach folgen Personen im Alter zwischen 76 und 80 Jahren und Menschen mit Behinderung oder Demenz in Pflege.

In der vorletzten Kategorie werden dann auch Feuerwehr- und Polizeibedienstete beachtet sowie zum Teil auch Politiker. Erst danach ist die übrige Bevölkerung geplant. Außerdem sollen vor dem Impfstart in den Zentren das medizinische Personal der Krankenhäuser und das Personal der Impfzentren die Möglichkeiten haben, sich immunisieren zu lassen.

Wer bereits eine Infektion mit Covid-19 nachweislich durchgemacht hat, wird zunächst nicht geimpft, so die Ständige Impfkommission (Stiko) des Bundes. Ob und wenn ja, wann den Betroffenen später eine Impfung angeboten wird, ist noch nicht entschieden.

Wie läuft die Impfung konkret ab?

Nach Aussage des Ministerpräsidenten Michael Kretschmer in einem MDR-Interview werden die Impfberechtigten per Post eine Einladung erhalten. Die Organisation dafür übernehmen die Krankenkassen, die sich eng in Absprache mit dem Freistaat befinden.

Nach Ministeriumsangaben, gebe es dann unter anderem die Möglichkeit sich einen Termin online über ein Terminvergaben-Buchungssystem geben zu lassen. Auch die behandelnden Ärzte werden informiert. "Aktuell kann man sich noch keinen Termin geben lassen", sagt eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage.

Für eine effektive Immunisierung sind zwei Impfungen erforderlich. Mit der ersten Impfung wird auch ein Termin für die zweite Impfung vereinbart. Die Patienten müssen sich vorher nicht auf Sars-CoV-2 testen lassen.

Die Impfzentren sind so eingerichtet, dass es abgetrennte Räumlichkeiten für einzelne Stationen (wie beispielsweise Anmeldung und Wartebereich) gibt. Gefordert sind auch ein gesicherter Lagerraum für den Impfstoff sowie ausreichend Parkplätze und eine gute Anbindung an den öffentlichen Personenverkehr.

Vor Ort werden die Organisatoren der Impfzentren (vorwiegend das Deutsche Rote Kreuz Sachsen) "Impfstraßen" aufbauen, erklärt DRK-Chef Rüdiger Unger im Interview mit Sächsische.de. Pro Tag könnten dem Sozialministerium zufolge bis zu 13.000 Bürger geimpft werden.

So sieht das künftige Impfzentrum auf der Leipziger Messe aus.
So sieht das künftige Impfzentrum auf der Leipziger Messe aus. © Peter Endig

Wer darf Corona-Impfungen vollziehen?

Die Verabreichung des Corona-Impfstoffs darf nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Das teilt das Sozialministerium mit und verweist auf die Sicherstellung, dass bei möglichen Nebenwirkungen, wie beispielsweise allergischen Reaktionen, schnell gehandelt werden kann. Außerdem seien die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen und die Gesundheitsämter eingebunden.

Wie viele Ärzte und medizinisches Personal notwendig sind, um die Impfungen durchzuführen, kann erst dann berechnet werden, wenn dem Freistaat Sachsen bekannt ist, in welcher Zeit der Impfstoff geliefert wird. "Die Akquise läuft aktuell noch. Es haben sich bereits zahlreiche Ärzte gemeldet", sagt eine Sprecherin.

Kostet das Impfen etwas?

Die Kosten für eine Corona-Impfung müssen die Patienten nicht selbst übernehmen. Wie das Bundesgesundheitsministerium und das Robert Koch-Institut mitteilen, ist die Impfung kostenfrei und werden über die Krankenkassen abgerechnet.

Die Impfreihenfolge wird jedoch durch die Zughörigkeit zu den prioritär zu impfenden Personengruppen festgelegt. Auch eine mögliche Selbstzahlung hat hierauf keinen Einfluss und wird nicht beachtet, so das sächsische Sozialministerium.

Muss ich ein Impfzentrum gehen? Oder geht das auch beim Hausarzt?

Aufgrund der schwierigen Lagerung der Impfdosen ist derzeit eine Immunisierung nur in Impfzentren und mobilen Teams möglich. Neben je einem zentralen Standort im Kreis oder kreisfreier Stadt soll es auch je ein Team geben, dass beispielsweise die Impfungen in Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheimen oder an kurzzeitig eingerichteten lokalen Impfstellen durchführen kann.

Ob man sich auch in einem anderen Landkreis oder Bundesland impfen kann, befindet sich aktuell einer Sprecherin des Gesundheitsministeriums zufolge noch in Abstimmung. "Nach jetzigem Stand ist es vorgesehen, das auch beispielsweise am Arbeitsort eine Impfung möglich ist. In Sachsen werden wir dies regeln können." Bundesweit können das Ministerium jedoch noch keine Angaben machen. "Die erforderliche Zweitimpfung ist dann aber in dem Zentrum durchzuführen, wo auch die erste Impfung erfolgt ist."

Nach Angaben des sächsischen DRK-Chefs Rüdiger Unger, sei der Auftrag für die Impfzentren zunächst auf drei bis vier Monate befristet. "Wir kalkulieren aber damit, dass die Einrichtungen insgesamt sechs bis sieben Monate arbeiten werden", erklärt er. "Danach möchte die Bundesregierung die Aufgabe verstärkt den Hausarztpraxen überlassen."

Die Abläufe sind durch die Nationale Impfstrategie vorgegeben. "Bei ausreichender Verfügbarkeit an Impfstoffen werden natürlich auch die Hausärzte Impfungen anbieten können", so eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. "Für eine mögliche hohe Durchimpfungsrate ist natürlich dieser Bereich ein wesentlicher Garant."

Gibt es Pläne für eine Impfpflicht in Sachsen?

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer unterstreicht immer wieder: "Die Impfung ist freiwillig." An dieser Aussage rüttelt derzeit im Freistaat niemand. Auch auf Anfrage im Gesundheitsministerium, ob es Pläne für eine Impflicht im medizinischen Bereich gibt, gab es keine andere Aussage. "Es gibt weder einen Impfzwang noch eine Impfpflicht", so Kretschmer im MDR.

Wie sicher ist ein neuer Covid-19-Impfstoff?

Ein Impfstoff wird erst nach ausreichender Überprüfung durch Bundesanstalten und EU-Behörden auf den Markt gebracht. Nach seiner Marktzulassung erfolgt eine ständige Kontrolle zum Erfassen von Wirksamkeit und möglichen Nebenwirkungen, so das RKI.

Die ersten drei Testphasen der verschiedenen Corona-Impfstoffkandidaten haben gezeigt, dass sich die Nebenwirkungen bisher in Grenzen halten und mit anderen, bekannter Impfungen vergleichbar: "Die häufigsten Nebenwirkungen sind Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie grippeähnliche Symptome", erklärt die sächsische Virologin Corinna Pietsch von der Uniklinik Leipzig.

Ihrer Auffassung nach sei jedoch auch richtig, dass Langzeitfolgen noch nicht absehbar sind. "Doch vom Aufbau der Impfstoffe her, ist nicht davon auszugehen." Patienten würden über alle Nebenwirkungen und Risiken auch vor der Impfung durch einen Arzt aufgeklärt werden, so Pietsch.

Dennoch haben viele Menschen Angst vor noch nicht absehbaren, gesundheitsschädigenden Nebenwirkungen. Angetrieben wird diese Furcht auch von vielen im Internet kursierenden Impfstoff-Mythen.

Wer beschafft den Impfstoff?

Die Beschaffung und Lieferung des Impfstoffes an die Bundesländer ist Sache des Bundes. Sachsen hat einen zentralen Ort im Freistaat für die Anlieferung des Impfstoffes genannt. Dort ist sichergestellt, dass die besonderen Anforderungen an die Lagerung, vor allem in Bezug auf die Kälte, eingehalten werden können.

Die Impfstofflieferung erfolgt in Teil-Chargen. Wenn die Impfdosen eintreffen, wird umgehend die Verteilung auf die Zentren erfolgen. Sachsen erhält am Anfang einen Anteil von etwa einer Million Impfdosen. Das reicht für 500.000 Menschen, da zwei Dosen pro Patient verabreicht werden müssen.

Wird es einen Impfstoff für Kinder gegen Corona geben?

Zunächst werden die Impfstoffe nur für Erwachsene zur Verfügung stehen, da sie laut Robert Koch-Instituts (RKI) bei Kindern und Jugendlichen noch nicht genügend auf Wirksamkeit und Sicherheit untersucht werden konnten.

Nach RKI-Angaben sei davon auszugehen, dass mit wirksamen Impfstoffen gegen Corona für Erwachsene, "die im Laufe der Zeit in ausreichender Menge für die Bevölkerung vorhanden sein werden, auch das Infektionsgeschehen insgesamt zurückgedrängt werden kann." Darüber könnten auch Kinder geschützt werden.

Bekommt man nach der Impfung einen Immunitätsausweis?

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Nach derzeitigem Stand soll es keinen Immunitätsausweis für geimpfte Menschen geben. "Jeder hat aber das Recht auf Dokumentation dieser Impfung und dass man das auch vorzeigen kann", meint Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Er könne sich nicht vorstellen, dass die geimpfte Bevölkerung dadurch in Deutschland gewisse "Vorteile" im Vergleich zu Nicht-Geimpften erhalte. "Wie das andere Staaten oder Unternehmen handhaben, darauf haben wir keinen Einfluss", so Kretschmer.

Zum Hören: Impfstoff-Proband im Podcast

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