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Ansturm auf Dresdner Friseure

Seit Montag darf wieder frisiert werden. Neben Blumen und Sekt von glücklichen Kunden gibt es auch Rätselraten über die Corona-Selbsttests der Friseure.

"Das volle Programm": Doreen Neumann ist froh, dass sie nach zweieinhalb Monaten Lockdown wieder Kunden empfangen darf.
"Das volle Programm": Doreen Neumann ist froh, dass sie nach zweieinhalb Monaten Lockdown wieder Kunden empfangen darf. © René Meinig

Dresden. Zwei Wochen regelmäßiger Telefondienst für die Terminvergaben haben sich ausgezahlt: Am Montag lief es im Tolkewitzer Salon von Doreen Neumann äußerst entspannt und diszipliniert an. Rund 18 Kunden wollten sie und ihre beiden Mitarbeiterinnen im Laufe des Tages bedienen. "Ich habe bei allen meinen Kundinnen das volle Programm mit Färben, schneiden, föhnen", sagt die 35-Jährige. "Darauf habe ich mich viele Wochen gefreut."

Räumlich hat Doreen Neumann einen großen Vorteil: Sie hat auf 100 Quadratmetern drei Zimmer, in denen getrennt gearbeitet werden kann. So können immer drei Kunden parallel bedient werden - wenn die Mitarbeiter denn zuvor auch negativ auf das Coronavirus getestet wurden.

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Die Tests müssen ab sofort wöchentlich erfolgen, auf den Kosten bleiben die Salonbetreiber sitzen. "Eine Kostenübernahme durch den Freistaat ist nicht vorgesehen", stellt das Sächsische Sozialministerium klar. Getestet werden kann in Testzentren, Apotheken oder beim Arzt. In Dresden gibt es mehrere Standorte, an denen der Schnelltest gemacht werden kann.

Eine andere Möglichkeit: Entsprechend geschultes Personal nimmt die Tests direkt im Salon vor. Wie viele Tests an diesem Montag positiv waren und wie viele Friseure sich in den Testcentern testen ließen, konnten weder Gesundheitsamt noch Sozialministerium sagen.

"Bewegen uns in einer Grauzone"

Doreen Neumann hat dafür selbst eine Schulung beim Deutschen Roten Kreuz absolviert. "Ich teste mich und meine Kolleginnen auf jeden Fall zweimal wöchentlich, da sind wir auf der sicheren Seite", sagt sie. 75 Tests hat sie dafür bereitliegen.

Gänzlich andere Erfahrungen hat dagegen Simone Wehnert vom Friseursalon "Haareszeiten" in Pieschen gemacht. Auch sie hat vergangene Woche einen anderthalbstündigen DRK-Lehrgang absolviert, um sich und ihre Mitarbeiter selbst testen zu können. Nun jedoch habe ihr die Apothekerin ihres Vertrauens offenbart, dass sie ihr keine Tests verkaufen dürfe. Das verbiete das Medizinabgabegesetz.

"Soll das jetzt wirklich so eine Luftnummer gewesen sein?", fragt die Friseur-Meisterin. "In jedem Fall bewegen wir uns hier in einer Grauzone, wo wir vorsichtig sein sollten." Am Mittwoch werde sie daher gemeinsam mit ihren Kolleginnen notgedrungen erneut das Test-Center in der Südvorstadt aufsuchen - was sie Zeit und Geld koste.

Was aber ist nun korrekt? Für Beatrice Kade, Chefin der Dresdner Friseur-Innung, ist die Sache klar: Friseure dürfen nach dem Lehrgang selbst testen und die Tests auch erwerben. Aus dem Sächsischen Sozialministerium heißt es dagegen auf SZ-Anfrage, der Erwerb von Tests sei "derzeit nur Personen mit einer medizinischen Qualifikation möglich". Der DRK-Kurs berechtige nicht dazu.

Folgetermine sind gefragt

Abgesehen von diesen Unklarheiten wären auch im Salon von Simone Wehnert am Montag viele lächelnde Gesichter zu sehen gewesen - wenn sie nicht hinter Masken versteckt gewesen wären. Die Öffnung der Salons ab diesem Montag setzt zusätzlich zu den nun verpflichtenden Schnelltests strenge Hygienekonzepte voraus. Einige der Regeln galten bereits im vergangenen Jahr.

So muss weiterhin der Abstand gewahrt werden, wodurch weniger Kunden gleichzeitig frisiert werden können. Die Terminvergabe ist vorerst nur telefonisch oder online möglich. Neu ist, dass im Geschäft eine OP- oder FFP2-Maske getragen werden muss.

"Trotzdem haben wir uns alle mega gefreut, dass wir endlich wieder starten durften", sagt Simon Wehnert. Pünktlich 8 Uhr kamen hier die ersten Kunden, die ihren Termin ursprünglich im Dezember vergangenen Jahres reserviert hatten.

Wie sehr Doreen Neumann aus Tolkewitz von ihren Kunden vermisst wurde, zeigten ihr einige am Eröffnungstag mit kleinen Geschenken. Blumen und Sekt waren keine Seltenheit. "Natürlich gab es am Telefon auch mal etwas Unverständnis, wenn ich jemandem nicht gleich einen Termin anbieten konnte. Aber am Ende haben alle Verständnis gezeigt", sagt die Friseurin. Am Montag wurden bereits fleißig Folgetermine ausgemacht, oft auch zwei. "Die Kunden sind immer noch in Sorge, dass wieder geschlossen werden muss."

Auch Im Director's Cut auf der Böhmischen Straße in der Neustadt gab es an diesem Montag einen großen Ansturm. "Wir sind für drei Wochen komplett ausgebucht", so Chef Christoph Steinigen. Es sei gut angelaufen und seine Mitarbeiter hätten ihr Handwerk nicht verlernt, erzählt er mit einem Schmunzeln. "Vor Dienstbeginn haben wir uns alle getestet und waren alle negativ." Auch Steinigen hatte zwei seiner Mitarbeiter zur DRK-Schulung geschickt.

Friseur Falk Döhler wollte am Montag bis Mitternacht im Salon stehen - und hat selbst noch keinen Friseurtermin.
Friseur Falk Döhler wollte am Montag bis Mitternacht im Salon stehen - und hat selbst noch keinen Friseurtermin. © Henry Berndt

Viele flotte Scheren also in Dresden - und nur wenige Scherereien? Beatrice Kade von der Friseur-Innung ist nicht nur zum Lachen zumute. "Einerseits freuen wir uns, dass es wieder losgeht und die Rückmeldungen aus den Salons war positiv. Doch wir fordern, dass die Regierung die Kosten für die Tests übernimmt, da sie diese ja schließlich eingeführt hat", sagt sie. Es könne nicht sein, dass die Saloninhaber dadurch zum Teil Kosten von 500 Euro zusätzlich in der Woche hätten. Und das, nachdem die Salons monatelang geschlossen waren.

Zumal die Friseure durch die neuen Regeln ohnehin weniger verdienen als vorher. "Pro Kunde und Friseur müssen 20 Quadratmeter Fläche da sein, kleine Salons können also zum Teil nur einen Kunden parallel bedienen", sagt Beatrice Kade.

Kunden warten im Auto

Mehr Platz hat Friseur Falk Döhler vom "Haar-Mode-Team" aus Kaditz. Bei ihm saßen am Montag die wartenden Kunde zeitweise draußen im Auto und wurde hereingewinkt, wenn sie an der Reihe waren. "Wir sind richtig ausgehungert, was das Haareschneiden angeht", sagt Döhler. Für seinen nächsten obligatorischen Corona-Test wird am Dienstag ein Mitarbeiter der Medic-Apotheke direkt in seinem Salon vorbeikommen. Die Apotheke betreut mehrere Dresdner Friseure und hat bereits keine weiteren Kapazitäten mehr.

Stefanie Naumann vom Friseur "Naumanns" in Striesen ließ es am ersten Tag noch ruhig angehen. Ganz entspannt empfing sie um 10 Uhr den ersten Kunden und blieb den ganzen Tag über mit ihnen allein im Salon. "Ich wollte erst einmal wieder reinkommen", sagt die 42-Jährige, die sich vor vier Jahren selbstständig gemacht hat. "Ein bisschen aufgeregt ist man nach so langer Pause ja schon." Am Dienstag würden dann aber ihre Kolleginnen dazustoßen. "Dann geht es hier erst so richtig los."

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