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Kochen, bis der Gürtel platzt

Der Wunsch, sich im Lockdown selbst mit gutem Essen zu verwöhnen, ist groß. Die Herausforderungen im Homeoffice sind es auch. Unsere Lockdown-Kolumne.

Wenn Essen das Leben im Lockdown bestimmt.
Wenn Essen das Leben im Lockdown bestimmt. © Barbara Bonisolli/Gräfe und Unzer/dpa

Dresden. Alle Wanderrouten der Umgebung sind vielfach abgelaufen, sämtliche Lieblingsfilme und -serien angeschaut, die Kniffelwürfel inzwischen fast abgeschliffen. Was bleibt jetzt noch angesichts länger geschlossener Theater, Kinos und Restaurants? Kreativität an Herd und Backofen!

Statt: Wo gehen wir am Wochenende essen, heißt es seit Monaten: Was kochen wir morgen? Im Frühjahr 2020 hatte das noch Charme. Im ersten Lockdown versüßte meine Tochter den Alltag im Home Office mit den raffiniertesten vegetarischen Gerichten. Selbstgemachte Pasta mit Grünem-Spargel-Pesto, gebackene Auberginen in Tomatencreme oder Muscheln in Knoblauch-Weißwein-Sud kamen auf die Teller. Das Kind hatte nichts zu tun und schon immer Freude am Kochen. Doch längst ist sie wieder am Studienort. Also selbst ran die Töpfe.

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Dabei ist es nicht so, dass ich meine Lieblingsgastronomen nicht unterstützen will. Beladen mit diversen Pappbehältern habe ich das schon mehrfach probiert. Zuerst haben wir die Speisen abgeholt. Zu Hause waren sie kalt, mikrowellenbehandelt auch nicht mehr so lecker. Das nächste Mal der Test im Auto. Zwar war das Essen warm, aber die räumliche Situation mit den Gerichten auf den Knien und extra Salatschälchen doch sehr angespannt. Dazu die Blicke der Passanten.

Also zurück an den Herd. Die Spannung steigt beim abendlichen Studium bei Chefkoch und ähnlichen Seiten: Was gibt das saisonale Gemüse für morgen her? Und dann die Enttäuschung im Laden, dass längst nicht alle Zutaten da sind. Selbst bestimmte Mehlsorten sind mittlerweile knapp geworden. Die Nation bäckt offenbar in großem Umfang.

Eigentlich hat das nur Vorteile. Der Mensch, der kocht und bäckt, weiß wieder genau, was er isst. Doch je länger der Lockdown, desto größer der Wunsch, sich mit etwas Besonderem zu belohnen. Was für den Einen der gefüllte Krustenbraten, ist für den Anderen die dreistöckige Torte. Mit jedem Tag wächst die Fingerfertigkeit. Und mit ihr der Taillenumfang.

Dabei merke ich mit Blick auf angespannte Gesichter, die teilweise lustlos auf den Tellern rumstochern, dass ich wohl doch noch nicht in der oberen Kochliga angekommen bin. Doch Zeit ist knapp, vor allem im Home Office. Denn wie soll ich gleichzeitig arbeiten, kochen, backen, Sport treiben und die Schulterübungen machen, die mir mein Orthopäde empfohlen hat? Da hilft nur ein Anruf beim Pizzalieferdienst.

An dieser Stelle schreiben Redakteure der Dresdner Stadtredaktionen aus ganz persönlicher Sicht über Gedanken, Beobachtungen und Erfahrungen aus dem Alltag im Lockdown.

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