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Corona: Dresden schickt Leichen nach Niedersachsen

Das Krematorium in Tolkewitz ist völlig überlastet. Deshalb werden die Corona-Toten nun anderswo verbrannt - auch für die Lagerung reicht der Platz nicht.

Die Kapazitäten im Krematorium in Dresden-Tolkewitz reichen nicht mehr aus.
Die Kapazitäten im Krematorium in Dresden-Tolkewitz reichen nicht mehr aus. © dpa-Zentralbild

Dresden. Das Dresdner Friedhofs- und Bestattungswesen muss mehr Platz schaffen. Die Kapazitäten reichen wegen der Übersterblichkeit aufgrund des Coronavirus nicht mehr aus. Das Krematorium kommt auch mit dem Einäschern nicht mehr hinterher. Leichen werden nun in andere Bundesländer gebracht, um sie dort zu verbrennen.

Als "angespannt" bezeichnet die für das Bestattungswesen zuständige Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) die Situation im Dresdner Krematorium. "In der ersten Woche des neuen Jahres mussten wir so viele Verstorbene aufnehmen wie noch nie zuvor."

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Nur noch bis 29. Januar zu ersteigern: Voll erschlossene Grundstücke mit Strandzugang, nur 45 Fahrminuten von Dresden entfernt.

Täglich erreichen die Mitarbeiter weiterhin etwa doppelt so viele Verstorbene als sonst zu dieser Jahreszeit üblich. "Von den mehr als 500 Verstorbenen, die Bestatter in der vergangenen Woche zu uns brachten, können wir im Moment etwa die Hälfte hier in Dresden einäschern", beschreibt Jähnigen die dramatische Situation.

Kühlhallen sind fast ausgeschöpft

Deshalb hat Dresden Verträge mit Krematorien in Thüringen und Niedersachsen geschlossen, die Dresdner Verstorbene annehmen und einäschern. "Ich bin froh, dass wir Partner gefunden haben, die uns noch mit ihren Kapazitäten unterstützen können", so Jähnigen.

Der logistische Aufwand sei dafür aber enorm. "Pietät und Respekt vor den Verstorbenen und deren Angehörigen gebieten es uns, die Wartezeit bis zur Einäscherung so kurz wie möglich zu halten", erläutert die Bürgermeisterin. "Trotz dieser Anstrengungen wächst die Anzahl der Verstorbenen weiter an, die bisher nicht eingeäschert werden konnten."

Das führt zum nächsten Problem. Kühlhallen und kühle Räumen, um die Leichen zu lagern, sind nahezu ausgeschöpft. "Daher müssen wir die Kapazitäten nun erneut erweitern", so Jähnigen. "Wie schon in anderen sächsischen Städten müssen wir dafür ein Gebäude außerhalb der städtischen Friedhöfe nutzen."

Deshalb wird eine neu gebaute Halle nun umgenutzt. Auf dem Gelände des Straßen- und Tiefbauamtes an der Lohrmannstraße wird nun eine Halle genutzt, in der eigentlich mobile Hochwasserschutzelementen gelagert werden. "Die Elemente werden zwischenzeitlich anderweitig gelagert", erklärt Jähnigen. "Der sofortige Zugriff im Hochwasserfall bleibt bestehen."

Für die Lagerung von Corona-Toten wird eine neu gebaute Halle auf dem Gelände des Straßen- und Tiefbauamtes an der Lohrmannstraße genutzt, in der eigentlich mobile Hochwasserschutzelementen gelagert werden.
Für die Lagerung von Corona-Toten wird eine neu gebaute Halle auf dem Gelände des Straßen- und Tiefbauamtes an der Lohrmannstraße genutzt, in der eigentlich mobile Hochwasserschutzelementen gelagert werden. © Jürgen Männel

Das Gesundheitsamt erlaubt die Nutzung zunächst befristet bis Mitte Februar, weil der Betrieb als Kühlhalle auch draußen Kälte voraussetzt. "Zugleich arbeiten wir an einem kühlbaren Standort, falls sich die Lage bis zum Frühjahr nicht entspannen sollte", erklärt die Bürgermeisterin.

"Ich habe mir vergangene Woche selbst ein Bild von der Situation und der Arbeit im Krematorium, aber auch von anderen Bereichen des Bestattungswesens gemacht", sagt Jähnigen. "Ich habe den allerhöchsten Respekt vor der für die Kolleginnen und Kollegen sehr harten und belastenden Arbeit, die sie mittlerweile an mindestens sechs Tagen pro Woche verrichten. Ihnen gebührt mein ausdrücklicher Dank."

Alle Dresdner könnten dazu beitragen, sie zu entlasten, indem die Hygieneanforderungen erfüllt und persönliche Treffen vermieden werden - und sich so alle gegenseitig schützen.

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

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