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Pirna

Pirna: Frauentag in Corona-Zeiten

Der 8. März kann nicht wie sonst begangen werden. Soll will das Begegnungszentrum der Pandemie und dem Tag gerecht werden.

Schaufenster statt Kundgebung und Feier: Pirnas Frauen machen auf das aufmerksam, was sie verbindet und wofür sie kämpfen.
Schaufenster statt Kundgebung und Feier: Pirnas Frauen machen auf das aufmerksam, was sie verbindet und wofür sie kämpfen. © privat

Frauentag ist mehr als Blumen und Pralinen. Das war so, als er vor 110 Jahren entstand, das ging aber zwischendurch etwas verloren und ist nun wieder umso aktueller. Frauentag in Corona-Zeiten macht die Belange von Frauen noch einmal stärker deutlich, sagt Christina Riesbesecker von der AG Asylsuchende Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und dem Internationen Begegnungszentrum auf der Langen Straße in Pirna.

In den vergangenen Jahren wurde hier der Frauentag hier gemeinsam vorbereitet und dann mit Aktionen in der Stadt und einem Fest gefeiert. Die Kundgebung wäre vielleicht noch möglich gewesen, doch ohne das gemeinsame Vorbereiten. Weil das aber dazu gehört, wurde beides abgesagt. Eigentlich ein Widerspruch zu den gerade wieder deutlich werdenden Problemen. "Die Frauen sind stärker als ohnehin schon betroffen", meint Christina Riesbesecker. Sie seien die, die sich zu Hause um alles kümmern und noch besonders in systemrelevanten Berufen arbeiten würden.

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Das alles werde wie selbstverständlich angesehen. "Und es wird noch schlimmer", sagt Christina Riesbesecker. Schlimmer, weil die Aufgaben schwerer und die Lasten in der Gesellschaft ungerechter verteilt werden. Genau deshalb ist ein Frauentag wichtig. Eine kleine Alternative zu Veranstaltungen ist jetzt die Gestaltung eines Schaufensters in der Pirnaer Innenstadt. Es richtet sich in großen Buchstaben an die "Frauen dieser Welt". Die Frauen dieser Welt sind es auch, die sonst in Pirna den Tag gemeinsam vorbereitet und gefeiert haben und die diesmal schreiben, was sie bewegt.

Was Pirnaer Frauen zum Frauentag 2021 bewegt

Mariami, Anwältin und Frauenrechtlerin aus Georgien, wohnt in Pirna:

Wir Frauen kämpfen für unsere Familie, unsere Kinder und unsere Partner. Genauso stark sollten wir für uns selber sein. Für unser Leben und unsere Bedürfnisse und Wünsche kämpfen. Wir müssen lernen, jede Sekunde unseres Lebens zu nutzen. Wir müssen jetzt in diesem Moment für uns selbst da sein. Mehr Selbstvertrauen.

Wardeh, Bundesfreiwilligendienstleistende aus Pirna:

Ich wünsche mir mehr Wertschätzung für Frauen und dass Frauen lernen, auch mal Nein zu sagen. Das müssen wir erst noch lernen. Es braucht Zeit, Mut und Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung.

Marianne, ehrenamtliche Mitarbeiterin IBZ Pirna, AG Asylsuchende:

Der Internationale Frauentag ist für mich seit Jahrzehnten ein wichtiger Tag, um für die Selbstbestimmung von Frauen und gegen Gewalt gegen Frauen und Kinder zu kämpfen. Es ist und bleibt auch in Zukunft wichtig, weltweit auf die Situation von Frauen aufmerksam zu machen und ein Zeichen für Gleichberechtigung und gegen Unterdrückung zu setzen, insbesondere in dieser schwierigen Zeit der Pandemie.

Neamat K., Altenpflegerin in Ausbildung aus Pirna:

Ich erzähle euch von der Situation der Frauen im Libanon. Im Libanon dürfen sich die Frauen nicht scheiden lassen. Die Kinder dürfen nicht den Familiennamen der Mutter übernehmen, die Väter suchen die Vornamen aus. Die Kinder erhalten immer nur die Staatsbürgerschaft der Väter. Viele Frauen dürfen nicht alleine wohnen und keine eigenen Entscheidungen treffen, zum Beispiel zur Wohnsituation oder zum Autokauf. Wir müssen noch viel tun. Männer müssen sich auch bewegen und sich mit uns verändern.

Christina, Projektleiterin IBZ Pirna, AG Asylsuchende:

Am 8. März geht es um die Solidarität aller Frauen. Wir Frauen leben in unterschiedlichen Situationen, haben unterschiedliche Probleme, führen unterschiedliche Kämpfe. Aber heute wollen wir füreinander gemeinsam einstehen. Wir Frauen dürfen uns nicht trennen lassen, wir dürfen nicht glauben, wir leben im Westen im gleichberechtigten Paradies und müssen anderen Frauen Selbstbewusstsein beibringen.

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Weil die Pandemie das Internationale Begegnungszentrum in Pirna zu einem geschlossenen Zentrum gemacht hat, wurden die Aktionen auf andere Ebenen verlagert. So gibt es das Sprachkaffee und die Sportstunde online. In dringenden Angelegenheit erfolgt eine direkte Beratung, sagt Christine Riesbesecker. Auch werden Corona-Verordnungen in Sprachen der Zuwanderer übersetzt.

Nach Absprache stehen auch Tisch, Drucker und Computer zur Verfügung für diejenigen, die einfach mal Ruhe zum Arbeiten oder die entsprechende Technik brauchen. Viele Familien stoßen bei Homeschooling einfach an die technischen Grenzen, sagt Christine Riesbesecker. Und auch bei vielen anderen ist die Euphorie der Videokonferenzen inzwischen merklich abgeflaut. Sie hofft nun, nach Ostern wieder wirkliche Begegnungen im Begegnungszentrum ermöglichen zu können. "Wir warten darauf, uns mit wirklich gutem Gefühl wieder treffen zu können."

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