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So fühlt sich Covid-19 an

Erkältet, Asthma und dann auch noch infiziert und Quarantäne: Wie eine Heidenauer Familie das erlebt und überstanden hat.

Niemand kam rein, niemand durfte raus: So war es bei Familie Plachta 14 Tage lang.
Niemand kam rein, niemand durfte raus: So war es bei Familie Plachta 14 Tage lang. © Symbolfoto: ZB

Von jetzt auf gleich sind alle Nachrichten und Ängste ganz nah. Da ist Corona nicht mehr die tägliche Statistik, sondern betrifft einen plötzlich selbst. Für Familie Plachta wurde der Ernst der Lage 14 Tage zum Lebensbegleiter. 

Es begann an einem Montag. Die Tochter arbeitet in der Altenpflege, war erkältet und hat ihren Vier-Stunden-Dienst noch geleistet. Am Dienstag wurde es schlimmer, und sie ging zu ihrem Hausarzt. Der schickte sie, nachdem er eine Vermutung hatte, zum Corona-Test.  Es begann die Zeit des Wartens und der Ungewissheit. Der Hausarzt informiert bei einem positiven Test, also dem Nachweis der Corona-Viren, das Gesundheitsamt. Das wiederum meldet sich bei dem Patienten. 

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Am Donnerstag lag das positive Ergebnis vor, doch erst am Sonnabend meldete sich das Gesundheitsamt bei der Tochter von Mandy Plachta und ordnete offiziell die Quarantäne für die Familie an. Die Plachtas waren verantwortungsbewusst und schon zu Hause geblieben. Dann kam der Anruf: Infiziert und die ganze Familie mit den Kontaktpersonen in Quarantäne. Gleichzeitig musste die Familie zum Test. Der Test war bei den übrigen Familienmitgliedern negativ.  Die Quarantäne blieb trotzdem. Welche Konsequenzen das Testergebnis für die Arbeitsstelle der Tochter hatte, erfuhren sie nicht.

Gesundheitsamt kommt nicht hinterher

Die Chefs waren über den Ausfall nicht sehr begeistert. Die Arbeitgeber brauchen die Quarantäne-Bestätigung, auch um das Geld für den Mitarbeiter von der Landesdirektion für den Ausfall erstattet zu bekommen. Der Chef des Lebensgefährten von Mandy Plachta machte schon Druck, ihm das Geld zu stoppen. Auf die schriftliche Bestätigung warten die Plachtas noch immer. "Ich mache niemandem einen Vorwurf, nicht dem Gesundheitsamt, nicht dem Chef, sie kommen einfach alle nicht hinterher." Diese persönliche Betroffenheit, diese Abhängigkeit machen deutlich, wie das ganze System an der Belastungsgrenze ist. Und immer wieder dieses Warten. Auf Informationen, auf Auskunft, auf das Ende der 14 Tage und darauf, dass keine Komplikationen auftreten. 

Ein bisschen aufeinander Rücksicht nehmen, kann doch nicht so schwer sein, sagt Mandy Plachta. "Mir fällt doch kein Zacken aus der Krone, wenn ich die Maske trage", sagt sie. Und doch schützt es nicht absolut. Auch das ist eine Erfahrung aus diesen 14 Tagen. 

"Corona gibt's also doch"

Zu der Sorge und Angst um die Gesundheit kam mit jedem Tag der bei allen wachsende psychische Druck. Die Sorge, jemanden angesteckt zu haben, einen Fehler zu machen. Und die gesellschaftliche Auseinandersetzung. Als Mandy Plachta sich einmal auf Facebook äußerte, sei sie gleich niedergemacht worden. Die erste Reaktion ihres  Lebensgefährten, der Corona und all die Maßnahmen auch kritisch sah, war: "Corona gibt's also doch." Ihre Tochter sagte einmal zu ihr: "Ich fühle mich, als ob ich die Pest habe." 

Alle gingen bei dem schönen Wetter spazieren, den Plachtas blieb nur ihr Balkon.
Alle gingen bei dem schönen Wetter spazieren, den Plachtas blieb nur ihr Balkon. ©  Symbolfoto: dpa

Ein paar Tage ging es, doch dann waren die Fenster geputzt und es wurde nervig. Konflikte sind nicht auszuschließen, wenn man ohne die Chance, sich mal aus dem Weg zu gehen, so zusammen ist. Alle gingen bei schönem Wetter spazieren, den Plachtas blieb nur der Balkon. Und plötzlich waren da die vielen Fragen. Von den kleinen, wie der Alltag zu organisieren ist, bis zu den quälenden, ob man vielleicht jemanden angesteckt hat. "Wir haben uns übelst Gedanken gemacht", sagt Mandy Plachta. 

Als chronisch Kranke sind sie und ihre Tochter zudem Risikopatienten. Wenn ihre Tochter mit der Atemnot rang, war es für die Mutter besonders schlimm. Zwei Tage überlegte sie, den Notarzt zu rufen. Die Tochter hat viel geschlafen, fühlte sich dennoch schlaff. Als es langsam besser wurde, waren alle froh, dass es doch noch glimpflich ausging. "Wir hätten jederzeit unseren Hausarzt anrufen können", sagt Mandy Plachta. Das war eine große Hilfe.

Unterstützung vom Hausarzt

Den Fernseher haben sie ausgeschaltet, wenn etwas über Corona kam. Stattdessen haben sie einen Essenplan gemacht, was sie sonst nie machen. Aber sonst kann man ja auch einfach einkaufen, wonach einem ist. Das Einkaufen übernahm eine liebe Freundin der Plachtas, die im Haus wohnt. Am Anfang hatte Mandy Plachta noch den Einkaufszettel mit dem Geld in einen Briefumschlag gesteckt und ihn mit  Spucke zugeklebt. "Dann wurde mir klar, dass das auch nicht geht." Die Familie fühlte sich streckenweise überfordert mit all dem, was sie zu beachten hatte. Die Hilfe und Begleitung, die sie und andere in dieser Situation bräuchten, kann das Gesundheitsamt nicht leisten. Auch nicht der Hausarzt, der sich sehr um die Familie kümmerte. 

Quarantäne ist vorbei, Corona nicht

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Die Plachtas haben es überstanden. Gesundheitlich, nervlich. Das Erste, was sie am Tag nach der Quarantäne machten, war einkaufen gehen. Am Montag waren sie wieder auf Arbeit. "Die Arbeiterwohlfahrt ist ein guter und verständnisvoller Arbeitgeber", sagt sie, "und hat sich sogar nach dem Wohlbefinden erkundigt." Anders als bei ihrem Lebensgefährten. Dem wurde erneut mit Lohnzahlungsstopp gedroht, weil die Quarantäne-Bescheinigung vom Gesundheitsamt noch immer nicht vorliegt. Auch wenn die Quarantäne für sie beendet ist, Corona ist es nicht, noch lange nicht.

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