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Corona: Impfauftakt und Abbruch

Die Arztpraxis Preusche/Öhlschläger in Schmiedeberg ist eine der Pilotpraxen für die Impfung beim Hausarzt. Kaum lief die Aktion an, war sie schon wieder gestoppt.

Susann Rettberg impft in der Schmiedeberger Arztpraxis Preusche/Öhlschläger Wolfgang Thomas. Der Obercarsdorfer erwartet sich davon Sicherheit gegen eine Infektion und die Möglichkeit, zu reisen.
Susann Rettberg impft in der Schmiedeberger Arztpraxis Preusche/Öhlschläger Wolfgang Thomas. Der Obercarsdorfer erwartet sich davon Sicherheit gegen eine Infektion und die Möglichkeit, zu reisen. © Karl-Ludwig Oberthür

Am Montagmittag stand die komplette Praxis von Dr. Andreas Preusche und Dr. Annelie Öhlschläger im Dippser Ortsteil Schmiedeberg eineinhalb Stunden nur für Corona-Schutzimpfungen zur Verfügung. Die beiden Mediziner sind eine der 39 Pilotpraxen für die Impfung durch Hausärzte in Sachsen und die einzige im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Doch schon am Montagnachmittag wurde alles wieder gestoppt. Denn in den Arztpraxen in Sachsen wurde das Impfserum von Astrazeneca gespritzt - und der Freistaat stoppte wie die gesamte Bundesrepublik die Impfung mit dem Serum des britisch-schwedischen Unternehmens, nachdem sich bei einigen Geimpften Hirn-Blutgerinnsel gebildet hatten. Jetzt soll erst untersucht werden, ob es einen Zusammenhang mit den Impfungen gibt.

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Andreas Preusche hatte kurz nach 16.30 Uhr die offizielle Mitteilung darüber bekommen. "Wir müssen jetzt über 100 Patienten anrufen, von denen wir teilweise nicht einmal die Telefonnummer haben", sagt er. Wann die Impfkampagne fortgesetzt wird, weiß er auch nicht. Dabei sah es um die Mittagszeit noch gut aus für das Vorhaben.

„Das Telefon ging pausenlos“, berichtete Annelie Öhlschläger. Schnell waren alle Termine bis Mittwoch voll. Die meisten Interessenten kommen aus der Umgebung von Schmiedeberg, vereinzelt welche von weiter her bis aus Freital. Es wäre jetzt besonders ärgerlich, wenn jemand umsonst einen weiten Weg macht.

Premiere mit Ministerin und öffentlichem Interesse

So eine Impfpremiere ist schon etwas Besonderes. Bevor es richtig losging, gab es einen offiziellen Termin. Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) kam nach Schmiedeberg und hat sich erkundigt, wie die Arztpraxis vorbereitet ist. Mehrere Journalisten mit Filmkameras und Fotoapparaten dokumentierten den Impfstart.

Wilfried Brosig aus Oberfrauendorf war der erste Patient, der die Spritze gesetzt bekam. Er ging den Weg durch die Praxis, der seit Tagen genau geplant war. Erst musste er zur Anmeldung. Die Schwester prüfte, ob er überhaupt an der Reihe ist. Wer zu früh war, musste im Wartezimmer Platz nehmen – mit viel Abstand. Nur jeder zweite Stuhl durfte belegt werden. Schließlich rief ihn der Arzt zum Aufklärungsgespräch.

Impflinge haben Fragen über Fragen

„Die Gespräche sind jetzt anspruchsvoller, weil es so viele Meldungen über Impfprobleme gibt“, stellte Andreas Preusche schon vor der Absage fest. Eine Fülle von Fragen strömte auf den Arzt ein: Wie verträglich ist die Impfung? Bin ich jetzt geschützt? Kann ich jetzt meine schwangere Tochter besuchen? Kann ich noch jemanden infizieren? Ist es wieder möglich, zu reisen?

„Da sind auch Fragen, für die wir eine politische Antwort brauchen. Es muss eine Zukunftsperspektive geben, wenn jemand geimpft ist“, sagte Preusche. Er erkundigte sich bei den Patienten noch nach eventuellen Symptomen einer bestehenden Erkrankung, warnte, dass bis zur zweiten Corona-Impfung keine andere Impfung erlaubt ist, und gab die Impfung frei.

Also ging es ins nächste Zimmer. Schwester Susann Rettberg fragte Wilfried Brosig: „Sind Sie Linkshänder oder Rechtshänder?“ Der 71-Jährige ist Linkshänder, also half ihm die Schwester, den rechten Arm freizumachen. Sie nahm die Spritze, setzte sie an den Oberarm, drückte und der Impfstoff war im Muskel. So etwas ist Routine in der Praxis. Brosig hatte kaum etwas gespürt. Susann Rettberg half ihm, seinen Pullover wieder überzuziehen und begleitete ihn ins Nachbarzimmer.

Hoffen auf Reisefreiheit mit den Kindern

Dort kam er in die Obhut von Louis Grieser. Jeder Impfling musste noch 15 Minuten bleiben und beobachtet werden, ob sich irgendwelche Folgen zeigen. Grieser ist Medizinstudent und bekommt ein Hausarztstipendium. Er verpflichtet sich also, nach dem Examen sechs Jahre in einer Allgemeinarztpraxis zu arbeiten. Dazu gehört auch, dass der Dresdner während der Ausbildung 24 Tage im Jahr in einer Patenpraxis mitarbeitet. Die seine ist in Schmiedeberg.

Wolfgang Thomas aus Obercarsdorf kam später an die Reihe. Der 77-Jährige hat einen besonderen Grund, sich impfen zu lassen. Er hat zwei Jungs, die ans Gymnasium gehen. „Die Gefahr ist groß, dass die, ohne es selbst zu bemerken, aus der Schule etwas mitbringen. Da will ich sicher sein.“ Zudem ist die Mutter der Jungs eine Thailänderin. Und er will mit den beiden auch wieder in das Land reisen. Die Chancen stehen mit Impfung erheblich besser.

400 Impfdosen stehen in Schmiedeberg bereit

Andere sind einfach vorsichtig. Hannelore Zimmermann aus Schmiedeberg sagte: „Ich hab's mit dem Herzen. Nun hoffe ich, dass es hilft, damit ich gesund bleibe.“ Ähnlich ist die Motivation von Herbert Reichel aus Hennersdorf: „Ich mache das einfach zur Vorbeugung.“

Louis Grieser beobachtete die Frischgeimpften, klärte mit ihnen noch einmal, ob alles klar ist, ob sie ihren zweiten Impftermin schon haben. Wenn die vorgeschriebene Wartezeit um war, entließ er sie durch eine separate Tür.

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