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Corona kommt Jägern in die Quere

Im Herbst und Winter wurden bislang 500 Rehe, Schwarz- und Rotwild im Forstbezirk Neustadt erlegt - weniger als üblich. Jetzt sorgt ein neuer Virus für Probleme.

Kerstin Rödiger vom Forstbezirk Neustadt nach einer Drückjagd im Liebethaler Wald bei Lohmen.
Kerstin Rödiger vom Forstbezirk Neustadt nach einer Drückjagd im Liebethaler Wald bei Lohmen. © Archivfoto: Steffen Unger

Die Saison der Gesellschaftsjagden im Forstbezirk Neustadt ist beendet. Bei den sogenannten Drückjagden, die in den Herbst- und Wintermonaten stattfinden, wurden insgesamt 500 Stück Wild erlegt, teilt Sprecherin Kerstin Rödiger mit. Darunter waren 250 Rehe, 200 Stück Schwarzwild und 40 Stück Rotwild. Seit Oktober letzten Jahres fanden in den elf Revieren des Neustädter Forstbezirkes insgesamt 35 solcher Jagden statt.

Die Bilanz, die Forstbezirksleiter Uwe Borrmeister zieht, ist zwar positiv. Dennoch hätte man das gesteckte Ziel in dieser Saison nicht erreichen können. Das hängt vor allem mit der Corona-Pandemie zusammen. Um die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, waren große Gesellschaftsjagden in dieser Saison nicht erlaubt.

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In Kleinstgruppen auf der Jagd

Gejagt wurde trotzdem. Allerdings nur in Kleinstgruppen und unter strengen Hygieneauflagen. "Der Infektionsschutz genoss absoluten Vorrang", erklärt Borrmeister. Die Jäger trafen sich nur, um eingewiesen und an die Stände gebracht zu werden. Auf alle anderen Treffen wurde komplett verzichtet. Diese strengeren Corona-Regeln haben sich am Ende auf die Jagdbilanz niedergeschlagen.

Nicht nur Corona stellte die Jäger vor enorme Herausforderungen. Auch ein anderer Virus beschäftigt die Branche derzeit - die Afrikanischen Schweinepest. Damit sich dieser Virus nicht weiter ausbreitet, müsse der Forstbezirk Neustadt die Wildschweinbestände dringend reduzieren. „Wie beim Corona-Virus müssen auch bei der Afrikanischen Schweinepest Kontakte reduziert werden - nur eben zwischen Wildschweinen“, erklärt Uwe Borrmeister. Deshalb habe man bereits in den vergangenen Jahren verstärkt Schwarzwild bejagt - vor allem mithilfe von sogenannten Bewegungs- oder Drückjagden.

Jagd beim Sachsenforst nach Plan

Diese laufen anders ab, als wenn ein Jäger allein auf die Pirsch geht. Dabei stapfen meist Hunde und Jagdhelfer lärmend durchs Gelände, um die Tiere aus ihrer Deckung und vor die Gewehre der Jäger zu zwingen, die auf das Wild warten. Daran beteiligen dürfen sich nur Jäger, die mindestens ein Schießtraining im Jahr absolviert haben.

Im Gebiet des Sachsenforstes wird nach langfristigen Plänen gejagt. „Um Wälder vor übermäßigen Wildschäden zu schützen und gesunde Wildbestände zu erhalten, müssen insbesondere Schalenwildarten wie Rot- und Rehwild bejagt werden“, erläutert der Leiter des Neustädter Forstbezirkes. Die Intensität sei dabei unterschiedlich. Ziel seien die Entwicklung klimastabiler Mischwälder und die Wiederbewaldung nach den massiven Waldschäden der vergangenen Jahre.

Hohe Nachfrage trotz Gastro-Lockdown

Der Sachsenforst hat in den vergangenen Jahren im Schnitt etwa vierhundert Tonnen Wildbret vermarktet. Auch das erlegte Wild aus dem Forstbezirk Neustadt wird an Gastronomen verkauft oder direkt vermarktet. „Das Wildbret, das bei unseren Bewegungsjagden gewonnen wird, ist ein hochwertiges Qualitätsprodukt, das vollkommen natürlich ohne Antibiotika in Wald und Flur gewachsen ist“, sagt Borrmeister. Es wird an Fleischereien, Gastwirte oder auch direkt an Verbraucher verkauft. Die Nachfrage bei den Gaststätten hat situationsbedingt zwar deutlich abgenommen, ist aber insgesamt hoch. Der Verkauf laufe deshalb gut.

Die Saison der größeren Jagden ist mit dem Beginn der Schonzeit für Reh- und Rotwild am 1. Februar zu Ende gegangen. Das Jagdjahr dauert derweil noch bis Ende März an. Bis dahin werden vor allem Wildschweine bei der Einzeljagd erlegt.

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