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Corona-Beschränkungen im Sport: „Es ist ein Hin und Her“

Die Stimmung in den Vereinen ist aufgeheizt, sagt Kreissportbund-Geschäftsführer Dietmar Wagner. Er bietet den Klubs Hilfe an.

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Erhält mit seinem Team fast täglich Anfragen rund um Corona: KSB-Geschäftsführer Dietmar Wagner.
Erhält mit seinem Team fast täglich Anfragen rund um Corona: KSB-Geschäftsführer Dietmar Wagner. © Archiv: Andreas Weihs

Pirna. Seit mehr als 21 Jahren ist Dietmar Wagner Geschäftsführer des Kreissportbundes. Im Juli 2000 begann er beim KSB in Pirna, später übernahm er auch im vereinigten Landkreis die Leitung. Mit aktuell mehr als 41.800 Mitgliedern ist der KSB die größte Bürgerorganisation in der Region Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Die Corona-Pandemie stellt Wagner und seine Mitarbeiter dabei weiterhin vor große Herausforderungen. Im SZ-Gespräch nimmt er Stellung zu den aktuellen Problemen.

Herr Wagner, wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?

Es geht uns den Umständen entsprechend gut. Ich spiele aber sonst jede Woche Tennis und Fußball, gehe auch in die Sauna. Dieser körperliche Ausgleich fehlt mir nun durch die Verbote sehr.

Vor etwas mehr als einem Jahr sprachen Sie mit Blick auf Corona von einer „bisher nicht da gewesenen Herausforderung“. Wird diesmal alles noch schwieriger?

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Das kann man wohl so sagen. Die Stimmung in den Vereinen ist sehr aufgeheizt. Viele Leute verstehen doch längst nicht mehr, was eigentlich gerade im Sport erlaubt ist und was nicht. Es ist ein Hin und Her. In etlichen Vereinen herrschen Unverständnis und eine große Verunsicherung. Das merken wir an den fast täglichen Anfragen rund um Corona. Die Verordnungstexte sind in der Regel kompliziert und lassen zu oft Spielraum für falsche Interpretationen. Man hat teilweise auch den Eindruck, dass selbst dort, wo die Entscheidungen für die Einschränkungen getroffen werden, sowie auch dort, wo sie umgesetzt werden sollen, bestimmte Gesetze heute so und morgen so ausgelegt werden.

Im Nachwuchssport wurde erneut eine Altersgrenze gezogen. Wer über 16 Jahre alt ist, darf nicht mehr trainieren. Was sagen Sie dazu?

Es ist gut, dass zumindest die meisten Kinder und Jugendliche weiter trainieren dürfen. Die jetzige Altersgrenze erscheint aber nicht nur mir willkürlich gewählt. Sie ist schwer nachvollziehbar. Zumal die Altersgrenze schon verschoben wurde, mal waren Kinder unter 14 Jahren gemeint, jetzt jene unter 16. Warum dürfen nicht alle Kinder und Jugendliche Sport in ihrem Verein treiben? Warum setzt man die Altersgrenze nicht hoch auf 18 Jahre? Hier schließen wir uns der Forderung des Landessportbundes Sachsen absolut an.

Welche Forderungen hat der KSB noch an die Politik?

Der Sport im Verein ist nicht nur ein privates Vergnügen, er hat auch eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Das muss mehr Berücksichtigung finden in den Plänen der Politik zur Pandemiebekämpfung. Darüber hinaus müssen die Regeln für die vielen ehrenamtlich Engagierten in den Vereinen klarer und besser nachvollziehbar sein. Und die Sportvereine brauchen vor allem eine Perspektive vonseiten der Politik, wie es in den kommenden Monaten weitergehen kann.

Gibt es Erhebungen, wie viele Mitglieder die Vereine aufgrund der Corona-Pandemie schon verloren haben?

Nein, konkrete Aussagen zur Mitgliederentwicklung lassen sich frühestens Ende Januar 2022 machen. Dann endet die Online-Bestandsmeldung der Vereine in Sachsen. Die Vereinsstatistiken können seit dem 1. Dezember von den Vereinen via Internet aktualisiert werden. Ich denke aber, dass sich der Negativtrend des Vorjahres sicherlich fortsetzt. 2020 wurde in ganz Sachsen ein Mitgliederschwund verzeichnet. Bei unseren Mitgliedsvereinen war es zum Beispiel ein Minus von rund 1.300 Sportlerinnen und Sportlern. Das war der erste Rückgang seit der Fusion der Kreissportbünde von Sächsischer Schweiz und Weißeritzkreis im Jahr 2008.

Musste der KSB bereits Veranstaltungen für 2022 absagen?

Nein, für das kommende Jahr mussten wir noch keine Veranstaltung absagen. Wir haben sie jedoch teils zeitlich nach hinten verschoben. So wird zum Beispiel der Kreissporttag des KSB in Pirna erst am 3. Mai 2022 durchgeführt. Die gemeinsam mit der SZ veranstaltete Sportgala mit der Ehrung der Sportler des Jahres 2020/21 wird auch nicht wie sonst Anfang April, sondern erst am 1. Juli 2022 stattfinden. In diesem November haben wir allerdings die Veranstaltung „Ehrenamtspreis im Sport 2021“ verschieben müssen. Sie soll nun am 10. März 2022 über die Bühne gehen. Außerdem planen wir erst einmal wie sonst auch. Viele unserer Vereine tun das ebenfalls – trotz der coronabedingten Unsicherheiten. Das zeigen die Rückmeldungen für den neuen Sportkalender, der Anfang Januar wieder kostenfrei erhältlich sein wird.

Lassen sich bereits die wirtschaftlichen Folgen für die Mitgliedsvereine abschätzen?

Leider gibt es aufgrund der Corona-Lage bei fast allen Vereinen negative Folgen. Durch Mitgliederaustritte oder gestundete Mitgliedschaften fallen Einnahmen aus. Zugleich sind laufende Kosten, also Betriebskosten zum Beispiel, weiterhin zu zahlen. Und bei der Beantragung von Soforthilfen bestehen große Hürden für Vereine. Ehrenamtlich tätige Vereinsmitglieder können diese oft nur schwer überwinden.

Inwieweit kann der KSB die Vereine unterstützen, beispielsweise bei der Beantragung von Fördermitteln?

Wir unterstützen Vereine, wo es uns möglich ist. Wir sind beispielsweise im Gespräch mit Kommunen und mit dem Landkreis, was die Kosten für die Nutzung von Schwimmhallen und Sporthallen betrifft – wie vor Kurzem hier in Pirna, mit der Folge, dass Verträge geändert wurden und den Vereinen eben keine Kosten berechnet werden für die Zeit, wenn sie die Hallen nicht nutzen können. Darüber hinaus finden weiterhin Beratungen zu Fördermöglichkeiten und Soforthilfen statt. Und praktisch täglich werden bei uns Vereinsvertreter über die aktuellen, mitunter komplizierten, pandemiebedingten Regeln für den Sport informiert.

Das Gespräch führten Jürgen Schwarz und Stephan Klingbeil.