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Corona: Pirnas Händler atmen auf

Einkaufen ist nun wieder ohne Test, Nachweis und Termin möglich. Die Freude darüber ist groß. Gleichwohl gibt es einen Wermutstropfen.

Ronny Sick in seinem Modellbahnladen in Pirna-Copitz: Das Hauptgeschäft im Lockdown lief bislang über den Online-Versand.
Ronny Sick in seinem Modellbahnladen in Pirna-Copitz: Das Hauptgeschäft im Lockdown lief bislang über den Online-Versand. © Archiv: Norbert Millauer

Die Pirnaer Innenstadt lag in den zurückliegenden Monaten oft da wie ausgestorben. Geschäfte und Lokale waren geschlossen, kaum einer lief durch die Straßen. Das Zentrum glich an vielen Tagen einer Geisterstadt. Corona-Pandemie und Lockdown hatten alles fest im Griff.

"Es fehlte nur noch, dass wie in einem Western-Film die Strohballen über die Straße wehen", sagt Simone Klockow, Inhaberin des Geschäfts "Klimm-Bamm-Borium" auf der Jacobäerstraße, "und jemand den Song 'Spiel mir das Lied vom Tod' anstimmt."

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Doch passend zum einsetzenden Sommer ist es vorbei mit der Ödnis, die Menschen fluten wieder - wenn auch noch zaghaft - die Innenstadt.

Der 14. Juni ist Tag eins nach dem Lockdown, an dem Einkaufen wieder ohne Test, Impfnachweis oder Termin möglich ist. Zwar gilt in den Geschäften noch Maskenpflicht, auch die Kundenzahl ist vielerorts beschränkt. Doch das fällt angesichts der neuen Lockerheit im Einzelhandel nicht mehr allzu sehr ins Gewicht.

Endlich wieder Leben in der Stadt

Das Einkaufsleben normalisiert sich, Pirnas Händler atmen auf. Überall sind Erleichterung und Aufbruchstimmung zu spüren.

"Es ist endlich wieder Leben in der Stadt", sagt Simone Klockow, "die Stille in den vergangenen Wochen war ja kaum auszuhalten." Nun sei es allein schon schön, das Gemurmel der Menschen auf der Straße zu hören.

Zwar schauten in den zurückliegenden Wochen vereinzelt Kunden vorbei, doch Tests und Nachweispflicht schreckten viele ab. "Dass es jetzt ohne geht, erleichtert und entspannt die Arbeit ungemein", sagt Simone Klockow.

Nun kommen potenzielle Käufer auch wieder einfach mal so in den Laden. Viele freuen sich, dass die Inhaberin trotz der langen verordneten Schließzeit durchgehalten hat.

Hinzu kommt, dass auch die Gaststätten wieder geöffnet sind. "So beleben sich Handel und Gastronomie gegenseitig", sagt Simone Klockow. In ihren Worten schwingt große Hoffnung mit, dass alles auf Dauer so bleibt und nicht eine vierte Welle alles zunichtemacht.

Doch eine Kundin versprüht gleich wieder Optimismus. "Ach was", sagt sie, "da kommt keine vierte Welle mehr."

Simone Klockow vom "Klimm-Bamm-Borium", hier bei der Einkaufsnacht 2020: Es ist schön, dass Gemurmel der Passanten wieder zu hören.
Simone Klockow vom "Klimm-Bamm-Borium", hier bei der Einkaufsnacht 2020: Es ist schön, dass Gemurmel der Passanten wieder zu hören. © Archiv: Daniel Förster

Kunden können wieder spontan einkaufen

Auch bei Katrin Seifert-Delank ist die Anspannung der letzten Wochen gewichen. "Endlich ist Einkaufen wieder spontan möglich", sagt die Inhaberin des Geschäfts "Crazy Curvy" auf der Schössergasse.

Test- und Nachweispflicht hätten bislang viele Kunden von einem Besuch im Laden abgehalten. Über den Wegfall sei sie nun sehr erleichtert. Schon gleich nach Ladenöffnung am Montag kamen die ersten Spontan-Kunden, Katrin Seifert-Delank gönnte sich ihren Morgen-Kaffee erst nach 11 Uhr. "Doch das nehme ich gern in Kauf. Hauptsache das Geschäft läuft wieder", sagt sie.

Während der Schließzeit hielt sie sich mit ihrem Online-Shop über Wasser, das half, den Lockdown einigermaßen zu überstehen. "Aber viele wollen ja in den Laden kommen, um sich beraten zu lassen", sagt Katrin Seifert-Delank, "das hat echt gefehlt."

Sie freut sich auch sehr, dass zunehmend Touristen in die Stadt kommen, auch sie bringen Umsatz. "Das ist ein ordentliches Zubrot und hilft wirtschaften", sagt die Geschäftsfrau.

Sie hofft nun, dass nach all den Lockerungen jetzt die zum Teil drastisch gestiegenen Parkgebühren oder die fehlenden öffentlichen Abfallbehälter nicht allzu viele von einem Einkaufsbummel in der Innenstadt abhalten.

Große Nachfrage nach SZ-Leserreisen

Auch im DDV-Lokal, sozusagen der neue Treffpunkt der Sächsischen Zeitung, zieht wieder verstärkt Leben ein. Der Laden war kürzlich aus dem Haus Schössergasse 3 ausgezogen. Am 1. Juni eröffnete er neu in der früheren Pluspunkt-Apotheke an der Dohnaischen Straße.

"Das war in letzter Zeit schon nervig, die Kunden ständig nach Tests oder Impfnachweisen zu fragen", sagt Mitarbeiterin Ulrike Krause. Ohne diesen Zwang sei nun alles einfacher.

Im Laden gibt es alles rund um die Sächsische Zeitung, dazu ausgesuchte Angebote sächsischer Manufakturen, künftig sind in den Räumen auch Kulturveranstaltungen oder Kochkurse geplant.

Unterdessen läuft schon jetzt ein wichtiges Geschäft wieder an: der Verkauf von Veranstaltungstickets - zwar noch etwas verhalten, aber immerhin.

Was ebenfalls Fahrt aufnimmt, ist das Reisegeschäft. "SZ-Leserreisen sind derzeit stark nachgefragt", sagt Ulrike Krause, "hoch im Kurs steht vor allem Urlaub in Deutschland."

Neues DDV-Lokal an der Dohnaischen Straße, Mitarbeiterin Ulrike Krause: Das Reisegeschäft der Sächsischen Zeitung und der Ticketverkauf nehmen wieder Fahrt auf.
Neues DDV-Lokal an der Dohnaischen Straße, Mitarbeiterin Ulrike Krause: Das Reisegeschäft der Sächsischen Zeitung und der Ticketverkauf nehmen wieder Fahrt auf. © Thomas Möckel

Einige Geschäfte sind verwaist

Doch längst nicht an allen Stellen läuft es so rund. Corona hat auch in der Innenstadt Spuren hinterlassen.

Fisch- und Käseladen auf der Schössergasse stehen leer, auch noch weitere Läden. Der Schmuckladen "Glasperlenspiel" auf der Barbiergasse hat dicht gemacht, auch das "Café Central" schräg gegenüber ist noch verwaist. An der Schaufensterscheibe steht der Spruch: "Wir kommen wieder! Wann??? Wenn wir wieder für alle arbeiten dürfen."

Und im vietnamesischen Textil-Laden auf der Schuhgasse läuft der Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe. Ob die Pandemie der Auslöser dafür ist, ist nicht bekannt.

Auch die früheren Filialen von Rossmann und "Ernsting's Family" auf der Dohnaischen Straße stehen noch immer leer, seitdem die Geschäfte im vergangenen Jahr ins neue Scheunenhofcenter zogen. Ebenso gibt es auf der Schmiedestraße einige leere Schaufenster.

Hoffen auf Touristen

Gleichwohl blüht auch abseits der Innenstadt der Einzelhandel wieder richtig auf. "Die Arbeit wird für uns jetzt einfacher, da wir die Kunden nicht mehr wegen der Tests und Nachweise kontrollieren müssen", sagt Ronny Sick, Inhaber des Modelleisenbahnladens "Pirnaer Lokschuppen" an der Hauptstraße in Copitz.

Dennoch fällt die Neuregelung jetzt gar nicht so sehr ins Gewicht. Zu seiner Klientel gehören viele ältere Stammkunden, die sich bislang kaum von einem Besuch abschrecken ließen - und beflissentlich Negativ-Test oder Impf-Nachweis mit in den Laden brachten, seit das Einkaufen generell wieder möglich war.

Weil aber das Geschäft - wie die meisten anderen auch - in den ersten Wochen des Lockdowns komplett schließen musste, lief das Hauptgeschäft noch bis weit ins Frühjahr hinein über den Online-Shop.

Jetzt ebbt der Kundenstrom üblicherweise sowieso etwas ab, bei vielen herrscht im Sommer Hobby-Flaute. Ronny Sick setzt daher verstärkt auf die Touristen, die jetzt wieder kommen dürfen, weil auch sie häufig bei ihm einkaufen.

Generell hofft auch er, dass das uneingeschränkte Einkaufen nun von Dauer ist und eine vierte Pandemie-Welle ausbleibt. "So eine Schließzeit kann man mal kurz durchhalten, wenn das Unternehmen wirtschaftlich gesund ist", sagt er, "kommt aber noch ein Lockdown, dann wird es wirklich eng."

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