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Was bedeuten die Corona-Grenzwerte?

Steigt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, können Landkreise und Städte die Regeln verschärfen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Der Erzgebirgskreis war das erste Risikogebiet in Sachsen.
Der Erzgebirgskreis war das erste Risikogebiet in Sachsen. © Jürgen Lösel

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigen in Sachsen. Bereits seit dem Sommer gilt ein Vier-Stufen-Plan des Sozial- und Gesundheitsministeriums, mit dem die Ausbreitung des Virus verhindert werden soll. Ausschlaggebend dafür, ob das öffentliche Leben wieder eingeschränkt wird, ist die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen innerhalb einer Woche auf 100.00 Einwohner gerechnet. Nach der aktuellen Corona-Verordnung sind die lokalen Behörden dafür zuständig, verschärfende Maßnahmen zu ergreifen, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. Was die einzelnen Grenzwerte bedeuten.

Stufe 2: Ab 20 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner

Bis 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen gilt Stufe 1 – ohne Maßnahmen. Eine erste Schwelle gibt es, wenn der Grenzwert auf mehr als 20 steigt. Großveranstaltungen sind dann untersagt. Die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen ist auf unter 1.000 begrenzt. Das gilt auch, wenn die Veranstaltung bereits genehmigt war. 

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In Dresden musste deswegen kürzlich ein Konzert in der Jungen Garde abgesagt werden. Auch Dynamo Dresden hatte seine Zuschauerzahl auf 999 begrenzt. Weihnachtsmärkte sind nicht verboten. Allerdings muss der Veranstalter Kontakt zum Gesundheitsamt aufnehmen, das Schutzmaßnahmen anordnen kann – etwa eine Pflicht, Kontaktdaten in Speisebereichen zu erheben.

Stufe 3: Ab 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner

Spätestens bei 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen sind Beschränkungen Pflicht. Dazu zählt vor allem, dass in Betrieben, Sportstätten, Gastronomie, Hotels und bei Demonstrationen Kontaktdaten aufgenommen werden. Besucher müssen Name, Telefonnummer oder E-Mail-Adresse und den Zeitraum des Besuchs angeben. Auch die Schließung von Gemeinschaftseinrichtungen und die Sperrung von Plätzen sind möglich.

Im Landkreis Bautzen wurden Hochzeiten, Geburtstage, Trauerfeiern und Jubiläumsfeiern in Gaststätten oder in gemieteten Räumen auf maximal 75 Personen beschränkt. Private Treffen in den eigenen vier Wänden sind auf 50 Personen beschränkt. Das Landratsamt betonte in der Allgemeinverfügung vom Sonnabend, dass vor allem Familienfeiern in den letzten Wochen „maßgeblich zum Infektionsgeschehen beigetragen haben“. 

Auch die Landkreise Mittelsachsen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge haben in dieser Woche ebenfalls Beschränkungen erlassen. Unter anderem dürfen Familienfeiern in Gaststätten nur noch mit maximal 50 Personen stattfinden. Das Landratsamt Pirna hat am Dienstag außerdem eine Maskenpflicht für öffentliche Gebäude und eine Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr angeordnet.

Stufe 4: Ab 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner

Wird dieser Grenzwert überschritten, gilt die Region als Risikogebiet. Ab dieser Zahl der Neuinfektionen geht man davon aus, dass es für die Behörden schwierig wird, die Nachverfolgung der Infektionsketten zu schaffen. Da derzeit das öffentliche Leben nicht stillstehe – wie etwa im Frühjahr – habe jeder Infizierte im Schnitt 15 Kontaktpersonen, sagte Frank Vogel, der Landrat des Erzgebirgskreises. 

Für die Gesundheitsämter ist das ein immenser Aufwand. „Wir müssen schnell und zuverlässig Kontaktpersonen identifizieren, damit Infektionsketten unterbrochen werden können und sich das Ganze nicht zur Lawine entwickelt“, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Montag in Görlitz.

Steigt die Zahl der Neuinfektionen über 50 pro 100.000 Einwohner, muss ein überregionales Infektionsgeschehen verhindert werden, heißt es in Paragraf 7 der aktuellen Corona-Verordnung. Im Erzgebirgskreis, im Landkreis Zwickau und im Landkreis Görlitz gelten derzeit Kontaktbeschränkungen, eine Teilnehmer-Obergrenze für private Feiern zu Hause und in Gaststätten sowie die Beschränkung auf einen Angehörigen pro Tag bei Besuchen in Alten- und Pflegeheimen. 

In diesen Regionen sind nur noch Treffen zweier Hausstände oder mit maximal fünf Personen erlaubt. In Chemnitz sind Veranstaltungen im öffentlichen Raum verboten, Feiern privat oder in Gaststätten sind künftig nur noch mit bis zu zehn Personen erlaubt. In Pflegeheimen gilt Besuchsverbot. Sportveranstaltungen dürfen nur ohne Publikum stattfinden. Für Gaststätten gibt es ab Mittwoch von 22 Uhr bis 5 Uhr eine Sperrstunde, teilt die Stadt mit. Liegt die Zahl der Neuinfektionen mehr als sieben Tage unter der Schwelle, können die Einschränkungen wieder zurückgenommen werden.

Sachsen will einheitliche Regeln für alle Landkreise und Städte

In der neuen Corona-Schutzverordnung, die voraussichtlich am Donnerstag beschlossen werden soll, sind neue Maßnahmen vorgesehen. Ziel ist es, die Einschränkungen bei steigenden Infektionszahlen sachsenweit zu vereinheitlichen. Darauf haben sich Kretschmer und Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) in der vergangenen Woche bei einem Treffen mit den Landkreisen und Oberbürgermeistern verständigt. 

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In Zukunft sind sachsenweit ab 35 Neuinfektionen pro 100.000 innerhalb einer Woche nur noch maximal 25 Personen bei privaten Feiern erlaubt. In der Gastronomie wird es eine Sperrstunde ab 23 Uhr geben. Bei einer Wocheninzidenz über 50 ist die Teilnehmerzahl bei Feiern auf zehn begrenzt, die Sperrstunde beginnt bereits um 22 Uhr.

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