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So starten Dresdens Schulen am Montag

Ab dem 15. März geht es für die Schüler ab Klasse 5 wieder los. In die Vorfreude mischen sich Sorgen und Frust. Wie der Unterricht organisiert wird.

Am Montag übernehmen geschulte Teams die Schnelltests bei Dresdner Schülern und Lehrern. Noch sind die Tests aber freiwillig.
Am Montag übernehmen geschulte Teams die Schnelltests bei Dresdner Schülern und Lehrern. Noch sind die Tests aber freiwillig. © Symbolbild: Claudia Hübschmann

Dresden. Auch jene Schüler, die das Schulhaus sonst lieber von außen sehen, dürften sich jetzt darauf freuen, dass ab kommendem Montag der Präsenzunterricht wieder startet. Während Dresdens Grundschüler schon seit Mitte Februar wieder die Schulbänke drücken, mussten Gymnasiasten, Ober- und Berufsschüler bis zu diesem Freitag daheim ihre Aufgaben erledigen.

Die wichtigsten Fakten zum Schulalltag, wie Wissenslücken geschlossen werden sollen und was gegen die Ausbreitung des Coronavirus in den Klassenzimmern getan wird.

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Wie wird der Unterricht organisiert?

Für beide Standorte des Dreikönigsgymnasium wird der Unterricht ab Montag im Wechselmodell aufgenommen, gewechselt wird wochenweise. Schulleiter Karsten Jonas betont in einem Statement auf der Schul-Homepage, der Übergang von der häuslichen Lernzeit wieder zurück in die Schule müsse berücksichtigen, dass die Schüler unterschiedlich gut zu Hause klargekommen sind. Seine Lehrer sollen die Zeit bis zu den Osterferien vorrangig für Reflexion und Nachbereitung nutzen, die Lehrplanerfüllung und das Nachholen von Tests seien erst mal nachrangig.

Auch Jens Reichel, Leiter vom Gymnasium Bürgerwiese, und Beatrice Wünsche, Leiterin der 36. Oberschule in Löbtau wollen die ersten beiden Wochen vor den Osterferien dafür nutzen, um die Schüler wieder ankommen zu lassen. "Es sind ja pro Kind nur fünf Tage in der Schule", so Reichel. Während Reichel auf den täglichen Wechsel von A- und B-Gruppen setzt, lässt Beatrice Wünsche im 2-3-Prinzip wechseln. Das heißt, ein Teil der Schüler kommt in der ersten Woche zwei Tage, der andere drei Tage, in der nächsten Woche ist es andersherum.

Leistungskontrollen wird es erst einmal nicht geben. Zudem soll zunächst ermittelt werden, welcher Schüler auf welchem Wissensstand ist, so Reichel und Wünsche.

Wie gehen Schulen mit dem unterschiedlichen Lernniveau der Schüler um?

Da wird es deutliche Unterschiede geben, sagt Jens Reichel. "Wir rechnen mit einem sehr differenzierten Bild von Leistungsständen je nach Alter und Fachrichtung." Deshalb sei man auch beim Thema Nachhilfe gut vorbereitet. Sobald die Lehrer melden, welchen Bedarf es gibt, werden am Gymnasium Bürgerwiese selbst Nachhilfekurse organisiert, auch online über externe Partner.

Auch das Team der 36. Oberschule ist darauf vorbereitet. "Nach den Osterferien starten wir mit zusätzlichen Förderangeboten für alle Klassenstufen und hoffen so, dass wir die entstandenen Bildungslücken Schritt für Schritt kompensieren können." Das betrifft vordergründig die Hauptfächer.

Gilt eine Maskenpflicht und wie wird getestet?

Erst sollte es ab Montag eine Testpflicht für Schüler und Lehrer geben, die kommt nun doch wahrscheinlich erst ab dem 22. März, weil nicht genügend Tests da sind. "Wie auch bei den Schulöffnungen der Abschlussklassen und Förderschulen stehen am Montag an allen Schulen ausreichend Schnelltests ab Klasse 7 zur Verfügung", betont indes Petra Nikolov, Sprecherin des Landesamtes für Bildung (Lasub). Dennoch: Die Tests sind zunächst freiwillig. Das heißt, auch wer sich nicht testen lassen will, kann am Präsenzunterricht teilnehmen.

Eine Pflicht für den regelmäßigen Corona-Schnelltest gibt es erst, wenn der Schule Selbsttests in ausreichender Anzahl zur Verfügung gestellt werden. Schülern wird der Test einmal pro Woche, Lehrkräften und anderem Schulpersonal zweimal pro Woche angeboten.

Diese Tests werden durch geschultes Personal und vor Ort an den Schulen durchgeführt. Am Gymnasium Bürgerwiese übernimmt das die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), das sei professionell vorbereitet, so Schulleiter Reichel. Zudem müsse überall dort, wo der Abstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann, von Schülern und Lehrern eine medizinische Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden.

An der 36. Oberschule kommen am Montag die Maltester mit einem Testteam in die Schule, um die Schnelltests durchzuführen. Eine Maskenpflicht besteht auf dem gesamten Schulgelände sowie im Schulgebäude. Im Unterrichtsraum, am eigenen Sitzplatz, kann die Maske abgenommen werden, erklärt Wünsche.

Um die Verfügbarkeit der Schnelltests am St.-Benno-Gymnasium von Montag an abzusichern, hat die Schule mit Unterstützung der Schulabteilung des Bischöflichen Ordinariats für die erste Schulwoche in Eigeninitiative Schnelltests organisiert.

Seitdem die Grundschulen wieder geöffnet sind, steigt die Zahl der Corona-Infektionen und damit verbundenen Quarantäne-Anordnungen in den Einrichtungen. Im Zeitraum vom 25. Februar bis 11. März gab es 88 Corona-Fälle bei Dresdner Schülern und 21 bei Lehrern, wie das Lasub mitteilt. Am Freitag sind knapp 800 Schüler und Lehrer an 24 Schulen in Quarantäne, weil sie als Kontaktpersonen zu einem Infizierten ermittelt wurden.

Wie bewerten Dresdner Politiker die Lage?

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Dana Frohwieser ist angesichts der verschobenen Testpflicht an den Schulen verärgert und kritisiert Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) scharf. "Grandiose Leistung, Herr Kultusminister. Jetzt ist das Chaos komplett perfekt. Mir tun die Schulleiter sehr leid, die den Eltern gerade mitteilen, dass sie keine Selbsttests am Montag haben", ärgert sich SPD-Bildungsexpertin Dana Frohwieser.

Sie fragt sich, warum eine Schulöffnung unter der Voraussetzung einer Testpflicht angekündigt wurde, die jetzt so nicht realisiert werden kann. "Ziel muss schließlich sein, dass die Schulen jetzt schnellstmöglich, aber vor allem nachhaltig öffnen können und nicht in einer Woche wieder zu sind, weil die Infektionszahlen zu sehr ansteigen."

Matthias Dietze, CDU-Bildungsexperte und selbst Lehrer, sieht die Schulöffnung am Montag als wichtigen Schritt in der Bildung der Dresdner Kinder. "Unsere Schüler haben zur Absicherung des Lernstandes den Präsenzunterricht bitter nötig." Es sei auch der einzige Weg, jene Schüler wieder einzufangen, die sich im Moment unter dem pädagogischen Radar bewegten.

Dennoch müsse der Einstieg in den Präsenzunterricht sensibel gestaltet werden. "Ich appelliere an alle Lehrer, unseren Schülern einen herzlichen Empfang zu bereiten, Zeit zum Ankommen zu geben und nicht gleich mit der Notengebung zu überfahren."

Was sagt der Schülerrat zum bevorstehenden Schulstart?

Joanna Kesicka, Landesvorsitzende des Landesschülerrates Sachsen, ist enttäuscht, dass die Tests nun nicht wie zuerst angekündigt ab Montag zu Verfügung stehen. "Wir appellieren aber trotzdem an alle Schüler, sich freiwillig testen zu lassen, um möglichst sicher in die Schule zu starten", sagt sie. Die meisten Schüler würden sich wieder freuen auf den Präsenzunterricht, doch auch die Sorge über die hohen Infektionszahlen sei in den Köpfen.

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