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Corona-Ausbruch in Dresdner Flüchtlingsheim

Im Oktober infizierte sich die erste Frau in der Asylunterkunft. Jetzt wird klar, wie viele Menschen sich infiziert haben.

In der Erstaufnahmeeinrichtung an der Bremer Straße in Dresden gibt es zwei bestätigte Covid-19-Infektionen. Die gesamte Einrichtung wurde daraufhin geschlossen.
In der Erstaufnahmeeinrichtung an der Bremer Straße in Dresden gibt es zwei bestätigte Covid-19-Infektionen. Die gesamte Einrichtung wurde daraufhin geschlossen. © Sven Ellger

Dresden. Die Corona-Infektionszahlen in Dresden steigen. Betroffen ist auch die Asylunterkunft an der Bremer Straße. Mitte Oktober  wurden dort zwei Fälle bestätigt. Doch das Ausmaß ist deutlich größer.

"Insgesamt gab es in den Dresdner Aufnahmeeinrichtungen 30 positiv auf Corona getestete Personen - 11 in der Hamburger Straße und 19 in der Bremer Straße", sagt Holm Felber, Sprecher der Landesdirektion Sachsen.

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Die Positivfälle und ihre etwaigen Kontaktpersonen - in Summe 44 Menschen- werden in einem abgetrennten Teil der Einrichtung am Hammerweg isoliert.  Sechs Personen konnten bereits in die Erstaufnahmeeinrichtung an der Hamburger Straße zurückkehren.

Fünf der noch in Quarantäne befindlichen Personen weisen leichte Symptome auf, alle anderen seien symptomfrei, so die Landesdirektion. Für die Quarantänefälle ist immer ein Betreuer vor Ort, so dass auf Anliegen wie Besorgungen oder medizinische Bedarfe reagiert werden könne, so Felber. Die Versorgung mit Lebensmitteln erfolge wie für alle anderen Asylbewerber - auch hier unter strikten Hygienevorkehrungen.

"Lager entwickeln sich rasant schnell zu Infektionsherden. In allen anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wird für das Einschränken von Kontakten plädiert, und gleichzeitig sperrt man rund 170 Personen in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Bremer Straße auf engstem Raum ein", kritisiert Mark Gärtner vom Flüchtlingsrat. Er sei empört, dass die Quarantäne im Lager in Dresden nun nochmal verlängert wurde. Wenn die Landesregierung es mit dem Infektionsschutz ernst meine, müssten die Personen endlich dezentral untergebracht werden- in Wohnungen, in Hotels. "Es ist der einzige effektive und menschenwürdige Weg, um weitere Infektionen zu verhindern", so Gärtner.


Frau hatte sich mit Fieber gemeldet

Zuerst hatte sich Mitte Oktober eine Frau mit Fieber und weiteren Symptomen beim MedPoint der Einrichtung gemeldet, so die Landesdirektion Sachsen. Ein Test fiel am 16. Oktober positiv aus. Am 17. Oktober teilte das Gesundheitsamt mit, dass eine der Kontaktpersonen ebenfalls positiv getestet wurde. 

Da die Kontaktnachverfolgung noch nicht abgeschlossen war, hatte das Gesundheitsamt als Vorsorgemaßnahme die gesamte Einrichtung vorläufig geschlossen und die Absonderung angeordnet. Das bedeutete, dass die Bewohner die Einrichtung vorläufig nicht verlassen und keinen Besuch empfangen durften.

Das Gesundheitsamt verteidigte auf SZ-Anfrage, dass die komplette Einrichtung, in der aktuell knapp 200 Menschen untergebracht sind, abgeschottet wird. Wer zu welchem Zeitpunkt zu wem Kontakt hatte, sei nicht zweifelsfrei zuordenbar, so die Behörde. 

In der Asylunterkunft auf der Bremer Straße gilt bis Ende Oktober Quarantäne für alle Bewohner.
In der Asylunterkunft auf der Bremer Straße gilt bis Ende Oktober Quarantäne für alle Bewohner. © Sven Ellger

"Bewohner von Sammelunterkünften sind besonders infektionsgefährdet – das hatte das Robert-Koch-Institut schon im August 2020 herausgefunden", erklärte die Linke-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel.

Sie fordert, dass die Erstaufnahmeeinrichtungen jetzt leergezogen und die Menschen in kommunale Unterkünfte und Wohnungen verteilt werden, zuerst Familien mit Kindern sowie Schutzbedürftige wie erkrankte und ältere Menschen. 

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Mitte September gab es einen Fall in der Erstaufnahmeeinrichtung auf der Hamburger Straße. Das bestätigte die Landesdirektion auf Anfrage der SZ. Der Betroffene war in Quarantäne in der Einrichtung am Hammerweg. Drei weitere Kontaktpersonen waren dort mit isoliert.

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