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Wie Döbelner Veranstalter der Krise trotzen

Sven Zarske verdient sich mit Veranstaltungen seinen Lebensunterhalt. Aber wie geht das in der Corona-Pandemie?

Im Rahmen der „Night of Light“ vom 22. auf den 23. Juni 2020 wurde auch das Theater in Döbeln rot beleuchtet. Eine ähnliche Aktion plant nun der Roßweiner Unternehmer Sven Zarske.
Im Rahmen der „Night of Light“ vom 22. auf den 23. Juni 2020 wurde auch das Theater in Döbeln rot beleuchtet. Eine ähnliche Aktion plant nun der Roßweiner Unternehmer Sven Zarske. © Lars Halbauer

Region Döbeln. Der „Corona-Schock“, er kam an einem Freitag im März: Sven Zarske und sein Team waren gerade dabei, Stände für die Internationale Tourismusmesse (ITB) in Berlin aufzubauen. Da brach die Pandemie über Deutschland herein. Am Freitag wurde die Messe abgesagt. Die Stände mussten wieder abgebaut werden. Der Beginn einer Zeit voller Ungewissheit, vor allem für die, die in der Veranstaltungsbranche tätig sind, wie Sven Zarske.

Seit 1991 gibt es seine Firma, die LTT Professional mit Sitz in Seifersdorf bei Roßwein. Zarske hat sie als Dienstleistungsunternehmen für Bühnen- und Messebau sowie zur Vermietung von Veranstaltungstechnik gegründet. Seitdem betreut er mit seinem Team, derzeit zwei Mitarbeiter, deutschlandweit Kunden aus Wirtschaft, Wissenschaft und Tourismus im Bereich Messebau. 

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Mit Bühnenbau und Veranstaltungstechnik ist die Firma vor allem in Mitteldeutschland aktiv. Hier gebe es enge Beziehungen zu Städten wie Döbeln, Rochlitz oder Zschopau, sowie zu Vereinen wie dem Mittelsächsischen Kultursommer oder Unternehmen wie den Stadtwerken Döbeln, die sich in der Kulturszene engagieren.

Umsätze sanken während erstem Lockdown auf Null

„Das Coronavirus hat unsere Kultur und somit meine Geschäftstätigkeit zum Erliegen gebracht“, sagt Zarske. Veranstaltungen und Messen seien innerhalb weniger Tage bis Ende September behördlich abgesagt worden. „Die Umsätze fielen in den Monaten April bis Juli 2020 quasi auf Null“, sagt der Seifersdorfer. 

Im August konnte er zumindest wieder etwas aufatmen. Kleinere Veranstaltungen wurden wieder erlaubt, unter bestimmten Voraussetzungen sowie unter Einhaltung der Abstandsregeln. 

Doch um sich über Wasser zu halten, reicht das lange nicht aus. Daher hat Zarske sich umorientiert. „Neben der Vermietung von Bühnen- und Veranstaltungstechnik sind wir aktuell zur Auslastung der Lkw noch zusätzlich im Transportgewerbe tätig“, erzählt der Unternehmer. Seine zwei Mitarbeiter seien in Kurzarbeit.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

In den vergangenen Monaten habe er sich viele Gedanken darüber gemacht, wie Veranstaltungen in Corona-Zeiten durchgeführt werden können und, trotz der Einhaltung der Bestimmungen, noch wirtschaftlich sind. „Viele Veranstaltungsformate sind schlichtweg verboten oder nicht mehr durchführbar. Andere wiederum müssen aufgrund der sich permanent ändernden Regelungen und Vorschriften neu durchdacht werden“, erklärt Zarske.

Doch der Wunsch, wieder etwas zu unternehmen, Veranstaltungen anzubieten, sei vor allem bei den kommunalen Kunden groß. „Eine Menge an Personen aus der regionalen Kultur- und Kreativszene möchte wieder aktiv tätig sein und sich künstlerisch und gesellschaftlich engagieren.“

2.500 Euro für "Meine Heimatstadt bei Nacht"

Zur Night of Light vom 22. auf den 23. Juni machten viele Kulturschaffende europaweit mit rot beleuchteten Gebäuden wie zum Beispiel den Theatern auf ihre Situation aufmerksam. Zarske spürte, dass das Interesse an der Aktion auch bei Kommunen, Vereinen und den Menschen vor Ort großes Interesse hervorrief. Daraufhin entwarf er das Konzept „Meine Heimatstadt bei Nacht“.

Sein Ziel dabei ist es, in einer Nacht gemeinsam mit hiesigen Städten historische oder für die Orte wichtige Gebäude zu beleuchten und damit den regionalen Künstlern und Vereinen eine „Bühne“ bieten. „Eine Stadt in Mittelsachsen ist bereits von meinem Konzept überzeugt und an der Durchführung einer solchen Veranstaltung interessiert“, sagt Zarske. Verraten, wer dies ist, kann und will er jedoch nicht.

Das Projekt hat auch die Jury des Wettbewerbes „Denkzeit Event“ überzeugt, an dem der Roßweiner sich mit seinem Entwurf beteiligt hat. Hinter dem Wettbewerb steckt das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus. Jenes hatte dazu aufgerufen, Konzepte für Veranstaltungen zu entwickeln, die auch unter Corona-Bedingungen durchgeführt werden können. 

Dafür stellte das Ministerium insgesamt 1,5 Millionen Euro bereit. Für die einzelnen Projekte gab es zwischen 1.000 und 50.000 Euro. Fast 160 Veranstalter sind jetzt ausgezeichnet worden. Darunter auch Sven Zarske. 

Seinen Gewinn von 2.500 Euro will der Roßweiner in die Planung und Kundenakquise für sein Projekt „Meine Heimatstadt bei Nacht“ einsetzen. Doch Zarske ist nicht der Einzige aus dem Altkreis, der auf den Wettbewerb aufmerksam geworden ist.

Döbelner plant Grillwettbewerb

Auch der Döbelner Unternehmer Michael Köhler ist dem Aufruf des Ministeriums gefolgt. Auch er ist von der Krise hart getroffen worden und hofft nun auf die Weihnachtsmärkte. Für 86 Feste und Feiern hatte der Geschäftsführer der Döbelner Getränke Vertriebs GmbH feste Zusagen für dieses Jahr. Durchgeführt worden seien bisher lediglich mehr als zehn. „Die Quote geht also gegen Null“, meint Köhler. 

Zu den Weihnachtsmärkten hat er noch keine Zusagen. Er hofft, dass wenigstens die kleinen Städte an ihren Märkten festhalten. Und wenn, dass dann auch Glühwein ausgeschenkt werden darf. „Das macht doch das Flair erst aus“, sagt Köhler.

Auch er hat sich den Kopf zerbrochen, wie er als Getränkevertrieb in Zukunft mit Corona leben kann. Entstanden ist dabei das Konzept „Family-Grill-Masters“. Die Idee dahinter ist, dass verschiedene Teams an identischen Grills im Wettbewerb gegeneinander antreten und das Grillergebnis schließlich von einer Jury bewertet wird. 

Die Idee überzeugte die Jury des Wettbewerbes ebenso. Köhler bekamt dafür sogar ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro. „Der Betrag wird ins Equipment fliesen“, sagt er. Reichen wird es jedoch nicht. „Wir hatten schon auf die 50.000 Euro gehofft“, gibt er zu.

Über ebenfalls 5.000 Euro freute sich der Ehrenberger Förderkreis Centro Arte Monte Onore. Das Geld gab es für geplanten Kulturbegegungen im Park.

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