SZ + Döbeln
Merken

Döbeln: „Dann muss ich überlegen, ob ich schließe“

Bereits jetzt gilt in fast allen öffentlichen Bereichen in Sachsen die 2G-Regel. Was würde eine weitere Verschärfung für die Gastronomie bedeuten?

Von Frank Korn
 4 Min.
Teilen
Folgen
Ein Schild an der Tür eines Geschäfts weist auf die 2G-Plus-Regel hin. Die sächsische Regierung prüft derzeit die generelle Ausweitung dieses Modells auf die Gastronomie.
Ein Schild an der Tür eines Geschäfts weist auf die 2G-Plus-Regel hin. Die sächsische Regierung prüft derzeit die generelle Ausweitung dieses Modells auf die Gastronomie. © dpa

Region Döbeln. Die 2G-Plus-Regel – Zutritt nur für Geimpfte und Genesene, die außerdem noch einen tagesaktuellen Corona-Test vorweisen müssen – gilt jetzt schon in einigen Bereichen. So zum Beispiel beim Besuch in Alten- und Pflegeheimen oder bei Veranstaltungen.

In anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen wird auch in der Gastronomie schon auf dieses Modell gesetzt. In Sachsen soll für die Gastronomie eine Hotspot-Regelung eingeführt werden: Ab einer Inzidenz über 1.500 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner sollen die Gastronomie-Betriebe schließen müssen.

Im Übrigen sollen für diese Branche die bisherigen Regelungen (2G) und Einschränkung der Öffnungszeiten beibehalten werden. Doch auch eine 2G-Plus-Regel ist noch nicht vom Tisch. Die neue Verordnung soll am 10. Dezember 2021 vom Kabinett beschlossen werden.

Kundenzustrom hat sich halbiert

Für viele Gaststätten und Restaurants in der Region würde 2G-Plus noch mehr Ungewissheit bedeuten. „Bereits mit der Einführung der 2G-Regel hat sich der Kundenzustrom halbiert“, sagt Lukas Grolp vom Hotel Stadt Leipzig in Roßwein. Er habe viele ältere Menschen, die sonntags zu ihm essen kommen. „Wenn die sich nun auch noch vorher testen lassen müssen, obwohl sie geimpft sind, bleiben viele von ihnen zu Hause“, vermutet Grolp.

Er habe zwar einen Lehrgang mitgemacht, sodass er Corona-Schnelltests auch selbst durchführen könne. Doch wohl fühle er sich dabei nicht. „Ich bin Koch und kein Mediziner“, sagt Lukas Grolp. Und fügt hinzu: „Es nervt einfach nur.“

Das Hotel beherberge derzeit kaum Gäste und auch in der Gaststätte ist vieles weggebrochen, weil Weihnachts- und Familienfeiern abgesagt wurden. „Die Gäste fühlen sich teilweise auch vor den Kopf gestoßen“, so der Inhaber. Wer aufgrund der Bestimmungen nicht in der Gaststätte essen könne, könne den Abholservice nutzen.

Praktisch alle Feiern abgesagt

„Bei 2G-Plus können wir aufhören“, sagt Lars Lemke vom Restaurant Bürgergarten in Döbeln. Die Besucherzahlen seien schon seit Einführung der 2G-Regel deutlich zurückgegangen. „Ältere Leute, die geimpft sind, gehen doch nicht vorher noch zum Schnelltest“, so Lemke. Der Döbelner ist der Auffassung, dass die Pandemiebekämpfung auf den Rücken der kleinen Geschäfte und der Gastronomie ausgetragen wird.

Lars Lemke will weiterhin seinen Bestellservice anbieten. Telefonisch oder über das Internet können die Kunden ihre Gerichte ordern. Diese werden dann je nach Wunsch geliefert oder können abgeholt werden.

Vinod Kumar hat sein indisches Restaurant Namasté in Döbeln erst in diesem Jahr eröffnet. Das Geschäft ist gut angelaufen. „Noch Anfang November haben wir das Lichterfest gefeiert. Das war sehr gut besucht“, sagt Kumar. Doch seit der Einführung der 2G-Regel „ist richtig tote Hose“, sagt es der Inhaber drastisch. Praktisch alle Feiern in der Vorweihnachtszeit, egal von Firmen oder Privatleuten, seien abgesagt worden.

Jetzt sei das Restaurant nur mäßig besucht. „Teilweise sitzen drei bis vier Leute drin. Es gibt auch Tage, da kommt gar kein Gast“, so der Gastwirt. Wenn die 2G-Plus-Regel tatsächlich eingeführt wird, „dann muss ich überlegen, ob ich schließe“, so Kumar.

Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Gästen

In der Margarethenmühle in Haßlau ist der Besucherrückgang ebenfalls deutlich zu spüren. „Die meisten Feiern sind nach Bekanntwerden der 2G-Regel abgesagt worden“, sagt Sabine Firley. Werde diese Regel nun noch verschärft, sei mit noch weniger Gästen zu rechnen. Der Außer-Haus-Verkauf lohne sich für sie kaum, weil die Margarethenmühle zu weit abgelegen liege.

  • Nachrichten aus der Region Döbeln von Sächsische.de gibt es auch bei Facebook und Instagram

Der Ratskeller Waldheim hat dagegen schon Konsequenzen gezogen. Seit dem 22. November ist das Lokal geschlossen. „Wir haben es uns gewiss nicht leicht gemacht. Verantwortungsvoll sowie durchdacht zu handeln, ist jetzt das Wichtigste“, schreibt Inhaberin Kathrin Kreyser-Zeuner auf der Internetseite des Ratskellers. „Sehr wichtig ist uns dabei, der Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern, Freunden, Gästen und unserer Familie gerecht zu werden, um mit den gegenwärtigen Entscheidungen nicht alles zu verlieren“, so Kreyser-Zeuner.

Unter den gegebenen Umständen sei in keiner Weise ein Wohlfühlcharakter vermittelbar, deshalb werde der Restaurantbetrieb im Ratskeller Waldheim vorübergehend eingestellt.

Gäste, die das Restaurant dennoch unterstützen möchten, können an den Wochenenden Gerichte – auf Vorbestellung per Telefon oder E-Mail – im Ratskeller abholen. „Möglich ist dies samstags von 17 bis 20 Uhr und sonntags von 11 bis 13.30 Uhr oder auf Anfrage“, so Kreyser-Zeuner.